Als Emily Rose (Jennifer Carpenter) eines Nachts in ihrer Studentenbude nicht einschlafen kann, versuchen plötzlich übernatürliche Kräfte von ihr Besitz zu ergreifen. In den folgenden Tagen leidet sie unter starken Halluzinationen und wird ins Krankenhaus eingeliefert. Als Medikamente nicht wirken und Ärzte nicht helfen können, wenden sich Emily und ihre Familie an Pfarrer Moore (Tom Wilkinson) und bitten um geistlichen Beistand. Moore führt einen Exorzismus durch, dieser misslingt und Emily stirbt einige Wochen darauf.
„The Exorcism of Emily Rose“ zeigt das Gerichtsverfahren, das nun gegen Pfarrer Moore eröffnet wird. Ihm wird Quacksalberei vorgeworfen zumal seiner „Patientin“ wichtige Medikamente vorenthalten wurden. Geistliche und wissenschaftliche Sichtweise werden in einem außergewöhnlichen Prozess gegenübergestellt. Moore möchte die Geschichte von Emily aus seiner Sicht erzählen, doch seine Verteidigerin Erin Bruner (Laura Linney) hat eine sehr weltliche Lebensanschauung. In kleinen Schritten kommen sich Moore und Bruner näher.
Bruner muss bald feststellen, dass vor Gericht gegen die medizinischen Argumente nur eine wissenschaftliche Darstellung des Exorzismus Erfolg haben kann. Auf der Suche nach Beweisen und Zeugen wird Bruner immer tiefer in den Fall verstrickt und glaubt bald selbst von Dämonen verfolgt zu werden. Und tatsächlich scheinen sich auf einmal merkwürdige Dinge zu ereignen und das Leben aller am Prozess Beteiligten scheint bedroht...
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| FILMKRITIK
Emily Rose ist ein ganz normales Mädchen vom Lande. Als sie ein Stipendium für die Universität erhält ist die Freude groß, nicht jedoch bei ihren Eltern. Wie so viele andere auch, ändert sich Emily durch das Universitätsleben ganz gewaltig – allerdings etwas mehr als üblich. Nachts allein im Studentenwohnheim wird sie von Dämonen heimgesucht, die sie fortan beherrschen. Doch weder Medikamente noch Exorzismus helfen – Emily stirbt. „The Exorcism of Emily Rose“ lässt die Frage offen, ob es sich tatsächlich um Besessenheit oder doch um eine irdische Krankheit handelt. Dies eröffnet einerseits einen kleinen philosophischen Diskurs, andererseits schafft die Vermischung aus Fakten und Fiktion eine gruselige Atmosphäre.
Emilys Wahrnehmung der Welt ist gestört und ihre subjektive Sichtweise vermag auch den Zuschauer zu erschrecken. Der Film kombiniert dabei bekannte Motive mit außergewöhnlich schön ästhetisierten Bildern. Sowohl eine weiß-graue Schneelandschaft als auch das Spiel zwischen Licht und Schatten in den farbig ausgeleuchteten Räumen schaffen eine stimmungsvolle Atmosphäre. Sogar der Soundtrack ist bestens auf die Bilder abgestimmt, ohne dabei zu aufdringlich zu wirken.
Als die Bedrohung der Dämonen auch in die Gegenwart reicht und Pfarrer Moores Verteidigerin Bruner die selben Symptome wie Emily spürt, steigt die Spannung. Wie Emily durch den Flur des Wohnheims, so läuft Bruner durch den Flur ihrer Wohnung und sucht die Quelle eines rauchigen Geruchs. Regisseur Scott Derrickson vermag es, in Bildern zu erzählen. In dem Bewusstsein, dass sich Gerüche leider (noch) nicht im Kino darstellen lassen, zeigt er Bruners Blicke auf den Feuermelder oder den Gasherd. Lange Sequenzen des Films kommen ganz ohne Worte aus und erzählen nur mit Bildern der Verunsicherung, der Angst und schließlich des Grauens.
Vor Gericht wird immer wieder ein Foto von der entstellten und vom Teufel besessenen Emily gezeigt. Jennifer Carpenter ist hierfür eine gelungene Besetzung, denn sie vermittelt ohnehin eine gewisse dämonische Ausstrahlung. Auch Laura Linney überzeugt als weltliche Karrierefrau so wie man Tom Wilkinson glaubt, er könne tatsächlich Dämonen austreiben.
Schwachpunkt ist, dass Exorzismus-Filme es wohl kaum mehr Schaffen können, etwas neues zu erzählen. Die Themengebiete des Horrors sind meist noch eingeschränkter als beispielsweise die des Westerns. „The Exorcism of Emily Rose“ umgeht dieses Problem geschickt durch das im Vordergrund stehende Gerichtsdrama um Pfarrer Moore. Dennoch macht er deutlich, dass der klassische Plot (Dämonen ergreifen Besitz von Mädchen, Pfarrer führt Exorzismus durch und muss sich gegen die ungläubige Umwelt behaupten) zu spezifisch ist, um für weitere Filme herzuhalten. Exorzismus als Thema kann vielleicht noch für viele andere Geschichten genutzt werden. „The Exorcism of Emily Rose“ geht den ersten Schritt in die richtige Richtung.
| FAZIT
Horror-Gerichtsdrama, in dem Spannung, Atmosphäre und Ideen überzeugen.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung