Ein wogendes Kornfeld, in der Mitte spielt ein Junge Geige. Da tauchen andere Jungen auf, verprügeln ihn. Die Mutter zieht mit dem siebenjährigen Daniel weg. Als Erwachsener ist Daniel Daréus ein weltberühmter Dirigent, der täglich Konzerte in den großen Metropolen gibt. Da ereilt ihn ein Herzinfarkt. Daniel kehrt in das Dorf seiner Kindheit zurück.
Der Künstler nimmt die Stelle des Kantors an und leitet den Kirchenchor. Die Chormitglieder sind hin- und hergerissen von seinen ungewöhnlichen Methoden. Die Gruppe macht sinnliche Erfahrungen, die Menschen blühen auf. Konflikte und Rivalitäten werden mit überraschender Härte ausgetragen.
Die lebensfrohe Frau des Pfarrers nimmt dessen prüde Regeln nicht länger hin. Die begabte Gabriella wird von ihrem Ehemann verprügelt. Zwischen Daniel und der jungen Lena bahnt sich eine zarte Romanze an. Die eifersüchtige Siv schwärzt Daniel beim Pfarrer an. Der feuert ihn. Doch der Chor zieht zu Daniel ins alte Schulhaus, die Proben gehen weiter. Während der Chor Erfolge feiert, spürt Daniel endlich das Glück, das ihm als Kind versagt blieb.
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| FILMKRITIK
Nach seinem Herzinfarkt beendet der gefeierte Dirigent Daniel Daréus (Michael Nyqvist) seine Karriere. Sein Arzt hat ihm ein kaputtes Herz bescheinigt. Es verheißt nichts Gutes, als dieser Daniel durch die verschneite Landschaft in das Dorf seiner traurigen Kindheit zurückfährt. Dort weiß niemand, dass er einmal hier gelebt hat, jeder kennt ihn nur wegen seines internationalen Ruhms. Der scheue Künstler kann sich über die Flocken und einen Schneehasen vor dem Fenster kindlich freuen. Es verheißt nichts Gutes, dass der Schneehase von Conny erschossen wird, dem Schlägertypen aus Daniels früherer Schulklasse.
Als Daniel die Chormitglieder zu Lockerungsübungen anleitet, spürt man förmlich die Spannung. Einerseits erhoffen sich die Dorfbewohner von dem Künstler musikalischen Ruhm, andererseits aber sehen sie in ihm einen Sonderling, dem sie nur zögernd folgen können. Die Spannung entlädt sich und zieht die Zuschauer in ein faszinierendes Abenteuer, als die Chorsänger im Kreis am Boden liegen, jeder den Kopf auf dem Bauch eines anderen, und hemmungslos zu lachen beginnen.
Wie in „Die Kinder des Monsieur Mathieu“ – übrigens auch heuer oscarnominiert gewesen neben „Wie im Himmel“ - beflügelt das Singen im Chor die Menschen, weckt ungeahnte Kräfte, versetzt Berge. Dieser Prozess bleibt durchgehend spannend, in einem 125minütigen Film mit stillen Landschaftsbildern und wenig reißerischen Szenen. Die Schweden haben hier mit Hemmungen aus puritanischem Erbe zu kämpfen, und die Männer werden schnell aggressiv. Der prügelnde Conny, der machtgewohnte Pfarrer, der geschäftstüchtige Arne: Man hat Angst, was sie mit Daniel anstellen werden, der in seiner ungelenken Spracharmut manchmal an den französischen Monsieur Hulot erinnert.
Regisseur und Drehbuchautor Kay Pollak hat mit dem späten Comeback seiner Filmfigur einiges gemeinsam. Zwischen seinem vorigen Spielfilm „Love me!“ und „Wie im Himmel“ liegen 18 Jahre. „Love me!“ kam in Schweden am dem Tag in die Kinos, an dem der beliebte Premierminister Olof Palme nach dem Besuch eines anderen Kinofilms ermordet wurde. Pollak wandte sich vom Filmemachen ab. Seine Frau, die in einem Chor sang, inspirierte schließlich den 66jährigen zu dieser Geschichte über angstfreie Begegnungen und Menschlichkeit.
Die Zuneigung zu der lebenslustigen Lena (Frida Hallgren) bricht Daniels Panzer auf. Auch die Chormitglieder gehen nicht nur beim Singen aus sich heraus: Die ständigen Kaffeepausen, mit denen sie Daniel genauso nervten wie ihr Handygeklingel in den Proben, werden zu kleinen Festen, der Lebenshunger gibt gar eine wilde Tanzparty.
Man spürt in jeder Einstellung die ernsthafte Sorgfalt Pollaks. Unter anderen Umständen hätte man eine solche Geschichte als kitschig verschrien. Hier aber hält die Lust am Zuschauen solche Bedenken nieder, am Ende fließen Tränen. Aus einem unscheinbaren Stoff ist in epischer Fülle großes Gefühlskino entstanden. Schön, dass es solche Filme noch gibt!
| FAZIT
Berühmter Dirigent wird Chorleiter in einem schwedischen Dorf: Großes, oscarnominiertes Gefühlskino um späte Lebensfreude und kollektiven Aufbruch.
| BEWERTUNG
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