In Japan lernen sich Otto und Ida kennen, und sie heiraten gleich. Doch langsam kommen ihre unterschiedlichen Charaktereigenschaften zum Vorschein: Während Otto stets zufrieden und recht antriebslos ist, will Ida unbedingt mit ihrer Koi-Modekollektion Karriere machen.
Tatsächlich schafft sie es, Geld zu verdienen, während Otto den Sohn versorgt; doch natürlich geht das nicht ohne Reibereien in ihrer Beziehung. Dann aber scheinen sich Idas hochfliegende Träume zu erfüllen, denn ein Goldfisch verwandelt wundersamerweise seine Farbe und wird superwertvoll, und von dem Geld lässt sich doch eine Villa kaufen...
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| FILMKRITIK
Es ist alles falsch, alles falsch.
Dabei kann man im Drehbuch – das ja auch von Dörrie ist – durchaus eine Struktur erkennen. Denn die Geschichte um Unzufriedenheit und Gier, die dem Grimmschen Märchen vom Fischern und seiner Frau entnommen ist, entwickelt sich in dreifacher Form. Herr Wagenbach liebt seine Sammlung wertvoller Koikarpfen, während seine Frau ein Modeimperium verantwortet, Leo, Ottos Freund, macht eine Koiklinik auf und vernachlässigt seine Frau Yoko, und während Otto ziellos sein kleines Leben zu genießen versucht, will seine Frau Ida unbedingt Karriere machen. Kommentiert wird alles von zwei Goldfischen, die das Karrussel von beruflichem Aufstieg und Niedergang der Liebe schon mitgemacht haben, damals, als sie noch Menschengestalt hatten, bevor sie verwunschen wurden.
Aber dann sieht man am Anfang des Films Alexandra Maria Lara als Ida in grellbunten, ganz unmöglichen Flickenklamotten herumstehen und verkünden, dass sie Stoffdesign studiert: Und man erkennt das Dörrie-Prinzip, und alles ist aus. Denn jemand, der von Stoffen und Kleidung etwas versteht, kann so nicht herumlaufen, Individualität hin oder her, geschweige denn mit einer ähnlich bunten Koi-Modekollektion international und speziell in Japan erfolgreich sein. Wo doch mit dieser Kollektion die japanische Kultur ausgebeutet und auf westliche kulturelle Standards zurechtgeschnitten wird, um die egoistische Sehnsucht nach dem großen weltweiten Modeimperium zu verwirklichen. So etwas ist nicht verwurzelt in den Figuren, auch nicht im Film, sondern nur im Kopf von Frau Dörrie, die wohl eine Art Witz machen will, ohne zu merken, wie die bunten Kleider den Film denunzieren. Ida und Otto bekommen zur Blitzhochzeit in Japan eine asiatische Katzenstatue geschenkt, die mit der Pfote winkt. In jeder Lebensstation, von Wohnwagen über Zweizimmerwohnung und Reihenhaus bis zur Villa ist sie dabei, und in jeder Station wird sie größer, bis zu zweieinhalb, drei Meter: Ein Symbol, sicherlich, aber keines, das irgendetwas mit dem Film selbst zu tun hat, sondern das von außen aufgesetzt wurde und unerträglich in seiner Symbolhaftigkeit schwelgt, gerade auch, wenn dann noch eine Nachbarin der Katzenstatue zurückwinkt. Das ist Dörries Art, Filme zu machen, einer konstruierten Geschichte von außen irgendwelche bedeutungsvoll witzigen Implikationen aufzudrücken; aber man kann das Ergebnis nicht guten Gewissens einen Film nennen, eher eine Kopfgeburt, die dazu noch völlig undurchdacht ist.
Dabei will sie angestrengt Bedeutsames erzählen von Frauen und Karriere und schweigsamen Männern. Aber das scheitert einmal daran, dass die Liebespaare, die sie in ihrem Drehbuch zusammenfügt, im Film überhaupt nicht zueinander passen – von Ida und Otto behaupten zunächst einmal nur die kommentierenden Fische, dass sie sich verliebt haben, aber das kann ein mündiger Zuschauer nicht ernsthaft glauben. Und dann ist es natürlich so, dass Dörrie, indem sie das unausweichliche Scheitern des weiblichen Ehrgeizes und die absolute Unvereinbarkeit von Beruf und Kind zeigt, letztendlich offenbar darauf hinaus will, dass es eben doch richtiger wäre, wenn die Frau zuhause die Kinder erzieht, während der Mann in dem Beruf, der ihm Spaß macht, das Geld verdient. Denn schließlich zeigt sie in ihrem Film den Mann Otto, einen Tierarzt (!), wie er fröhlich mit dem Kind spielt und dabei auch noch einen harten Nachtwächterjob hat, während Ida beruflich und emotional völlig hohl dreht, weil sie alles nicht auf die Reihe kriegt. Und das impliziert, dass sie sich für die Seite entscheiden sollte, die sie wirklich kann, und das ist definitiv nicht der stressreiche Beruf der Modedesignerin. Zweimal schleicht sich sogar eine ausgesprochene Männerphantasie in den Film, wenn vernachlässigte Frauen ihre Einsamkeit mittels eines Blowjobs zu überwinden suchen. Was die Frau ja eigentlich nur im Pornofilm befriedigt.
Andererseits kann diese Schlussfolgerung des Misogyn-Reaktionären, die man aus ihrem Film ziehen muss, nicht Doris Dörries Ernst sein, sagt sie doch über den Film (und das Märchen), dass er eigentlich eine „passiv-aggressive Haltung des Mannes“ und „eine ganz klassische Beziehungsdynamik“ beschreibe. Das lässt im Grunde nur eine Folgerung zu: Dass Doris Dörrie in einer seltsamen Naivität ihren eigenen Film vollkommen missversteht. Und aus dem Widerspruch zwischen Anspruch und Ergebnis kommt sie am Ende nur heraus, indem sie den ganzen Film offen auf die Banalität zurückführt, die zuvor so unbedingt hat versteckt werden sollen: Denn Ida hat ihre ganzen selbstzerstörerischen Karrierepläne nur betrieben, um einmal ein Liebesgeständnis ihres Mannes zu provozieren – wieder zeigt sich die Postulierung der Abhängigkeit der Frau vom Mann. Und Dörrie scheint dieses Banale ernst zu meinen, genauso wie die so bemüht als Leitmotiv des Filmes heraufbeschworene Buntheit der Koikarpfen, die sich in allen Varianten des filmischen Designs wiederfinden, als farbige Kreise an der Küchentapete und als große Masken auf den Köpfen von Blasmusikanten.
Doris Dörrie arbeitet als Professorin an der Hochschule für Film und Fernsehen in München. Und vielleicht liegt ja die vielbeklagte Misere des deutschen Films daran, dass eine Filmemacherin ohne jedes Gespür für Film, Figuren, Menschen und das wirkliche Leben den Nachwuchs ausbilden soll – und dass ihre Filme auch noch von Constantin, der größten deutschen Produktionsanstalt, bereitwillig hergestellt werden. (Ein ähnliches Beispiel war Helmut Dietls blutleere Variante des Orpheus-Mythos „Vom Suchen und Finden der Liebe“, ebenfalls mit Alexandra Maria Lara.)
Dörries Film verspricht in seiner Werbezeile nicht anderes als die Beantwortung der Frage, warum Frauen nie genug bekommen. Er beantwortet sie mit einer Lüge: um die Liebe des Mannes zu erfahren. Und er wirft die Frage auf, warum die Dörrie immer noch glaubt, Filme machen zu können. Die ehrliche Antwort kennt sie wohl selbst nicht.
| FAZIT
Reaktionärer Mist in bunt. Null Sterne sind noch zu viel.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung