„Jetzt können wir wieder Menschen angucken“. Im phantastischen Zoo des New Yorker Central Parks bieten die Besucher mit ihren bewundernden Blicken eine unterhaltsame Abwechslung im Verwöhnprogramm der Zootiere. Doch trotz aller Vorzüge der Berühmtheit und der Rundumversorgung mit feinsten Delikatessen, hegt das abenteuerhungrige Zebra Marty plötzlich den Wunsch, einmal etwas anderes zu erleben, sich vielleicht sogar die nie gekannte Wildnis einmal anzusehen. Martys Wunsch wird besser erfüllt, als ihm lieb ist. Sein nächtlicher Ausflug, der eigentlich nur bis zum Morgengrauen dauern sollte, endet für ihn und seine drei Freunde, den Starlöwen Alex, die Hypochonder-Giraffe Melman und die emanzipierte Nilpferddame Gloria, ungewollt mit der Verschiffung nach Afrika. Auf dem Weg überbord gegangen, werden sie als tierisches Treibgut an den Strand von Madagaskar gespült und finden sich plötzlich mit den harten Gesetzen der Wildnis konfrontiert, welche ihre Freundschaft auf eine harte Probe stellt. Die verweichlichten Zootiere haben ihre instinktgesteuerten Hierarchieverhältnisse von Jägern und Gejagten über dem Zoo-Luxus einfach vergessen. Aber in der Wildnis des Dschungels verwandeln sich Alex’ plauschige Tatzen in messerscharfe Klauen und sein bester Freund Marty ist in seinen Augen plötzlich nur noch ein saftiges Steak.
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| FILMKRITIK
Diese hippe Parabel vom verwöhnten Zootier, das sich in der wilden Natur nicht mehr zurecht findet, geht über die Ode an den Tierpark hinaus und lässt hinter seinen Charakteren mit ihren allzumenschlichen Eigenheiten auch das gesättigte, naturfremde Großstadttier Mensch hervorlugen. Wer einem kindgerechten Animationsspaß aber keine gesellschaftskritischen Ambitionen unterstellen möchte, dem sei hiermit rechtgegeben: Es handelt sich bei „Madagascar“ vor allem um gute Unterhaltung, die sich dynamisch von Lacher zu noch lauterem Lacher hangelt.
In bekannter „Shrek“-Manier setzt DreamWorks auch hier wenig auf sentimentale Sonnenuntergangsstimmung, sondern gibt dem großen Thema Freundschaft eine erfrischende ruppig-unverblümte Note, bei welcher dem Zuschauer sein amüsiertes Grinsen selten vergeht. So endet die zeitlupengedehnte, zuckrige Wiedersehensfreude der besten Freunde Alex und Marty am Strand von Madagascar dann eben nicht in freudenträniger Umarmung, sondern in einer wilden Rachejagd.
Mit ironischem Unterton benutzt der Film dann auch Zitate aus amerikanischen Erfolgsfilmen der letzten Jahre wie „Castaway“ und „American Beauty“. So fallen in Alex’ Sehnsuchtstraum keine Rosen, sondern blutige Steaks, und ganz im Gegensatz zu Tom Hanks braucht der tollpatschige Melman nicht tagelange Übung, sondern puren Zufall, um Feuer zu machen, das dann auch gleich die Freiheitsstaue abbrennt, die Alex als sentimentales Denkmal in Verehrung für seine Heimatstadt mühsam erbaut hatte.
Die Charaktere sind angenehm anti-heldisch. Diva Alex weiß, sich im Zoo in Szene zu setzen, posiert mit Zahnpastalächeln im Blitzlichtgewitter und versetzt mit seinem schaurigschönen Brüllen das begeisterte Publikum in süßen Schauder. In der Wildnis auf sich allein gestellt verwandelt er sich dann zunächst in ein quengelndes Nervenbündel, dem der Titel König der Tiere wenig gebührt. Auch die Katastrophen-Giraffe Melman sorgt in seiner tollpatschigen Verdrossenheit immer wieder für komische Momente – sein langer, krummer Hals lässt sich in alle möglichen Unformen verbiegen und steht in witzigem Kontrast zum plumpen Körper Glorias, die auch mit ihrer pragmatisch-direkten Einstellung Ausgleich schafft.
Es ist aber doch Marty – das wissensdurstige Zebra, das sich darüber den Kopf zerbricht, ob es nun weiß sei mit schwarzen Streifen oder umgekehrt – der trotz seines wenig hünenhaften Aussehens mit schlacksigen Beinen und seltsam eckigem Schwanz den kühlen Kopf behält und sich in die Herzen der Zuschauer spielt.
Ganz besonders drollig sind vier militärisch durchorganisierte Pinguine – von ihren Zoomitbewohnern als Psychopathen verschrien – die ihren Traum von der Antarktis mit allen Mitteln durchsetzen und allen mal so richtig zeigen, was mit dem geflügelten Wort „Klein aber oho!“ eigentlich gemeint ist. Ganz in Politikermanier lächeln sie ihr Zoopublikum in den Zustand gutgläubiger Verehrung, während sie sich direkt vor ihren Augen in die Freiheit graben und halten bis zum Ende heimlich alle Fäden in der Hand.
Nebencharaktere wie diese, zum Beispiel auch ein Affe mit Alkoholproblem und sein zeichensprechender Kumpel oder das begeisterungsfähiges Wildnisvolk von partyliebenden Lemuren, lockern das Geschehen auf und verhelfen immer wieder zu den lustigsten Situationen.
Schon allein das Aussehen der Tiere mit ihren übertriebenen Proportionen schafft eine komische Basis und immer wieder slapstickhafte Momente. Die extrem stilisierte, anti-realistische Ästhetik wurde mithilfe der „squash and stretch“-Technik erzeugt, mit der Designelemente des Zeichentrick in die Animation übertragen werden konnten.
Alles ist etwas überzogen, aus den Fugen geraten. Sowohl der Grosstadtdschungel als auch die reale Dschungellandschaft von Madagaskar bewegen sich zwischen Natürlichkeit und zeichentrickästhetischer Stilisierung. Voller Liebe zum Detail animiert, sind sie ideenreich und farbenfroh inszeniert und befinden sich in ständiger Bewegung.
Auch in der Animation der Tiere wurde den kleinsten Finessen Beachtung geschenkt, bei der jede Nuance der Gesichtsausdrücke zur Geltung kommt und es möglich wird, allein über körperlichen Ausdruck Komik zu erzeugen.
Mit dem Song „You like to move it“ wird in „Madagascar“ einem alten Dance-Klassiker wieder Leben eingehaucht. Die Lust an der Bewegung ist es auch, die den Film durchzieht und ihn so gut funktionieren lässt: Die Dynamik der Bilder, die eigenartigen Bewegungen der Helden und vor allem das Tempo der Erzählung, wo nie zuviel geredet wird und das Abenteuer zuende ist, bevor es langweilig werden kann.
Der Starlöwe Alex, das reiselustige Zebra Marty und seine kuriosen Tierfreunde begeistern nicht nur ihre New Yorker Zoobesucher, sondern werden vermutlich in ähnlicher Manier auch die kleinen und großen Kinobesucher zu Freudenglucksern und Fanartikel-Kaufrausch veranlassen.
| FAZIT
Unterhaltsames, dynamisches Animationserlebnis mit tierischen Helden für Klein und Groß.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung