Whiskey und Worte: darum dreht sich das Leben von Henry Chinaski (Matt Dillon). Er beginnt früh morgens zu trinken, schreibt bis spät in die Nacht und wird nicht müde, seine Kurzgeschichten an einen Verlag zu schicken. Henry Chinaski ist Autor und Alkoholiker.
Seinen Lebensunterhalt bestreitet er mit Gelegenheitsjobs, Arbeitslosengeld oder Pferdewetten.
Chinaski liefert an Bars das Eis für die hochprozentigen Drinks, die er selbst viel zu gerne trinkt, was sich als verhängnisvoll erweist, er repariert Fahrräder oder steht in einer Essiggurkenfabrik am Fließband. Gemeinsam ist diesen Jobs, dass Henry sich nicht im Mindesten dafür interessiert. So lebt er vor sich hin, säuft, schreibt, raucht. Mal hat er einen Job, mal sucht er einen. Mal reicht das Geld für einen teueren Anzug, mal gerade noch für eine Flasche billigen Fusel.
Er trifft Jan (Lili Taylor), an einem Tresen, wo sonst. Sie passt zu Henry, weil sie ebenso gerne und viel trink, er gefällt ihr, weil sie etwas für gescheiterte Existenzen übrig hat. Die beiden verlieben sich nicht ineinander, aber sie gewöhnen sich aneinander, teilen sich eine Wohnung und haben Sex.
Er trennt sich von Jan, nach einer durchzechten Nacht, wann sonst. Henry lernt Laura (Marisa Tomei) kennen, und auch diese beiden verbindet der Alkohol. Gemeinsam ziehen sie durch die Kneipen oder lassen sich von dem exzentrischen Künstler Pierre (Didier Flamand) aushalten.
Immer wieder geht Henry zum Briefkasten, um unbeirrbar seine Texte zu verschicken, und eines Tages kommt der langersehnte Anruf von einer Tageszeitung. Der Job allerdings, der Chinaski angeboten wird, ist nicht gerade das, was er erwartet hatte.
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| FILMKRITIK
Henry Chinaski ist das literarische Alter Ego des US-amerikanischen Dichters und Schriftstellers Charles Bukowski – Bent Hamers Film „Factotum“ basiert auf dem 1977 erschienenen, gleichnamigen Roman des Autors, dessen Werk immer um notorische Trinker am Rande der Gesellschaft kreist. Der norwegische Regisseur hat die Geschichte für die Leinwand adaptiert und erzählt sie in ruhigen, getragenen Bildern. Er erzeugt eine stoisch-melancholische Stimmung, wird aber nie pathetisch, wenn er das trunkene Leben und das wiederholte Scheitern seiner Hauptfigur begleitet. Vielmehr kommt in zahlreichen Momenten ein feiner, schwarzer Humor ins Spiel, der eigentlich tragischen Situationen ins Absurde führt.
Dazu trägt die als Stilmittel regelmäßig eingesetzte Off-Stimme von Henry Chinaski bzw. Matt Dillon einen guten Teil bei, die immer wieder einen zynischen, lakonischen Kommentar zu den Geschehnissen parat hat. Als der Protagonist einmal im Knast landet, sagt er etwa: „I don’t like jail, they got the wrong kind of bars in there.“
Mit Matt Dillon hat Hamer einen Hauptdarsteller gefunden, der die Bukowski-Figur weit weniger selbstzerstörerisch anlegt, als seinerzeit Mickey Rourke in „Barfly“. Er ist schlauer und charmanter, er stellt sich seinem Leben, auch wenn es ihm immer wieder entgleitet. Hamers Film konzentriert sich auf das Leben außerhalb der Bars, auf die halbwegs nüchternen Momente des Protagonisten, auch wenn diese immer wieder am Tresen und in der Trunkenheit münden.
Er zeigt Chinaskis ständiges Scheitern, aber ebenso seine angestrengten Versuche, wieder teilzuhaben am „American Way of Life“. Sechs Jobs verschleißt er in „Factotum“, von Anfang an wird er gefeuert, bewirbt sich erneut, und wird wieder gefeuert. Dabei sind die Kündigungsgründe meist sehr stichhaltig: ein Lieferwagen etwa, an dem noch ein gelbes Stromkabel hängt und aus dessen geöffnetem Heck literweise Wasser auf die Straße fließen, als der Chef vorfährt. Hätte Henry Chinaski beachtet, dass sein Kühlwagen noch am Stromnetz hängt, ehe er losgefahren ist, hätte er nochmals überprüft, ob die Hecktür auch wirklich schließt, und hätte er sich nicht gleich in der ersten Kneipe, die auf seiner Tour lag, einen Whiskey bestellt, dann hätte er einen Job weniger verloren.
Bent Hamer gelingt es stets, die Gefühle seiner Figuren in einzelnen, komplexen Einstellungen auszudrücken. Gefühle wie Hilflosigkeit, die sichtbar wird während der Trennung von Henry und Jan: da wacht er auf, geht ins Bad, um sich zu übergeben, holt sich aus der Küche ein Bier, setzt sich an einen Tisch neben dem Bett und trinkt mühevoll, dann steht sie auf, übergibt sich ebenfalls, schleppt sich zurück aufs Bett und zündet sich eine Zigarette an. Mit der lapidaren Erklärung, er müsse allein sein, steht er auf, zieht seine Hose über, greift sich seine Tasche und verschwindet. Ihre unbeholfenen Versuche, ihn festzuhalten, ihre kraftlosen, müden Worte hindern ihn nicht daran.
Oder Gefühle wie Einsamkeit: in einem seiner zahlreichen, unliebsamen Jobs blickt Henry aus einem Fenster, während die Kamera von ihm wegfährt. Immer kleiner wird der Mann am diesem einzigen Fenster in der backsteinfarbenen Fassade eines Fabrikgebäudes - ein verlorenes Individuum in der Anonymität der Großstadt.
| FAZIT
Großartiges Charakterdrama über einen ständig alkoholisierten, arbeitslosen Schriftsteller - nach einem Roman von Charles Bukowski.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung