Der Tod ist etwas ganz alltägliches im Leben von Caroline Ellis (Kate Hudson). Dass jedoch das Hospiz, in dem sie in New Orleans arbeitet, aus dem Sterben ein Geschäft gemacht hat, widerstrebt ihr. Die 25jährige sieht sich nach einem neuen Job um und wird im Umland der Stadt fündig. Etwa eine Stunde mit dem Auto von New Orleans entfernt, in den Bayous, den Sümpfen Louisianas, liegt das Anwesen des Cajun-Ehepaares Devereaux. Violet Devereaux (Gena Rowlands) sucht einen Pfleger für ihren Ehemann Ben (John Hurt), der nach einem Schlaganfall beidseitig gelähmt ist. Seine Ärzte halten ihn für einen hoffnungslosen Fall, rechnen in absehbarer Zeit mit seinem Tod.
Violet begegnet Caroline skeptisch. Erst der Anwalt Luke Marshall (Peter Sarsgaard) kann die traditionelle Südstaatlerin davon überzeugen, die junge Frau aus New Jersey einzustellen: „What do you want, a Southern accent?“
Also zieht Caroline bei den Devereauxs ein und sieht sich bald mit der fremdartigen Kultur der Einheimischen konfrontiert. Die Menschen, denen sie begegnet, glauben an eine Form von Magie, die sie Hoodoo nennen und die sich mit der Beschwörung von Geistern und mit Flüchen beschäftigt – nicht mehr als ein unsinniger Aberglaube für die aufgeklärte Caroline. Auch die Devereauxs scheinen für diese Praktiken empfänglich, wie etwa eine Linie aus Ziegelstaub entlang der Einfahrt zum Anwesen verdeutlicht, die alle Personen, die den Anwohnern böse gesonnen sind, davon abhalten soll, das Grundstück zu betreten. Zudem gibt es keinen einzigen Spiegel in dem Herrenhaus.
Caroline bekommt einen Generalschlüssel überreicht, der alle Türen im Haus öffnet – alle bis auf eine im hinteren Teil des Speichers, die laut Violet verschlossen ist, seit sie und Ben vor über 40 Jahren hier eingezogen sind. Dementsprechend verwundert ist Caroline, als sie eines Tages versucht, das Schloss zu öffnen, und Erfolg hat. In dem kleinen Raum findet sie zahlreiche Utensilien des Hoodoo-Kults: Knochen, Schädel, eingelegte, tote Tiere, ein Buch über magische Rituale und diverse Schallplatten mit Beschwörungsformeln. Hier hatte sich vor über 100 Jahren, in den dunklen Tagen der Kolonialzeit, ein schreckliches Ereignis zugetragen: Es war die Nacht eines glamourösen Empfangs, den die reichen Plantagenbesitzer für Freunde und Bekannte gaben. Irgendwann bemerkten die Gastgeber, dass ihre beiden Kinder verschwunden waren. Die vornehme Gesellschaft machte sich zunächst ein Spiel daraus, sie zu suchen; ein Spiel, aus dem tödlicher Ernst wurde, als man die Kinder schließlich gefunden hatte. In eben jener Kammer auf dem Dachboden saßen sie, inmitten zahlreicher brennender Kerzen, während das Dienerpaar Justify und Cecille ein Hoodoo-Ritual durchführte. Die Kinder, so erzählt man sich, hätten ihren Eltern zu erklären versucht, dass sie es waren, die Papa Justify und Mama Cecille darum gebeten hatten, ihnen die Hoodoo-Praktiken beizubringen. Doch die wütenden Männer und Frauen hatten bereits ihre Schuldigen gefunden – die beiden Sklaven wurden noch in der selben Nacht vor dem Haus gehängt, mit Alkohol übergossen und angezündet.
In den folgenden Jahren wurde die Familie von mysteriösen Todesfällen heimgesucht, lediglich die Geschwister überlebten und blieben bis ins hohe Alter in ihrem Elternhaus. Schließlich verkauften sie es an die Devereauxs.
Caroline weigert sich weiterhin, an Geistergeschichten zu glauben. Aber was, wenn Ben, wie ja offensichtlich auch seine Frau Violet, daran glaubt? Was, wenn allein dieser Glaube ausreichen würde, vom Rachefluch eines Geistes betroffen zu werden? Denn Ben verhält sich seltsam, wie Caroline bald bemerkt: Obwohl er nicht mehr in der Lage ist, zu sprechen, versucht er verbissen, ihr irgendetwas mitzuteilen. Obwohl er an den Rollstuhl gefesselt ist, versucht er eines Nachts mit letzter Kraft, aus dem Haus zu fliehen. Er schleppt sich durch das Fenster auf ein Vordach, hinaus in den strömenden Regen, doch seine unbeholfene, panische Flucht endet jäh, als er vom Dach stürzt. In Bens Zimmer findet Caroline ein Bettlaken, das ihr Patient vorher noch beschrieben hatte. Zwei Worte stehen da: help me.
Um Ben zu helfen, beginnt Caroline, sich mit Hoodoo zu beschäftigen. Während sie sich weiterhin einredet, nicht daran zu glauben, wird sie immer tiefer in diese Welt der Magie und der Geister, der Beschwörungen und der Flüche hineingezogen. „I don’t belief“ wird zu ihrem Mantra und zu ihrer Lüge – denn sie glaubt längst nicht mehr daran, dass Ben Opfer eines Schlaganfalls wurde. Immer mehr deutet darauf hin, dass Violet hinter Bens rätselhafter Krankheit steckt, dass sie ein von Papa Justify entwickeltes Ritual anwendet, um ihr Leben zu verlängern, indem sie das ihres Ehemannes opfert.
Es regnet wieder in Strömen, als Caroline den Entschluss fast, Ben wegzubringen aus diesem Haus, weg von Violet. Auch diese Flucht scheitert: Caroline muss Ben zurücklassen und kann selbst nur knapp entkommen.
Zusammen mit Luke Marshall kehrt sie ein letztes Mal zum Anwesen der Devereauxs zurück.
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| FILMKRITIK
„Der verbotene Schlüssel“ hat seine großen Momente am Ende. Erst dann wird der Zuschauer des Grauens gewahr, dem die Figuren des Films ausgesetzt waren, dann fängt er an, Szenen in einem andern Licht zu sehen und Dialoge neu zu deuten, dann begreift er, wie großartig John Hurt den verzweifelt sprachlosen Ben Devereaux spielt oder was vermutlich hinter der Abneigung der Hausherrin gegen Spiegel steckt. Die letzte Einstellung zeigt deutlicher als alle vorausgegangenen die Abgeschiedenheit des Schauplatzes, aus der der Horror letztlich resultiert. Aufgenommen aus einem Hubschrauber sehen wir noch einmal das Devereaux-Anwesen, und während die Kamera langsam von dem Haus wegfährt und den Blick auf die Umgebung freigibt, füllt sich das Bild mehr und mehr und immer mehr mit dem satten Grün der Sümpfe. Hier draußen gibt es keine Nachbarn, kein Anzeichen von Zivilisation, kein Entkommen. Die geographische Isolation des Schauplatzes, die dieses letzte Bild so eindrucksvoll vermittelt, korrespondiert mit der psychologischen Isolation der Figuren.
Der lange Weg zu diesem hervorragenden Scary End führt allerdings durch 90 Minuten Genredurchschnitt, versehen mit allerlei Versatzstücken aus anderen Filmen und Reminiszenzen an das literarische Genre des Gothic-Horrors und den Voodoo-Kult: Ein abgelegenes Haus und eine vermeintliche zweiköpfige Familie mit Pflegefall – das gab es doch schon mal bei einem gewissen Alfred Hitchkock. Düstere Beschwörungsformeln, diesmal nicht vom Tonband aus dem Keller, dafür von der Schallplatte auf dem Speicher, Spiegel, die mehr reflektieren als das, was das Auge wahrnehmen kann, ein dunkles Geheimnis hinter der verbotenen Tür, die zunächst verschlossen ist und nur mit dem verbotenen Schlüssel geöffnet werden kann – der im Übrigen gar kein besonderer, verbotener Schlüssel ist, sondern schlicht ein Generalschlüssel, ein skeleton key, wie der Film ja auch im Original heißt.
Lediglich das Setting im heißen und vor allem feuchten Süden der Vereinigten Staaten, in den Sümpfen von Louisiana, in diesem im Verfall begriffenen Haus im Nirgendwo, in einer Gegend, die wahrscheinlich selbst auf einen Amerikaner eigentümlich und exotisch wirkt, macht den Reiz dieser ersten 90 Minuten des Films aus. Regisseur und Produzent Iain Softley hat dem viktorianischen haunted house einen Ausflug in die Subtropen spendiert und damit eine ganz eigene Atmosphäre für seinen Film geschaffen.
Auch die Darstellung der vielschichtigen Figuren Ben und Violet Devereaux durch John Hurt und Gena Rowlands tröstet über die dramaturgische Durchschnittlichkeit hinweg und trägt dazu bei, dass man sich nicht zu sehr über einen weiteren Horror-Streifen von Hollywoods Fließbändern ärgert, der Genrestandards scheinbar willkürlich aneinander reiht. Denn so verständlich dieser Ärger wäre, so ungerechtfertigt ist er angesichts der überraschenden Storywendung am Ende auch.
Das Besondere an diesem Film ist, dass er seine eigentliche Wirkung erst am Schluss entfaltet, ja entfalten kann, erst, wenn man die Geschichte noch einmal im Licht ihrer Auflösung betrachtet, wenn man retrospektiv über das Gesehene nachdenkt. So wird „Der verbotene Schlüssel“ erst spät zu einem intelligenten und vor allem zu einem Horror-Film – aber besser spät, als überhaupt nicht.
| FAZIT
„Der verbotene Schlüssel“ macht zumindest Lust auf eine Reise in die Bayous von Louisiana – und überrascht am Ende doch noch.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung