Sarah Huttinger fliegt mit ihrem Verlobten zu ihrer Familie, zur Hochzeit der Schwester – allein davon kriegt sie schon die Krise. Doch richtig schlimm wird es für sie erst, als sie im Laufe des Wochenendes erfährt, dass ihre Familie das lebendige Vorbild der Familie Robinson aus dem „Reifeprüfung“-Film ist. Und weil sie sowieso nicht so richtig zur Familie zu passen scheint – sie ist nicht blond, sie spielt nicht Tennis – macht sie sich auf die Suche nach Beau Borroughs, den sie für ihren richtigen Vater hält, zu dem ihre Mutter kurz vor ihrer Hochzeit geflüchtet ist – und der sich zwar als zeugungsunfähig, dafür aber als ziemlich charmant erweist, so charmant, dass Sarah mit ihm, der ihr Vater sein könnte, der mit ihrer Mutter und mit ihrer Großmutter Affären unterhielt, schlafen muss. Was ihr in der Bewältigung ihrer Krise nicht unbedingt hilft.
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| FILMKRITIK
Wer hätte es nicht geahnt, dass die Geschichte, die in der „Reifeprüfung“, im Roman von Charles Webb (1963) und im Film von Mike Nichols (1967), erzählt wird, auf einer wahren Begebenheit beruht. Das lässt natürlich Gerüchte sprießen in Pasadena, von dort soll sie herkommen, die ursprüngliche Familie Robinson: Wer hat wohl die Vorlage geliefert?
Beim Hochzeitsfest ihrer Schwester findet Sarah heraus, dass ihre Familie diejenige welche ist; eine Erkenntnis, die sie hart trifft, sie befindet sich eh am Rande des Nervenzusammenbruchs, und das Wissen um die Eskapaden von Mutter und Großmutter ist Öl auf das Feuer ihrer Lebenskrise.
Beau Burroughs, das merkt sie schnell, das ist natürlich Benjamin Braddock, die Initialien verraten es. Und während Dustin Hoffman in der Verfilmung der fiktiven Geschichte der Robinsons den schüchternen und irgendwie verlorenen Jüngling gibt, verleiht Kevin Costner in der Verfilmung der wahren Geschichte der Huttingers seinem gealterten Playboy charmante, aber nichtsdestotrotz lüsterne Ambitionen. Er ist schließlich der Mann, der sich durch die Generationen vögelt: Großmutter, Mutter, Tochter.
Der Kontrast zwischen Hoffmans Benjamin und Costners Beau wäre der Weg gewesen, den Film zu führen: eine Gegenüberstellung der Fiktion des „Reifeprüfung“-Filmes und der Wirklichkeit seiner (angeblichen) Vorlage, und die Auswirkungen, die sich aus dem Mythos von Roman und Film auf das „wirkliche“ Leben der Huttingers ergeben. Tatsächlich spielt „Wo die Liebe hinfällt“ in seinem ersten Drittel reizvoll und pfiffig damit, dass Sarah mehr und mehr entsetzt die Familiengeheimnisse ergründet. „Most of all you’ve got to hide it from the kids.“
Doch die Geschichte verliert mehr und mehr an Kraft, und schließlich läuft der Film auf eine reine romantische Komödie aus um Sarahs Zweifel vor der angekündigten Ehe mit Jeff und ihren Irrweg, der zum viel älteren Beau führt – nur wenig wird aus dem potentiellen Inzest gemacht, der Bezug zur „Reifeprüfung“ wird größtenteils unter den Tisch gekehrt und die Dynamik zwischen Sarah und dem Verlobten Jeff will nicht so recht zünden. Dafür ist Jeff viel zu verständnisvoll und weich gezeichnet.
Selbstverständlich kann Rob Reiners Film nicht die Kraft von Nichols’ Kultfilm von 1967 erreichen, ein Film, der immerhin mitgeholfen hat, Hollywood zu verändern. „Wo die Liebe hinfällt“ ist eine solide romantische Komödie, deren Witz und Stärke des Beginns freilich im Laufe der Geschichte nachlässt, der aber dennoch funktioniert – die Hysterie Sarahs und vor allem die bissige und verbitterte und stets beschwipste Shirley MacLaine als die gealterte Ausgabe der Mrs. Robinson setzen witzige Akzente.
Aber dennoch, gerade durch die Anreicherung mit der „Reifeprüfung“-Geschichte bleiben immer die Möglichkeiten bewusst, die erzielbar sind bei einem richtig guten Film.
| FAZIT
Romantische Komödie mit witzigem Bezug zur „Reifeprüfung“, die aber im Lauf des Films mehr und mehr an Pfiffigkeit verliert.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung