Drei Geschichten nach den Graphic Novels von Frank Miller:´
Marv hatte mit Goldie die Nacht seines Lebens, doch am Morgen ist sie tot – und die Polizei ist hinter ihm her. Marv schwört, den wahren Täter zu finden, und er zieht los in die Nacht von Sin City. Durch hartnäckiges Fragen (sprich: brutales Foltern) findet er Puzzlestück um Puzzlestück, doch am Ende ist er tot.
Dwight hilft den Nutten, einen toten Cop aus dem Sin-City-Viertel Old Town zu transportieren – die Leiche würde den fragilen Waffenstillstand zwischen Nutten, Polizei und Mafia zunichte machen. Nach einer waghalsigen Fahrt mit der Leiche auf dem Nebensitz entspinnt sich ein harter Kampf um den Kopf des Toten, bis die Straßen von Toten übersät sind.
John Hartigan ist einer der weniger ehrlichen Bullen, doch das bekommt ihm schlecht. Er rettet die elfjährige Nancy vor einem pädophilen Kidnapper, doch das ist leider der Sohn des mächtigen Senators, und Hartigan wird für Jahre ins Gefängnis gesteckt. Dann wird er entlassen, und er macht sich auf die Suche nach Nancy. Doch noch jemand ist hinter ihr her, und am Ende ist Hartigan tot.
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| FILMKRITIK
Tod und Verderben: Das ist es, was Sin City bietet. Nur die ganz Harten, die, die sich arrangiert haben, oder die, die mächtig genug sind, können überleben in einer Stadt, in der jede Moral negiert wird.
Anfang der 90er hat Frank Miller die Graphic Novels um diese Stadt entworfen, Comicbücher, die alles andere als komisch sind. Harte, brutale Geschichten in harten, schroffen Bildern, zusammengesetzt aus flächigem Schwarz und flächigem Weiß, ohne Zwischentöne, ohne jede Spur der Erleichterung. Diese Bücher hat Robert Rodriguez nun in Filmform umgesetzt, oder besser: Er hat Millers Bilder übernommen, und Miller als Co-Regisseur gleich mit dazu. Millers Bildgeschichten als Storyboards, direkt adaptiert und in bewegte Filmbilder umgesetzt: Die Schauspieler agierten vor Green Screen, digital wurden die urbanen Wüsten von Sin City in den Hintergrund gesetzt.
Dieses Verfahren – man hat es schon (in bunt) bei „Sky Captain and the World of Tomorrow“ sehen können – bewirkt einen merkwürdigen Effekt, eine Trennung von Vordergrund-Spiel und Hintergrund-Bild, eine latente Statik des Agierens: Eine Comic-Welt, in der jede Einstellung ein neues Panel darstellt. Millers Geschichten sind detailgetreu umgesetzt, kontrastreiches Schwarzweiß bewirkt eine düstere Film Noir-Atmosphäre, durchsetzt von nur wenige Farbtupfern, rot vor allem, das Rot von verführerischen Lippen und frischem Blut, oder das Gelb eines degenerierten stinkenden Gnoms.
Düsternis überall, und der Tod kommt langsam, grausam, mit unendlichen Schmerzen: Gröbste Brutalität versprüht der Film, mehr noch als die Comics, wo das Schlimmste in beinahe abstrakten Bildern abgefangen wird – Rodriguez versucht, durch Stilisierungen die Gewalt abzumildern, er macht das Blut auch mal weiß und lässt zeichentrickhaft die Figuren ins Zweidimensionale verschwinden – dennoch trifft es direkt in die Magengrube, einer (oder zwei, oder vielen) Folterungen zuzusehen, mit echten Menschen, die die Figuren darstellen, deren Gliedmaßen zermalmt werden.
Rodriguez, der nie zimperlich war, gerät hier in eine seltsame Zwischenwelt. Der Film in seiner Hochglanz-Schwarzweißästhetik kommt daher wie ein postmodernes Funmovie – Tarantino höchstpersönlich hat eine Szene gedreht, eine Autofahrt mit einer sprechenden Leiche auf dem Nebensitz –, doch gleichzeitig sind die Vorlagen alles andere als spaßig, sie ergehen sich Bild für Bild in der gewalttätigen Brutalität der Moderne, stilisiert, aber angefüllt von einer Atmosphäre unbarmherziger Härte.
Obwohl Frank Miller stark involviert war, gelingt es dem Film nicht, sich zu entscheiden; es gelingt dem Film nicht, die Comicbilder mit Leben zu füllen, und er füllt sie auch nicht genug mit Tod. So bewegt sich alles, 126 Minuten lang, auf einem ähnlichen Niveau der Härte, die nicht hart genug ist – oder der stilisierten Funprügeleien, denen die nötige Leichtigkeit abgeht. Stellenweise drückt er Millers negative Weltsicht direkt aus, doch eine wirklich genuine, ernsthafte Haltung – zur Düsternis oder zum hippen Blutvergießen – geht dem Film ab. Er behauptet Atmosphäre, ist aber nicht wirklich von ihr durchsetzt. Und so wirkt der Film in der Tat zu lang: Auf immer die gleiche Art erzählt er immer dasselbe, von Menschen, die auch als die Hauptfiguren der Episoden keinerlei Sympathie erheischen. Und sind die Bilder auch originell und erfindungsreich erstellt, so fehlt ihnen doch der emotionale (und auch dramaturgische) Zusammenhalt. Es sind bewegte Comic-Bilder, doch ohne den Drive und ohne die Atmosphäre der Vorlage.
| FAZIT
Düstere, bildgewaltige Geschichten aus der sündigen Stadt – doch leider ohne die vom Film behauptete negative Atmosphäre wirklich durchzuhalten.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung