Ray Ferrier ist Dockarbeiter. Übers Wochenende soll er sich um seine Kinder kümmern, seine Ex-Frau liefert Robbie und Rachel bei ihm ab; doch in seinem Haus gibt’s noch nicht mal was zu Essen.
Hinter dem Haus zieht sich ein mächtiges Gewitter zusammen, und 26 Blitze schlagen an derselben Stelle ein – auf den Blitzen geritten kommen die Außerirdischen auf die Erde, sie besteigen die Kampfmaschinen, die schon sein Äonen unter der Erdoberfläche warten. Ihr Ziel: Die Vernichtung der Menschheit.
Ray, Robbie und Rachel können entkommen, in einem der wenigen Autos, die noch fahren. Sie fliehen, ohne zu wissen, wo es Sicherheit gibt, immer Richtung Boston, wo Rays Ex-Frau wohnt. Unterwegs begegnen sie verzweifelten Massen von Flüchtlingen und verwüsteten Gegenden; und sie kommen an ein Schlachtfeld, wo die Armee sich bemüht, die Erde zu verteidigen. Hier trennt sich Robbie von der Gruppe ab, er will kämpfen. Ray und Rachel kommen im Keller des selbsternannten Guerrila-Kämpfers Ogilvy; doch auch hier gibt es keinen Schutz vor den Angreifern...
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| FILMKRITIK
Stell dir vor, es ist Krieg, und alle rennen hin: Ist das nicht das Grundkonzept aller Spielberg-Filme? Bei „Krieg der Welten“ erreicht er neue Dimensionen. Hier wird jedes Mittel eingesetzt, um die Leute ins Kino zu treiben, selbst die öffentliche Verlobung von Tom Cruise. Nur um eines darf es nicht gehen, um den Film selbst. Darüber darf erst am Tag des weltweiten Starts berichtet werden – und sogar diese restriktive Haltung des Verleihs gegen die Filmkritik wird genutzt, um Aufmerksamkeit zu erregen.
Aufmerksamkeit: Das ist es, was der Film erreichen will, jedoch in umgekehrter Richtung wie bei Orson Welles’ legendärer Hörspielversion von H. G. Wells’ Roman: Damals, 1938, war die Wirkung so enorm, dass die Menschen in Amerika massenweise in panikartiger Fluchtreflexe verfielen – diesmal, bei Spielberg, sollen die Leute reflexhaft in die Kinos rennen.
Aufmerksamkeit: Darum geht es auch im Film selbst. Das wichtigste ist, die Augen offen zu halten und nicht kopflos zu fliehen, sondern sich den Angreifern zu stellen, sagt einmal der Tim-Robbins-Charakter, der im Keller auf den richtigen Zeitpunkt zum Gegenschlag wartet. Und als Robbins sich mehr und mehr in fanatischen Wahnsinn hineinsteigert, verbindet Ray die Augen von Tochter Rachel, damit sie nicht sieht, wie er ihn zum Schweigen bringt…
Spiegelungen, immer wieder: Über Reflexionen in Schaufenster und Autoscheiben sieht man zum ersten Mal, wie eine der außerirdischen Kampfmaschinen aus dem Boden auftaucht, und über das Videoband eines Kamerateams bekommen wir zum ersten Mal die ungeheuren Ausmaße der Attacke gezeigt. Ein Tentakelauge sucht nach Menschen, und ein großer Spiegel, in dem sich der böse Blick selbst sieht, bietet notdürftigen Schutz; und Robby, der Sohn, will sich mit pubertärem Sturm und Drang den Soldaten anschließen, die sich zu verteidigen bemühen: „Ich will dabei sein! Ich will das sehen!“
Sehen und nicht gesehen werden: Das ist die Überlebensformel beim Vernichtungskrieg gegen die Menschheit. Sehen ohne Gefahr für sich selbst ist die Situation des Kinozuschauers, und Zeigen und eine nichtexistente Gefahr spürbar zu machen, das ist die Aufgabe des Regisseurs vom Spielberg-Typ. Natürlich kann Spielberg das meisterhaft, den Blick vom Einzeller auf die großen Monstren lenken, eine Geschichten vom aussichtslos scheinenden Kampf zwischen David und Goliath zu erzählen und dabei direkt die Gefühlszentren zu treffen; über die Bilder Emotionen erzeugen, über gewaltige Kamerafahrten, über klare, expressive Lichtsetzung – überbelichtete verlassene Landschaften, düstere Hügel, auf denen ein unheilvolles rotes Kraut wuchert –, und immer wieder die reaction shots auf Cruise, der seine Angst tapfer unterdrücken will, auf die riesigen Augen der kleinen Dakota Fanning, die mehr sehen muss, als in ihren Kopf und ihre Seele passen will…
Spielberg erzählt eine Geschichte von der großen Invasion, von der drohenden Vernichtung der Menschheit durch bösartige Angreifer aus der Fremde: „Sind das Terroristen?“ – „Nein, die kommen von ganz woanders her.“ – „Was meinst du: aus Europa?“ Und inmitten der Massenvernichtung konzentriert sich Spielberg auf den Dockarbeiter Ray. Was kann der Einzelne tun gegen die Übermacht des drohenden Todes? Soll er kämpfen, in den Untergrund gehen? Wie kann er ein Mensch bleiben inmitten der Unmenschlichkeit?
Natürlich geht es bei Spielberg – wie immer – um die Familie, die zerbrochen ist und sich nach innerer Heilung sehnt; und in der Familie liegen auch mögliche Antworten auf die Fragen des Filmes. Ray ist als Vater unfähig, selbst in der Stunde der größten Not kann er seiner Tochter kein Gutenachtlied singen. Doch indem er sich bewährt und seine Kinder bewahrt, kann er die Risse in den Beziehungen kitten – wenn sie auch für immer sichtbar bleiben. Da müssen erst Außerirdische kommen, um die rechten Gefühle zwischen einem Vater und seinen Kindern wiederherzustellen: ein recht pessimistisches Bild der Gesellschaft, das Spielberg zeichnet, von Menschen, die sich (manchmal erfolglos) verzweifelt bemühen, nicht des Menschen Wolf zu sein.
In einer Art umgekehrter Geburt sprengt Ray eine der Kampfmaschinen in die Luft, und dann, als die Aliens nach und nach gestorben sind, kann sein Sohn ihn in den Arm nehmen, und das heißt: als Vater anerkennen. Die Invasion des Bösen – das die Erde scheinbar ohne Grund angreift – ist für Spielberg damit eine Aufgabe: eine Aufgabe des Erhalts des inneren Zusammenhalts der Menschen im Kleinen; die Ausrottung der Menschheit wird gleichgesetzt mit der Auflösung des Familienkerns, das Überwinden des einen ist gleichzeitig das Überwinden des anderen. Am Ende sehen wir an einem toten Baum eine Knospe: Das erste Grün seit langem.
| FAZIT
Ein bombastisches Spektakel, das die Zuschauerzahlen des bislang mauen Kinojahrs hochtreiben wird.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung