Mittwoch | 30. Mai 2012 | 15:33 Uhr
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  • FILM REVIEW | NVA
  • NVA

    Komödie | Deutschland 2005
  • | INHALTSANGABE

  • Henrik leistet seinen achtzehnmonatigen Wehrdienst bei der NVA ab, Ende der 80er Jahre. Dort begegnet er dem aufsässigen Krüger, seine Freundin macht per Brief Schluss mit ihm und er begegnet der hübschen Marie, die leider die Tochter des Oberst ist. Ansonsten hat er Spaß.
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      • | FILMKRITIK

      • Mit „Herr Lehmann“ hatte Leander Haußmann einen frischen Blick auf Langeweile und Gleichgültigkeit zu Zeiten großer Gesellschaftlicher Veränderungen geworfen: Jetzt, bei seiner erneuten Aufarbeitung der Wendezeit, ist der Film selbst langweilig geworden. Haussmann stößt direkt in eine der Säulen des Sozialismus hinein und versucht, von hier aus das Ende der DDR zu beleuchten: die NVA als Metapher für einen sinnlosen, nichtsnutzigen Staat, die zwangsläufig zusammenbrechen wird - am Ende gibt’s auch wirklich eine große Explosion. Allein, er will nicht glücken, der Durchgang durch eine Zeit heftigen Umbruchs gerät zu einem Gewaltmarsch der Langeweile.

        Haussmann, der selbst in der NVA gedient hat, schuf eine Militärklamotte, wie sie im Buche steht: Die Offiziere sind unfähig, bei den Rekruten ist von störrisch bis überangepasst alles dabei, die meisten Geschichten der episodischen Handlung verpuffen wie die Übungshandgranaten beim Exerzieren, es geht um Weiber und darum, dem Zwang soweit wie möglich zu entkommen – und insgesamt war’s ja aber doch keine schlechte Zeit, mit Freunden in der Kaserne abzuhängen, seien wir doch ehrlich, oder? Ach, wie harmlos ist alles, wie schrullig ist der Offizier, der die Waffenausgabe regelt, ohne richtig zählen zu können, wie kriegt doch der Militärstreber sein Fett ab, so dass er ganz in Verbände eingewickelt weitermachen muss, und wenn der Leutnant seinen langen, langen Vortrag über den Sozialismus beendet hat, wird erst mal gesoffen was geht.

        Mit Realität oder auch nur mit Satire hat das alles nichts zu tun, eher mit dem Versuch, aus der Militärzeit so viele Gags wie möglich zu ziehen – und so viele sind das gar nicht. Oft genug sind sie künstlich aufgesetzt, so, wenn das Meerschweinchen eines Offiziers beziehungsreich „Angela“ heißt, haha, oder wenn die frisch angekommenen Wehrdienstleistenden im Waschraum Kubricks „Full Metal Jacket“ nachspielen, wohlgemerkt in der englischen Originalfassung, obwohl sie, zumal in der DDR, natürlich nur die deutsche Synchronisation kennen dürften…
        Überhaupt Kubrick: Warum die dauernden Anspielungen? Es wird ein Geheimnis bleiben, vielleicht wollte Haußmann sich nur dicke tun, wenn er eine Liebesszene mit Ausziehen im Zeitraffer zeigt, obwohl alles rein gar nichts mit „A Clockwork Orange“ zu tun hat.

        Die Charaktere sind natürlich vollkommen unterentwickelt, man lernt sie nie richtig kennen. Alles wirkt unecht, selbst innerhalb der künstlichen Realität, die Haussmann kreiert. Seltsamerweise ist es gerade die ausgestellte Falschheit der Offizierskarikaturen, die ab und zu einen Lacher erreicht. Detlev Buck als Oberst Kalt (der natürlich aussieht wie der scharfe General Turgidson aus „Dr. Seltsam“) ist trocken wie üblich, er und seine Leutnants sind derart blöd, dass man sie schon wieder lustig finden muss. Der Versuch, den Charme der Skurrilität zu verbreiten, gelingt ansatzweise nur hier; wenn dann die Wende kommt und allem ein Ende setzt, sind sie fast schon traurig, nicht mit Waffengewalt gegen den Klassenfeind eingesetzt zu werden: in diesem Moment kommt ein Hauch dessen auf, was der Film an satirischem Potential haben könnte.

        Doch indem das Kasernenleben und auch der Militarismus allzu absonderlich und „lustig“ gezeigt wird, verliert der Film jede kritische Distanz und wird zu einem Werk versöhnlicher Nostalgie.
      • | FAZIT

      • Man muss einen Film auch danach beurteilen, was sein Regisseur vorher erreicht hat: und nicht nur deshalb genau einen Stern.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Harald Mühlbeyer

      • | Userwertung

      Wertung: 6.0/10 (2 votes)

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