Der Franzose Réda, Sohn marokkanischer Einwanderer, steht kurz vor dem Abitur und liebt seine nicht muslimische Freundin Lisa über alles. Der Vater kann sich mit der westlichen Lebensweise seines Sohnes nicht anfreunden, der wiederum versteht die religiösen Traditionen seines Vaters nicht, und so reden die beiden nur das Nötigste miteinander. Eine Annäherung zwischen ihnen scheint kaum möglich zu sein.
Dann jedoch tritt Rédas Vater mit einem großen Wunsch an ihn heran. Er möchte die Pilgerreise nach Mekka antreten und sein Sohn, der ein Auto hat, soll ihn fahren. Auf der nun folgenden mehr als 5000 km langen Reise von Frankreich nach Saudi-Arabien müssen sich Vater und Sohn gezwungenermaßen aufeinander einstellen, denn im engen Auto kann man sich schlecht aus dem Weg gehen. Und die Begegnungen und Situationen, mit denen sie auf der langen Reise konfrontiert werden, machen den Konflikt zwischen ihnen auch nicht leichter.
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| FILMKRITIK
Blaugraue Nebelschleier schweben im Morgengrauen über Istanbul, während die Muezzins zum Gebet rufen. Es ist ein Bild des Friedens und der Ruhe. Dem Regisseur Ismaël Ferroukhi gelingt es in nur einem Bild den Zauber einer erwachenden Stadt des nahen Ostens zu zeigen. Auch die Schönheit der Landschaften der langen Reise von Frankreich bis nach Saudi-Arabien wird in stehenden Bildern eingefangen. Sie liefern den Hintergrund der konfliktreichen und intensiven Vater-Sohn-Geschichte, ausgetragen von zwei großartigen Hauptdarstellern.
Mohamed Majd und Nicolas Cazalé gelingt es mit scheinbarer Leichtigkeit, den inneren Kampf der Figuren mit nur minimalen Mitteln darzustellen. Man kann fast sagen, sie reden, indem sie schweigen. Denn das Heben einer Augenbraue und das Zucken eines Mundwinkels werden in diesem Film zu beredten Gesten, die mehr ausdrücken, als Worte es könnten.
Die beiden spielen auf mitreißende Weise einen Vater und seinen Sohn, deren Lebensentwürfe und Werte sich so sehr voneinander unterscheiden, dass sie erst einen langen Weg zurücklegen müssen, bis sie gegenseitiges Verständnis aufbringen können. Dass beide mitunter sture Dickköpfe sind, macht die Handlung amüsanter, ihr Verhältnis zueinander aber nicht leichter.
Denn je länger beide auf ihrem Standpunkt beharren, desto unmöglicher wird es, einen gemeinsamen Weg zu finden, bzw. gemeinsam einen Weg zurückzulegen. Erst wenn beide bereit sind, über die eigenen Werte hinaus die Werte des anderen zu akzeptieren, ist eine Aussöhnung möglich. Obgleich das nach moralischem Zeigefinger klingt, gelingt es dem Regisseur sehr gut, eine neutrale und distanzierte Sicht auf die Figuren zu bewahren und ihnen gleichmäßigen Raum zu gewähren.
Der Film erzählt nicht bloß von einem Konflikt zwischen Vater und Sohn. Es ist auch der Konflikt zwischen Alt und Jung, von Tradition und Moderne, Ost und West. „Die große Reise“ präsentiert dem westlichen Zuschauer dabei ein Bild des Islam, wie es derzeit in den Medien eher weniger vertreten ist. Der Islam als Religion der Menschlichkeit, der Güte und des Friedens, so wie er von der großen Mehrheit der Moslems gelebt wird. Ein Islam also, der nichts mit Klischees und den negativen Auswüchsen einer radikalen Minderheit zu tun hat.
Insgesamt betrachtet ist „Die große Reise“ ein intensiver Film über das Zueinanderfinden zweier Menschen, der den Zuschauer zudem durch die sehr schönen Landschaften des nahen Ostens führt. Zusätzlich ausgestattet mit sehr guten Schauspielern, einer Musik, der es gelingt, die Stimmung des Films zu unterstützen, ohne die Bilder zu verdrängen und einer Prise feinen Humors, kann das Spielfilmdebüt von Ismaël Ferroukhi nur als sehr gelungen bezeichnet werden.
| FAZIT
Ein gelungener, schöner und sehenswerter Film.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung