FILM REVIEW | Fever Pitch - Ein Mann für eine Saison
Fever Pitch - Ein Mann für eine Saison
Komödie,
Sport,
Liebesfilm
| Deutschland / USA 2005
| INHALTSANGABE
Als Mathematik-Lehrer Ben mit seinen Schülern zum Firmenrundgang vor Lindsey Meeks Schreibtisch anrückt, passt er gerade überhaupt nicht in den Terminplan der Vorzeige-Businessfrau. Doch sie leiht ihm und seinen Schützlingen nicht nur ihre kostbare Arbeitszeit, sondern lässt sich sogar zu einem Date mit dem tollpatschig humorvollen Mann in Trainingsjacke überreden, der eigentlich so gar nicht ihren Vorstellungen vom passenden Deckel auf ihren Topf entspricht. Obwohl das erste Date nicht gerade vielversprechend von Erbrochenem dominiert wird, ist aber bald klar, dass die beiden gerade aufgrund ihrer unterschiedlichen Lebensweisen so geschaffen für einander sind. Es beginnt eine wunderbare Liebesgeschichte, die leider pünktlich zum Jahreszeitenwechsel gründlich erschüttert wird. Lidsey muss herausfinden, dass Ben ein Doppelleben führt und eine „Sommer-Familie“ hat, mit der sie plötzlich konkurrieren soll. Denn mit dem Sommer beginnt die Baseball-Saison und nichts kann einen so eingeschweißten Fan der „Boston Red Sox“ wie Ben von den Sitzen seiner Jahrestickets lösen. Nicht einmal ein romantischer Trip nach Paris mit der Traumfrau? Es scheint, als müsse sich Ben zwischen seiner lange gepflegten Jugendliebe Baseball und seiner neuen Erwachsenenliebe entscheiden.
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| FILMKRITIK
Der charmant-witzige, bequeme, kindlich natürliche Lehrer Ben ohne besondere Ambitionen oder Mobiltelefon und der stilbewusste, durchorganisierte, karriereorientierte Workaholic Lindsey machen der Binsenweisheit „Gegensätze ziehen sich an“ alle Ehre. Sie führen eine reizend natürliche Beziehung, in der man sich gegenseitig nicht mit „Schatzi“ oder „Hasezähnchen“ liebedienert, sondern sich trocken mit „der Lehrer“ und „die Kotzerin“ den herzigen Stempel aufdrückt.
Doch Ben hätte die frühe Warnung seines Onkels, der ihm seine lebenslangen Sitzplätze bei den „Red Sox“-Spielen vermachte, ernster nehmen sollen, welche dieser dem damals Siebenjährigen angesichts seiner entflammenden Baseball-Leidenschaft mit der Ernsthaftigkeit eines ebenfalls Betroffenen auf den Weg gab. „Careful kid, don’t brake your heart.“
Denn Bens Obsession kennt keine Grenzen und ist sogar für eine hartgesottene Lady wie Lindsey zuviel des Guten. Sein Zimmer scheint sich seit er sieben war nicht wirklich verändert zu haben. Die Farbe der Wände ist unter den Postern von Lieblingsspielern nicht mehr zu erkennen, das „Red Sox“-Logo ziert Bettwäsche und Handtücher, und der Inhalt seines Kleiderschranks besteht größtenteils aus roten Fantrikots. Aber Ben wohnt nicht nur in einem überdimensionalen Fanshop, er bekreuzigt sich zusätzlich allmorgendlich vor den Bildern seiner Baseball-Heiligen und seine Frage, ob Lindsey mit ihm zum begehrtesten aller Spiele, dem Eröffnungsspiel, gehen möchte, kommt in seiner feierlichen Ernsthaftigkeit einem Heiratsantrag gleich.
Doch Lindsey merkt erst, wie extrem seine Leidenschaft für sein Lieblingshobby ist, als er im Fernsehen mit peinlichem Stolz auf seiner Wichtigkeitsliste die „Red Sox“ über Sex und Atmen stellt. In seiner Liebe für die Red Sox wird Ben zum auf und ab hüpfenden Schuljungen mit quietschiger Stimme, zum „manboy“, einem erwachsenen Kind, den man lieber nicht den Eltern vorstellen möchte.
Gleichwohl bekommen Lindseys Engagement für ihre Arbeit und ihr harter Kampf um eine Beförderung bald ähnlich fanatische Züge. Es gilt für beide, die Balance zu finden. Während sich Ben über die weise Frage einer seiner Schüler – „You love the Sox, but will they ever love you back?“ – Gedanken macht, kauft sich Lindsey stapelweise Fan-Bücher und lernt, mitzujubeln.
In der passend zum Thema in Spielphasen eingeteilten Liebeskomödie geht es um die Abstriche, die man in einer Beziehung bringen muss, um das Verständnis für die Schrullen anderer, um das Auf und Ab, das Hin und Her der Liebe, das Verletzen und Wiedergutmachen, das Romantische und das Profane – kurz, die ganz normalen, kleinen Tragödien des Lebens, mit denen man sich als Zuschauer leicht und gerne identifiziert.
Erzählt wird witzig und lebensnah – Der bereits bekannte und beliebte Humor des Romanautors Nick Hornby kommt nach erfolgreichen Verfilmungen wie „High Fidelity“ und „About a Boy“ auch hier in der Adaption seines Romans „Fever Pitch“, wenn auch zu sentimentalen Zwecken leicht abgeschwächt, wieder zum tragen. So entlarvt der Film die Mythenrankungen um das ständig verlierende Baseball-Team wie den „Curse of the Bambino“ augenzwinkernd, und liefert doch gleichzeitig ein Glaubensbekenntnis, wenn Ben und Lindsey schließlich im zwar nicht überraschenden, aber dennoch herzzerreißend-spannenden Showdown selbst zum Teil der Legende werden.
Mit einer Ikone der modernen romantischen Komödie Drew Barrymore als Lindsey erfüllt „Ein Mann für eine Saison“ ganz die romantischen Anforderungen dieser süßen, leidenschaftlichen, urbanen Liebesgeschichte mit vielleicht nicht gerade subtilem, aber in jedem Fall lachbaren Humor, welcher der „Hau drauf-Komik“ von früheren Erfolgsfilmen der Farelly-Brüder wie „Verrückt nach Mary“ oder „Dumm und Dümmer“ einiges voraus hat.
| FAZIT
Leidenschaftlich-niedliche Liebeskomödie zum Mitfiebern über alltägliche Fanatismen und die Aufs und Abs von Beziehungen.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung