Abenteuer,
Komödie,
Fantasy
| Großbritannien / USA 2005
| INHALTSANGABE
Charlie lebt mit seiner geliebten aber armen Familie in einer windschiefen, zugigen Holzhütte. Das Geld, das sein Vater von seiner Arbeit als Zahnpastatuben-Deckelzuschrauber mit nach Hause bringt, reicht gerade für eine allabendliche Kohlsuppe und eine Tafel Wonka-Schokolade im Jahr. Und genau diese eine Tafel soll nun Charlies Traum erfüllen.
Denn in genau fünf dieser Tafeln, die aus Willy Wonkas Schokoladenfabrik in die ganze Welt verschickt werden, befinden sich goldene Eintrittskarten. Die fünf Kinder, die diese Eintrittskarten zum richtigen Zeitpunkt in Händen halten, dürfen die sagenumwobene und seit zwanzig Jahren von keinem Menschen mehr betretene Schokoladenfabrik des exzentrischen Süßigkeitenerfinders Willy Wonka besichtigen. Am Ende winkt dann einem der Kinder ein phänomenaler Gewinn, von dem allerdings noch niemand weiß, woraus er besteht.
Tatsächlich gelingt es Charlie, an eine der begehrten goldenen Tickets zu gelangen. Auch der verfressene Augustus, die verwöhnte Veruca, die ehrgeizige Violet und das aggressive Genie Mike gehören zu den Auserwählten. Gemeinsam mit je einem weiteren Familienmitglied beginnt nun ihre wundersame Reise in die Welt des Willy Wonka.
Diese Reise führt durch gigantische essbare Landschaften und skurrile Räumlichkeiten. Mit einem rosa Zuckerboot befahren sie einen heißen Schokoladenfluss, naschen hier vom Gras, knabbern dort an einem Dauerlutscher. Nebenbei überfliegen sie ein Bruchschokoladen-Gebirge und besichtigen fleißige Eichhörnchen.
Ihr exzentrischer Gastgeber glänzt dabei nicht nur mit aufgesetzt freundlichem Lächeln, sondern auch mit einer nicht geringen Portion Weltfremdheit, Gemeinheit und Frohsinn. Begleitet wird die Gruppe von den Oompa Loompas, kleinen flinken Helfern, die im geeigneten Augenblick gerne mal ein Ständchen bringen.
Ihre Fabrikbesichtigung wird immer wieder durch kleine Zwischenfälle unterbrochen, bei denen es schonmal passieren kann, dass eines der gierigen, verwöhnten Kinder in mehr oder weniger große Schwierigkeiten gerät aus denen es mit erheblichen körperlichen Veränderungen hervorgeht...
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| FILMKRITIK
Ein Boot aus Zucker, essbares Gras, ein Wasserfall aus flüssiger Schokolade und Marshmellow-Bäume. Ein gläserner Aufzug, eine gefesselte Kuh und ziemlich viele Eichhörnchen. Das kommt dabei heraus, wenn ein Regisseur wie Tim Burton sich austoben darf.
„Charlie und die Schokoladenfabrik“ entwirft einen gigantischen Spielplatz aus Zuckerzeug und Schokolade.
Kaum zehn Sekunden vergehen ohne eine kauzige Bemerkung oder ein fantasievolles Gimmick. Plötzlich führen die Oompa Loompas im Schokoladenfluss ein Busby-Berkley-Wasserballett auf und der Monolith aus „2001“ wird zur Schokoladentafel. Und wie die Schlagsahne entsteht… nun ja. Mal ist es skurriler, mal schwarzer Humor. Sicher ist nur eins, es gibt immer wieder was zu lachen.
Tatsächlich sind die kurzweiligen Details so zahlreich, dass der Film Gefahr läuft, die eigentliche Handlung in den Hintergrund zu drängen. Dabei ist die Ausstattung gar nicht Mittelpunkt des Films. Der wird von der Figur des Willy Wonka beherrscht.
Erwartet man in ihm zu Beginn einen wunderlichen, liebenswerten Kauz, der Süßigkeiten erfindet, wird man bald eines Besseren belehrt. Der exzentrische Willy Wonka glänzt mit fröhlichem Sadismus, weltfremdem Gebahren und exzentrischen Anwandlungen. Eine Paraderolle für Johnny Depp, der, man kann es nicht anders sagen, umwerfend ist.
Gleichermaßen komisch und distanziert herrscht er, fröhlich auf den Fersen wippend, über sein quietschbuntes, süßes und ein wenig unheimliches Zucker-Reich und freut sich unverhohlen, wenn wieder einmal eines der unmöglichen Kinder in Schwierigkeiten gerät. Verzweifelt versucht er, die Süßigkeiten mit immer neuen Funktionen aufzuladen, um so eine Rechtfertigung für sein einst verbotenes Tun zu schaffen. Erinnerungen an sein diesbezügliches Kindheitstrauma werden unterhaltsam eingeflohten. Während der Führung ist er der Entertainer des Wunderlands. Eine Rolle, die er sichtlich genießt.
Dadurch wird der Film leider streckenweise zu einer One-Man-Show. Von Charlie, der zuvor als eine Hauptfigur eingeführt wurde, sieht und hört man nach der ersten halben Stunde nicht mehr viel. Die zahlreichen Protagonisten werden zu bloßen Stichwortgebern für die Gags des Kakaopoeten Willy Wonka degradiert. Ein wenig mehr Freiraum hätte man ihnen durchaus zubilligen können.
Während sich der Mittelteil ein wenig in die Länge zieht, hätte das Ende des Films ruhig ein paar Minuten länger in Anspruch nehmen dürfen. Das durchaus wichtige Verhältnis zwischen Charlie und Willy Wonka wird nicht sorgfältig genug aufgebaut. Dementsprechend übereilt wirkt da die Wandlung Wonkas am Ende des Films.
Hier darf der Zuschauer wieder Kind sein. Er darf sich in den Kinosessel schmiegen und gemeinsam mit den Figuren ein geradezu unglaubliches Märchenland erkunden. Darf ihnen in eine Welt folgen, in der Schokoladeneis nicht mehr schmilzt und Dauerlutscher ein ganzes Jahr lang halten.
Zusätzlich bietet der Film eine Definition von Glück, in der weder Geld noch Süßigkeiten, dafür aber eine liebevolle, Geborgenheit vermittelnde Familie im Vordergund steht. Trotz dieser Moral gelingt es dem Regisseur, die Klippen des Kitsches gekonnt zu umfahren.
Aus „Charlie und die Schokoladenfabrik“ wurde ein bunter, kurzweiliger typischer Burton-Film mit geringen dramaturgischen Mängeln, die aber durchaus zu verschmerzen sind. Schließlich bietet er ein Feuerwerk der Ideen und Johnny Depp in Bestform. Nur auf Süßigkeiten hat man danach irgendwie keinen Appetit mehr...
| FAZIT
Ein bunter, kurzweiliger Burton-Film mit einem Johnny Depp in Bestform.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung