In einem amerikanischen Bergarbeiter-Kaff wohnt der junge Supermarktverkäufer Dick (Jamie Bell). Gemeinsam mit dem technisch versierten Waffenkenner Stevie (Mark Webber) übt er in einer stillgelegten Mine Schießen. Seine Pistole Wendy gibt dem schüchternen Außenseiter und Waisen Dick neues Selbstbewusstsein. Er beginnt, „The Zombies“ zu hören und den Leuten auf dem Marktplatz zuzuwinken. Natürlich, das ist den beiden Pazifisten klar, dürfen die Waffen niemals draußen benutzt werden.
Dick will auch andere Außenseiter des Ortes von der moralischen Kraft der Waffen profitieren lassen. Die unscheinbare Susan (Allison Pill), der gehbehinderte Huey (Chris Owen) und sein Bruder Freddie (Michael Angarano), der in der Schule immer verprügelt wird, kommen in den neu gegründeten Club der „Dandies“. Mit Dick als Anführer lernen sie alles über die Wirkung von Projektilen, geben ihren Waffen, die sie Partner nennen, Namen, und führen Mantel-und-Degen- sowie Westernspiele in fantasievollen Kostümen auf.
Sheriff Krugsby (Bill Pullman) vertraut Dick den schwarzen Jugendlichen Sebastian (Danso Gordon) an, der einen Menschen erschossen hat und nun einen Bewährungshelfer braucht. Ein Machtkampf zwischen Sebastian und Dick um die Führung der Gruppe bringt Dick auf die Idee, die Dandies müssten sich öffentlich beweisen. Bald fliegen den versammelten Ordnungshütern auf dem Marktplatz die Kugeln um die Ohren.
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| FILMKRITIK
Regisseur Thomas Vinterberg („Das Fest“) und Drehbuchautor Lars von Trier („Dogville“) nennen ihre filmische Zusammenarbeit ein Experiment. Die beiden dänischen Begründer des Manifests „Dogma 95“ haben hier die aberwitzige Idee, dass sich ein Mann in eine Waffe verliebt, in einer realitätsfernen Minenstadt, die eher Westernkulisse ist, angesiedelt. Dort entfaltet ihr Brainstorming einen lebendigen Spannungsbogen um so verschiedene Themen wie: die Desperados und Revolverhelden in der amerikanischen Mythologie, die Pop- und Hippiekultur der sechziger Jahre mit ihren psychedelischen Gegenwelten, das amerikanische Recht auf Waffenbesitz und seine Folgen, der Werdegang jugendlicher Amokläufer.
Der Marktplatz mit den verfallenden Bretterbuden, die verlassene Mine, in der sich die jungen Leute häuslich einrichten, strahlen eine surreale Einsamkeit aus. In dieser Leere entdecken Dick und seine Freunde die Freiräume einer Fantasiewelt. Sie finden Spaß an ihrer Ironie als „Dandies“, die sich abends in Robin-Hood-Gewändern, mit Seidentüchern, bestickten Jacken, Turbanen und Fellmützen auf den Marktplatz wagen.
Jamie Bell („Billy Elliot“) als Dick ist introvertiert, von Minderwertigkeitsgefühlen geplagt, aber voller unterdrückter Kraft. Und plötzlich ist er Akteur in einem Theaterstück, in dem die Western-Outlaws und die Rächer der Entrechteten die Herzen der Zuschauer erobern. Der Rausch von Freiheit und Abenteuer erinnert an die „Zwei Banditen“ von 1969, Butch Cassidy und Sundance Kid, wie sie mit Pistolen in der Hand auf eine gegnerische Übermacht zulaufen.
Die Dandies begeistern sich für Bücher und Lehrfilme, die zeigen, wie die Projektile menschliche Körper präzise durchbohren. Die Filmemacher durchsieben mit ironischem Witz die Vorstellungen von der Waffe als Phallussymbol, als sexualisiertem Fetisch, als rechtmäßigem Mittel zur Verteidigung von Haus und Hof. Etwa wenn die verängstigte Großmutter Sebastians eine gewaltige Knarre zieht, um ihre Handtasche zu schützen.
Bill Pullman parodiert Krugsby als den misstrauischen Sheriff. Gerade weil er seine Macht kennt, mutiert er zur zwiespältigen Alles-Easy-Figur. Sebastian wird aus einer Bronx-Realität in diese Traumwelt geweht. Ein wirklich cooler Actiontyp, belächelt er die Spielereien der Dandies. Und schaut doch zu seinem moralischen Vorbild Dick auf, als der für seine Ehre in den echten Kampf aufbricht.
So schließt sich der Kreis, als die Dandies zum Amoklauf auf den Marktplatz treten. Begonnen hatte er in dem Moment, als Dick seine geladene Pistole zum ersten Mal in der Hand hielt und wie berauscht auf eine Zielscheibe ballerte. Dick schreibt seine unterdrückten Ahnungen und Zweifel in einem langen Abschiedsbrief an Wendy, der im Off zitiert wird.
Der Kreis schließt sich auch insofern, als die verkleideten Desperados ja nur das tun wollen, wie Dick sagt, was „jeder anständige Amerikaner“ tun würde: Sie wollen Sebastians Großmutter über den Marktplatz zu ihrer Cousine führen, die auf ihren Besuch wartet. Ein Mann muss irgendwann handeln.
Eine spannende, vielschichtige Collage über jugendliches Außenseitertum und die Ambivalenz einer Law-and-Order- und Outlaw-Kultur, deren Faszination für Waffengebrauch die Geschichte des amerikanischen Films durchzieht. Diese Spielwiese für freie Assoziationen hat allerdings etwas Kopflastiges.
| FAZIT
Junge Leute bei Schießübungen vor Westernkulisse: Rund um den amerikanischen Waffen-Mythos zünden Thomas Vinterberg und Lars von Trier ein spannendes Ideen-Feuerwerk.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung