Mittwoch | 30. Mai 2012 | 00:49 Uhr
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  • FILM REVIEW | Walk the Line
  • Walk the Line

    Drama, Musical, Biografie | USA 2005
  • | INHALTSANGABE

  • Johnny Cash ist ein Junge aus den Baumwollfeldern in Arkansas. Bei der Arbeit an einer Kreissäge kommt sein Bruder Jack um, was Johnny die Vorwürfe seines Vaters einbringt.
    Nach seiner Militärzeit in Bayern heiratet er Vivian und beginnt in Armut eine Musikerkarriere, die bald zum Erfolg führt. Auf einer Tournee (zusammen mit u.a. Elvis Presley und Jerry Lee Lewis) lernt er June Carter kennen, Sängerin, in die er sich verliebt. Und er beginnt, Drogen zu nehmen, die ihn sowohl von seiner Familie als auch von seiner Traumfrau entfremden. Seine Frau verlässt ihn, und June nimmt keinen seiner vielen Heiratsanträge an...
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      • | FILMKRITIK

      • Bei seiner ersten Aufnahmesession erklärt der Produzent dem unerfahrenen Johnny Cash, dass er in seinen Liedern nicht dasselbe singen soll wie alle anderen, und dass er es nicht auf dieselbe Art und Weise singen soll. Er soll Lieder singen, in denen sich sein Leben und Denken und Fühlen summiert. J. R. Cash beherzigt diesen Rat und wird ein Star.
        James Mangolds Film über Johnny Cash hält sich nicht an diese weisen Worte. Die Musikerbiografie wandelt in alten Pfaden, geht dieselben Stationen ab wie andere Biopics zuvor; sein Film wirkt wie ein Remake von „Ray“, nur dass der Hauptdarsteller einen anderen Namen und eine andere Hautfarbe hat.

        „Walk the Line“ enthält alle Topoi des Musiker-Biopics: Das Trauma vom Tod des Bruders, die unglückliche Ehe, die Traumfrau, in die sich das Genie verliebt, die die unerfüllte Sehnsucht verkörpert und damit das Genie nährt, die Drogen, die Krise, das glanzvolle Comeback. Aus diesen Polen baut der Film ein Magnetfeld auf, in dem sich Johnny Cash bewegen muss: Cash muss sich in den Kräfteverhältnissen dieser Anziehungs- und Abstoßungsfaktoren bewegen lernen, er muss die Balance halten vor allem zwischen Frau, Geliebter und den Drogen, die alles zu zersetzen drohen; und er steht unter dem ständigen Druck des Vaters, der ihn nicht anerkennt. Dieses Kräftefeld weiß Mangold perfekt aufzubauen, die Dynamik der Beziehungen weiß er genau auszuforschen und nachzuzeichnen. Und Reese Witherspoone als Objekt der Sehnsucht, vor allem aber Joaquin Phoenix als Johnny Cash verkörpern ihre Figuren glanzvoll.

        Doch reicht das? Soll sich ein Film über Johnny Cash letztendlich zufrieden geben mit der Erzählung einer Liebesgeschichte? Eines Liebesliedes, das schon so oft gesungen wurde, und das als moralische Essenz nicht viel mehr zu bieten hat als „Finde deine Mitte“? „Walk the Line“: Ein Lied von Cash und die Botschaft des Films: Finde deinen Weg und gehe ihn.
        Tatsächlich hat der Film keine weitergehenden Ambitionen – auch das verbindet ihn mit „Ray“. Deshalb beendet der Film auch seine Erzählung der Lebensgeschichte von Cash Ende der 60er Jahre, als er sich selbst gefunden und seine Sehnsucht gestillt hat.

        Damit presst der Film die Geschichte (und die Person) Johnny Cashs in ein wohlbekanntes Muster, und damit wird dem Künstler Cash das Besondere genommen: Denn die Handlung bleibt im Allgemeinen, das Eigene, Individuelle an Cashs Musik bleibt außen vor – die Hauptperson der Geschichte ist auswechselbar, könnte auch Ray Charles oder Charly Parker heißen.
        Nur am Schluss deutet Mangold an, was spezifisch für Cash ist. Johnny Cash formulierte Aussagen über kontroverse Themen im Stil von gutem eingängigem christlichem Country-Rock’n’Roll. Bei einer Besprechung mit seinen Managern setzt er durch, ein Live-Album im Folsom-Gefängnis einzuspielen. „Deine Fangemeinde ist die christliche Bevölkerung“, wird ihm vorgehalten, „die werden es nicht mögen, wenn du vor Mördern und Vergewaltigern spielst.“ „Dann sind es keine Christen“, erwidert Cash. Und leider ist der Film dann bald zuende.
      • | FAZIT

      • Inszenierung und Darstellung allein machen keinen guten Film aus, wenn er nur auf alten Pfaden wandelt.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Harald Mühlbeyer

      • | Userwertung

      Wertung: 9.2/10 (21 votes)

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