FILM REVIEW | Tim Burton´s Corpse Bride: Hochzeit mit einer Leiche
Tim Burton´s Corpse Bride: Hochzeit mit einer Leiche
Horror,
Animation,
Liebesfilm
| USA 2005
| INHALTSANGABE
Zwei Elternpaare vereinbaren ein Geschäft miteinander. Die neureichen van Dorts und die adeligen, aber verarmten Everglots wollen ihre Kinder miteinander vermählen, um ihrer beider Familienehre zu retten. Victor van Dort und Victoria Everglot haben sich allerdings noch nie gesehen und stehen der Heirat skeptisch gegenüber. In der von viktorianischer Strenge geprägten Kleinstadt scheint Liebe keine große Chance zu haben.
Dennoch finden Victor und Victoria Gefallen aneinander. Bei der Probe für die Hochzeitszeremonie verspricht sich der nervöse Victor jedoch zu oft, so dass der Pastor die Zeremonie abbricht und ihn zum weiteren Üben anmahnt. Hierfür zieht sich Victor in einen nahe gelegenen Wald zurück. Als er das Ritual trainiert, setzt er aus versehen seinen Ehering auf den knochigen Finger einer Leiche; ab sofort ist er mit der "Corpse Bride" verheiratet.
Diese wartete schon lange auf einen Freier und entführt Victor in die Unterwelt. Vom bunten Treiben im Totenreich übermannt, versucht Victor die Flucht zu ergreifen; doch seine Braut ist ihm immer auf den Versen. Bald schon erkennt Victor in der "Corpse Bride" aber auch innere Werte und beginnt sie zu verstehen. Er ist bereit, ihr zu helfen. Doch auch in der Welt der Lebenden bahnen sich Probleme an, die Victor lösen muss, denn die Zeit drängt.
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| FILMKRITIK
Einer der großen Märchenerzähler des Kinos ist wieder am Werk. Mit "Corpse Bride" weckt Tim Burton Erinnerungen an seinen nun schon über zehn Jahre alten "The Nightmare Before Christmas". Dabei ist "Corpse Bride" nicht als Remake alter Ideen, sondern als technisch gereiftere Fortsetzung zu verstehen. Ob "Corpse Bride" allerdings auch inhaltlich mithalten kann, darüber lässt sich streiten.
Tim Burton wählte eine schöne Kurzgeschichte, die eben nun mal von Natur aus kurz ist. Die Story dehnt sich selbst über den ohnehin schon unter 80 Minuten kurzen Film. Nebenhandlungen gibt es keine. Ebenso sind die Figuren recht blass gezeichnet und das Ambiente wirkt oftmals leblos – im wahrsten Sinne des Wortes. Zwar gibt es den Versuch, durch Songs und Musicaleinlagen das Geschehen aufzuheitern, diese wirken jedoch oft zu aufgesetzt.
Begeisterung rufen hingegen die liebevoll modellierten Figuren hervor. Wenn diese sich schon inhaltlich nicht komplett offenbaren, machen sie wenigstens optisch etwas her. Mit hoher Präzision werden die körperlichen Unzulänglichkeiten der Protagonisten herausgearbeitet und Konflikte verdeutlicht. Mr. und Mrs. Everglot können so definitiv nicht zusammen passen.
Neben dem physischen Humor werden die geistigen Wortspiele nicht vernachlässigt. Mal mehr, mal weniger passend werden alle Konnotationen mit dem Tod ausgespielt. Freilich hält sich Burton mit Humor à la Disney zurück, doch auch Gags für Erwachsene lassen sich nicht finden. "Corpse Bride" ist offenbar primär als Kinderfilm gedacht, das würde auch die Kürze der Laufzeit erklären. Er bildet damit ein angenehmes Kontrastprogramm zum restlichen Marktangebot.
Trotzdem finden sich auch wieder einige Szenen, die hierfür sehr Grotesk scheinen. Tim Burton bedient sich aus vielen Bildern seiner älteren Filme. Dennoch weiß bei Burton niemand, was ihn wirklich erwartet. Gegensätze wie "Planet of the Apes" und "Ed Wood" sind ein drastisches Beispiel hierfür. Die meisten seiner Filme haben dennoch etwas Eigenes, einen gewissen Burton-Touch, den auch "Corpse Bride" hat. Er sollte vielleicht nach "Corpse Bride" auch das Sandmännchen ins Kino bringen um sich weiter an sein junges Publikum zu binden.
Zwar geht nach kurzer Zeit eine bewegende, aber dennoch oft nur locker unterhaltende Geschichte zu Ende. Einen großen Fisch hat Burton mit "Corpse Bride" nicht an Land gezogen, er bleibt hinter den hohen Erwartungen zurück und erweckt eher den Anschein eines Fernsehfilms. Ein Besuch in dessen Welt lohnt sich dennoch.
| FAZIT
Liebevoll umgesetzt und trotzdem etwas leblos, "Corpse Bride" ist kein zwar Höhepunkt in Tim Burtons Schaffen, aber auch kein Tiefpunkt.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung