Domino Harvey wurde als Tochter eines Schauspielers und eines Models in den Jet Set geboren, doch sie bricht aus dem behüteten Leben der Reichen aus, lässt die eigene Modelkarriere hinter sich und wird Kopfgeldjägerin. Mit Mentor Ed, Partner Choco und Fahrer Alf fängt sie gesuchte Verbrecher gegen Provision.
Brenzlig wird es, als das Kopfgeldjägerteam in ein kompliziertes Verbrechenskomplott gerät, in dem Mafia, FBI und ihr eigener Auftraggeber mitmischen und das sich bald zu einer völlig unkontrollierbaren Situation auswächst…
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| FILMKRITIK
Eine wahre Geschichte, oder zumindest so etwas Ähnliches erzählt Tony Scott hier: Die Geschichte von Domino Harvey, ins Jet Set geboren und es gleichzeitig ablehnend. Sie wird Kopfgeldjägerin, wählt das Dasein als White Trash. Scott erzählt ihre Geschichte, aber er erzählt sie rudimentär, noch im ersten Drittel des Films hat er ihre Lebensgeschichte abgehakt bis zu dem Punkt, an dem sie als Kopfgeldjägerin so richtig ins Schlamassel eines undurchsichtigen Plots gerät, ein Verbrechen, bei dem FBI, Mafia, ein Las-Vegas-Milliardär und mittendrin die Bounty Hunters um Domino, Ed, Choco, Alf mitmischen…
Die Bilder sind flippig, nein: völlig ausgeflippt, schnell, stilisiert, verfremdet, symbolüberladen: Eine Ästhetik, die in den 90ern im Dunstkreis von Quentin Tarantino gepflegt wurde – dessen Drehbuch „True Romance“ Tony Scott 1993 verfilmte. Domino wird Zeit ihres Lebens von Beverly Hills 90210 verfolgt, und sie wird nicht entkommen, sowohl dem Wohnort als auch der Teenie-Serie, dieser heilen Welt der kleinen Intrigen. Domino will den Adrenalinkick als Kopfgeldjägerin, mit der Knarre in der Hand auf der Jagd nach Verbrechern und daher immer auf der Seite des Gesetzes. Diese Überdosis Adrenalin bietet Tony Scott in seinem Film für den Zuschauer, ein undurchschaubares Gewitter an Bildern, die fast schon anstrengen, die hart, schnell aneinandergeschnitten fast surreal wirken.
Vollkommen irr ist das Ganze, chronologisch verschachtelt, bunt, überladen: wie der Mescalintrip, mit dem die Bounty Hunters einmal durch Nevada unterwegs sind, bei dem die Wirklichkeit mit dem endlosen Asphalt verschmilzt.
„Bounty Squad“ heißt die Reality-TV-Serie, die dem Team von Domino folgt mit immer schussbereiten Kameras, die immer dabei sind, wenn es hart auf hart kommt – die Moderatoren sind Ian Ziering und Brian Austin Green, Serienstars aus „Beverly Hills, 90210“ (die sich im Film selbst spielen). Die Welt, der sie entkommen will, verfolgt Domino stetig. Und sie produziert ein Reality-TV-Format, die durch die Abbildung dessen, was aus Domino geworden ist, genau den Grund repräsentiert, weshalb sie so geworden ist.
Mit der Zeit verliert der Film jeden eigenen Standpunkt; was à la Oliver Stones „Natural Born Killers“ beginnt als eine Art Mediensatire, als Abrechnung mit dem Jet Set, als die Geschichte einer Auflehnung und einer Ablehnung der Ansprüche, nach denen wir leben sollen, verflüchtigt sich im ständigen Ausstoß an Bildern. Unübersichtlichkeit ist vielleicht gewollt – auch der originale „Manchurian Candidate“, in dem Dominos Vater, der Schauspieler Lawrence Harvey, die Titelrolle spielte, ist überladen –, doch Tony Scotts Film wird mehr und mehr orientierungslos. Er verirrt sich im Urwald der Bilder, den er selbst angelegt hat. Und er berauscht sich an sich selbst, so dass der Verdacht nicht von der Hand zu weisen ist, dass das meiste an den Bildern, die auf den Zuschauer einstürmen, nur deshalb da ist, um ihn darüber nachdenken zu lassen, ob es außer dem Rausch einen Grund gibt, weshalb es da ist.
| FAZIT
Schneller, irrer und zunehmend wirrer Film. Cool und rauschhaft, aber mehr auch nicht.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung