FILM REVIEW | Wallace & Gromit - Auf der Jagd nach dem Riesenkaninchen
Wallace & Gromit - Auf der Jagd nach dem Riesenkaninchen
Animation
| Großbritannien 2005
| INHALTSANGABE
Die bevorstehende Gemüseschau, bei der die Nachbarschaft auf dem Gelände der Gräfin Tottington (Helena Bonham Carter) um das schönste und gigantischste Gewächs buhlt, verschafft dem Erfinder Wallace (Peter Sallis) und seinem Hund Gromit viele neue Aufträge. Denn scheinbar jeder hat in seinem Garten einen Riesenkürbis, eine groß gewachsene Aubergine oder eine gigantische Mohrrübe sitzen, denen es viel Pflege und Aufmerksamkeit bedarf, vor allen Dingen aber Schutz vor der gemeinen Nagerrasse „Kaninchen“.
Diese nutzen nämlich den Mantel der Nacht um sich über das große Gemüse her zu machen, was ihn ja grundsätzlich auch niemand verdenken sollte, denn schließlich liegt es in ihrer Natur. Dies ist zumindest die Meinung der äußerst friedliebenden Gräfin Tottington. So gefällt ihr die Methode von Wallace und Gromit mit ihren ‚Anti-Pesto’ Schutzvorrichtungen außerordentlich. Denn die mümmelnden Nager landen alle miteinander nach der erfolgreichen Jagd im Keller von Wallace, wo Gromit ihnen jeden Tag ein frisches Essen serviert.
Dieses Essen besteht selbstverständlich aus viel Gemüse und da es gerade praktisch ist, bekommt Wallace, der ordentlich zugelegt hat, auch nur noch Grünzeug vorgesetzt. Das gefällt dem Käseliebhaber natürlich überhaupt nicht.
Wallace lässt sich die einfache Erklärung, die Sucht nach Grünem liege in der Natur des Kaninchens, nicht einfach so gefallen. Diese Überlegung bringt ihn mal wieder dazu eine seiner berühmt berüchtigten Erfindungen auszutesten, bei denen er meist auch nicht davor zurück schreckt, selbst die Position als Testobjekt einzunehmen. Seine Theorie umfasst die Überlegung, wenn man den Verstand eines Kaninchen so manipulieren könnte, das es Möhren und anderes Gemüse widerwärtig und abstoßend findet, dann wären die beiden und die Nachbarschaft um viele Sorgen leichter.
Doch leider bewahrt sie dieser Versuch nicht davor, dass die Nachbarschaft plötzlich von einem riesenhaften Kaninchen heimgesucht wird, mit einem noch größeren Hunger als alle Kaninchen zusammen. Die ‚Anti-Pesto’ Vorrichtungen sind einem solchen Angriff nicht gefeit, und bald versammelt sich die aufgebrachte Nachbarschaft um zumindest den verbliebenen Gemüserückstände Schutz zu gewähren.
Der schießwütige Lord Victor Quartermaine (Ralph Fiennes), der mit seinem fiesen Hund schon lange um Lady Tottington buhlt und sich eine baldige Hochzeit verspricht, bietet sich sogleich an, die Jagd auf das Monster Kaninchen zu führen. Lady Tottington selbst hofft zwar noch auf eine friedliche Lösung von Anti-Pesto, doch Quartermaine hat eigene Pläne. Vor allen Dingen sieht er es gar nicht gerne, wie hoch Lady Tottington Wallace einschätzt und wie es zwischen den beiden zu knistern anfängt.
So beginnt die Jagd auf das Riesenkaninchen, die bald mit erstaunlichen Entdeckungen aufwartet.
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| FILMKRITIK
Angefangen hat alles mit einem britischen Kurzfilm der Aardman Studios aus dem Jahre 1989, Creature Comforts’, dessen Regisseur Nick Park 1991 den Oscar für den besten animierten Kurzfilm gewann. Doch Park hatte noch mehr in petto, denn im selben Jahr produzierte er Wallace & Gromit: A Grand Day Out (dt. Titel: Alles Käse), der bald zu einem beliebten Vorfilm in den Kinos weltweit wurde.
1993 folgte dann der halbstündige Kurzfilm Wallace & Gromit: The Wrong Trousers (dt. Titel: Die Techno-Hose) und als 1995 der Kurzfilm Wallace & Gromit: A Close Shave (dt. Titel: Unter Schafen) erschien, waren die beiden Figuren Wallace und sein treuer Hund Gromit schon lange zu Kultfiguren mutiert. Während der erste Wallace & Gromit Film im selben Jahr wie Creature Comforts nur für den Oscar nominiert war, gewannen die beiden Folgefilme den begehrten Preis.
Nick Park blieb trotz der Oscar-Ehren in Großbritannien bei den Aardman Studios und produzierte dort 2000 seinen ersten Feature Film Chicken Run, der zwar für die Golden Globes nominiert wurde, bei den Oscars aber übergangen wurde.
Dieses Jahr folgt nun der erste Wallace & Gromit Film in Spielfilmlänge, bei dem Nick Park zusammen mit Steve Box, ebenfalls einem alten Aardman Veteran, Regie geführt hat.
Und das Publikum, das die alten Filme geliebt hat, wird hier sicherlich nicht enttäuscht, das Duo des Käseliebhabers Wallace und des überlegten Hundes Gromit läuft hier zur Bestform auf, und lässt vergleichbare Gespanne wie Peterson und Findus blass aussehen.
Die Geschichte birst einmal wieder vor genialen Einfällen und schrägen Gedanken, gespickt mit unzähligen Filmzitaten, die anders als in diversen Animationsfilmen allerdings nicht mit dem Vorschlaghammer kommen. Angefangen mit alten Genrekonventionen aus dem Horrorfilm und Thriller, bis hin zu King Kong, Metropolis, Frankenstein und etlichen anderen Filmen, die hier allerdings nicht genannt werden um die Überraschung nicht vorwegzunehmen, wird hier alles parodiert und angeführt, ohne allerdings aus den Augen zu lassen, dass es nicht nur ums Zitieren geht, sondern auch um das Selbst-Kreieren. Etwas was in anderen Dreamworks oder Disney Produktionen manchmal ein wenig zu kurz kam.
So ist es nur von Vorteil, das man den Einfluss des amerikanischen Studios kaum spürt, und alter britischer Humor im Vordergrund steht, der für einen Lacher nach dem nächsten sorgt. Es sind die Details, die einen immer wieder erheitern, wie wenn der Hund von Lord Victor Quartermaine über einen Ladenstand lugt, dessen Schild ‚Hot Dogs’ direkt neben dem Kopf des Hundes prangt. Oder wenn das Feuerwerk die Form eines Kaninchen annimmt, und von einem anderen Feuerwerk zerschossen wird.
Ein weiteres Highlight ist die BV 6000, eine Maschine, die Kaninchen aus ihren Bauten heraussaugt und heil und sicher in einem Glasbehälter auffängt, in dem die kleinen Nager dann schwerelos herumfliegen. Diese Maschine arbeitet natürlich mit einer Geschwindigkeit von RpM (Rabbits per Minute), wie Wallace Lady Tottington bereitwillig erklärt.
Der heimliche Star des Filmes ist aber mal wieder Gromit, der zwar kein Wort sagt mit seinen Mimiken und Gesten jedoch meist genau das ausdrückt, was auch dem Zuschauer in diesem Moment durch den Kopf schießt. Mit seiner Treue zu Wallace und seinem unbrechbaren Charme, der von seinem durch und durch rationalen Verhalten herrührt, gewinnt er die Herzen des Publikums.
| FAZIT
Dieser Film beweist, dass es nicht auf aufwendig computeranimierte Technik ankommt, sondern auf die Geschichte, die in diesem Fall von den Knetfiguren sehr viel charakterstärker herübergebracht wird, als von manchen anderen Animationsfilmen.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung