Mittwoch | 30. Mai 2012 | 04:33 Uhr
Sie befinden sich hier: KINO | Startseite > Reviewübersicht > Reviewdetails
  • FILM REVIEW | The Descent - Abgrund des Grauens
  • The Descent - Abgrund des Grauens

    Thriller, Horror | Großbritannien 2005
  • | INHALTSANGABE

  • Auf dem Rückweg von einer Wildwasse-Raftingtour mit ihren Freundinnen verliert Sarah bei einem Autounfall auf grausige Art und Weise ihren Mann und ihre Tochter. Ein Jahr später nehmen ihre Freundinnen sie wieder mit auf eine Extremsporttour. Die sechs jungen Frauen erforschen eine unbekannte Höhle in den Appalachen. Dort unten werden sie mit ihren jeweils unterschiedlichen Charakteren konfrontiert, und nachdem ein Steinschlag ihnen den Rückweg versperrt hat, begegnen sie unheimlichen, blutrünstigen Höhlenwesen.
    WERBUNG
      • | FILMKRITIK

      • In der Tiefe lauert das Grauen. Unten, in den dunklen, engen Höhlen, wo jeder sich auf den anderen verlassen können muss, brechen die Konflikte zwischen unterschiedlichen Charakteren leichter hervor. Und hier lauern namenlose Schrecken, uralte Monster der Dunkelheit…

        Freud trifft auf H.P. Lovecraft. Der Film ist angefüllt mit Symbolen sexueller Gewalt. Immer wieder werden die Körper von Mensch und Monster von Stangen und Haken durchbohrt, tief unten in verkarsteten, jungfräulichen Höhlensälen, ganz in Rot getaucht. Dort wohnen die schrecklichen alten Wesen, degenerierte, nackte, bleiche, blutrünstige Untiere, die – vielleicht – früher einmal Menschen waren. Dass sich Regisseur Neil Marshall hier von Peter Jacksons Minen von Moria und vom Höhlentier Gollum hat inspirieren lassen, ist offensichtlich.

        Dass nichts erklärt wird, ist die Stärke des Films. Der Horror entfaltet sich zunächst als Drama zwischen den sechs Freundinnen, speziell zwischen Sarah und der Abenteuer-Organisatorin Juno, dann zwischen den Menschen und den blutdürstenden Höhlenwesen; und schließlich, angedeutet, auch zwischen der Figur der Sarah und dem Wahnsinn in ihrer Seele.
        Kamera und dräuende Musik tun ihr Übriges, um von Beginn an eine unheimliche Atmosphäre zu schaffen, und wohldosierte Schockmomente und immer wieder ekelhafte Szenen lassen die schauerhafte Stimmung zu schierem Horror gerinnen – dabei haben die schrecklichsten Szenen gar nicht zwangsläufig nur mit dem Kampf gegen die Unnatur der Monster zu tun, sondern auch mit einem an sich medizinischen Eingriff wie dem Schienen eines gebrochenen Beines, freilich unter verschärften Bedingungen.

        Der unheimliche Schrecken der Höhle bleibt den ganzen Film über erhalten; freilich nicht darüber hinaus, er wirkt nicht nach. Das liegt an den Figuren. Die sind sich zu ähnlich – im Aussehen, vor allem in der nur von Taschenlampen erleuchteten Dunkelheit, und auch in der Stimmung überdrehter Aufregung am Abend vor der Höhlenwanderung –, und die psychologischen Unterscheidungen wirken zu aufgesetzt, um den Frauen als wirkliche Identifikationsfiguren nahe kommen zu können. Und zumindest in der deutschen Fassung gehen auch Differenzierungen in Bezug auf die Nationalität, eventuell auch auf den Akzent verloren; die Freundinnen stammen aus dem gesamten englischsprachigen Raum, aus den USA wie aus alten Teilen Großbritanniens.

        Es geht bei dem Ausflug in das Höhlensystem der Appalachen auch um die Ergründung der neuen, unbekannten Welt, zu der sich Europa und die USA verbündet haben, deren Oberfläche aber unsichtbare Schrecken birgt. Und vor diesem Schrecken sind alle gleich.
      • | FAZIT

      • Gekonnter Horror, der an den Nerven zerrt – freilich nicht die Seele berührt.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Harald Mühlbeyer

      • | Userwertung

      Wertung: 5.0/10 (1 vote)

      • | Cinefacts bei Facebook
      Facebook Logo
        • | WEITERE INFOS
            •   AKTIONEN