Daniel liebt die Musik, deshalb ist er Dirigent geworden, er macht Musik ohne Rücksicht auf Verluste – doch nach einem Herzanfall aus Erschöpfung kehrt er unerkannt zurück in sein nordschwedisches Heimatdorf.
Dort beginnt er, den kleinen Kirchenchor zu leiten – gegen den Widerstand des Pfarrers, der seine Felle davonschwimmen sieht, weil mehr Leute in den Chor als in die Kirche gehen. Daniel findet im Chor seinen Traum von der Musik im Kleinen erfüllt, und die Chormitglieder erleben das erste Mal eine innere Freiheit, die sie bisher in der engen, festgefahrenen Dorfgemeinschaft mit den festen lustfeindlichen Regeln der Kirche nicht erfahren haben.
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| FILMKRITIK
Als am 28. Februar 1986 Kay Pollaks Film „Love me“ in Schweden anlief, wurde Ministerpräsident Olof Palme nach dem Kinobesuch ermordet. Ein Schock, ein Trauma, auch für Pollak, der danach aufhörte, Filme zu machen – bis 2004, bis „Wie im Himmel“.
Dem Film ist die Bluttat anzumerken, noch immer; so schön er ist, ist doch ständig der Geruch des Todes um ihn – nichts Morbides, nichts Makabres, eher Tod als Erlösung, als Übergang, als die letzte große Harmonie des Chores im Himmel. Es geht um eminent religiöse, theologische Fragen, um Schuld und um Sühne, um Gemeinschaft und die absolute Harmonie.
Im Mikrokosmos des Dorfes sucht Daniel Erlösung, Erlösung vom Stress und von seinem bisherigen Leben, das sein Herz zu sehr verbraucht hat. Unerkannt wandelt der verlorene Sohn in seiner Heimat, die Flucht vor der Großen Welt ist geglückt – doch das Paradies im Kleinen muss er erst aufbauen, und der Pfarrer kann dabei kaum helfen. Gleich nach Daniels Ankunft wird ein Schneehase mit dessen Flinte erschossen, ein Hase, den Daniel kurz vorher noch entzückt fotografiert hat.
Daniel, der genialische mit wildem Haar und wildem Blick, ist freilich ebenfalls ein Verwundeter, ein hustender Kranker mit emotionalem Frost in der Seele: ständig scheint er zu frieren, und nur ganz langsam taut er auf, an der Seite seines Engels Lena. Daniel muss lernen, dass Musik nicht nur aus Schmerzen geboren wird, dass Musik nicht nur der Endpunkt von Destruktion, von Zerstörung des eigenen Lebens ist, sondern dass vielmehr Musik dem Aufbau vorangehen kann.
Im noch zu entdeckenden Paradies sind die Engel schon da, Lena, die im Engelskostüm auftaucht und, natürlich, später Daniel lieben wird. Und einen Chor gibt es auch schon, und wenn auch die Klänge nicht gerade himmlisch sind, findet Daniel doch vieles darin, was im gefällt, vor allem wohl die Einfachheit. Er, der mit Blut, Schweiß und Tränen bis zum Zusammenbruch dirigiert hat, findet im Aufbau des Chores die Erfüllung seines Lebenstraumes. Alles kommt auf die Balance an, darauf, den Ton tief in der eigenen Brust zu finden: und wenn dann mit einer Tonüberblendung von hervorgestoßenen Übungslauten zum ersten Mal die Harmonie des Chores zu hören ist, geht einem das Herz auf ob der Gewalt, die in den perfekten Tönen liegt.
Übergänge, das ist das Leitmotiv des Filmes, Übergängen vom Missklang zur Harmonie oder von der Vielstimmigkeit ins Solo. Lena sitzt, als wir sie zum ersten Mal sehen, in einer Ecke ihres Ladens und weint im Weihnachtskostüm, um gleich darauf einer Kundin einen Witz zu erzählen (der natürlich von einem Toten handelt); aus einem Streit unter den Chormitgliedern wird plötzlich ein Fest, immer mehr Menschen und immer mehr Instrumente kommen dazu, zur Musik, zur Lebensfreude; und aus dem Ehekrach des Pfarrerehepaares wird eine Verführung. Nach dem Erfolg des ersten Konzertes gibt es eine spontane Liebeserklärung unter Senioren.
Der Film baut Takt für Takt eine immer größere Vielstimmigkeit auf, man lernt die Charaktere immer weiter, immer tiefer kennen .- und man hört die Missklänge unter ihnen, die Gemeinschaft, die nur Schein ist, in der der Einzelne doch einsam bleibt. Pollak gelingt das genaue Porträt einer lustfeindlichen, von religiösen Dogmen beherrschten, bigotten dörflichen Gemeinschaft, gefangen in einem Ethos, der keine Abweichung duldet, der jede Störung geflissentlich übersieht – oder den Betreffenden verdammt. Eine Frau wird von ihrem Mann geschlagen und jeder schaut weg, der Pfarrer versteckt hinter den Gesangsbüchern Pornohefte, und dass der langjährige Geliebte von Lena Frau und Kinder hatte, hat jeder gewusst – außer Lena, die dann als Schlampe verschrien war.
Mit Daniel, mit dem Aufbau des Chores, wird die soziale Kakophonie zum klaren Gleichklang: Das ist natürlich Standard in dieser Art von Film, die Herzen werden bewegt und verändert. Manchmal, selten, wird es auch tatsächlich zu viel, zu sentimental-kitschig: „Glaubst du an Engel?“ – „Wenn ich blinzle, sehe ich manchmal ihre Flügel.“ Doch der Film hält sich dennoch immer im Gleichgewicht, unterlässt alles Schrille, und er zeigt auch den eifersüchtigen brutalen Ehemann, wie er zärtlich mit seinen Kindern spielt.
Am Ende findet, auch das ist Standard, ein großes Konzert statt, ein Chorwettstreit – doch der Film bleibt hier bezeichnenderweise nicht beim Üblichen, er lässt aus dem musikalischen Wettkampf einen großen, allumfassenden, wie es scheint ewigen Klang entstehen, einen Klang, der Himmel und Paradies verheißt, der vollkommene Schönheit ist.
| FAZIT
Wunderschöner Film, harmonisch und wohltönend, ohne je ins Klischee zu gleiten.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung