Der Ex-Tennisprofi Chris nimmt in London eine Stelle als Trainer in einem Club der Upper Class an. Sein Kunde Tom Hewett lädt ihn gleich zum Opernbesuch mit den Eltern ein. Toms Schwester Chloe findet Gefallen an Chris, und weitere Einladungen folgen.
Auch Tom hat eine nicht standesgemäße Freundin, die mittellose Amerikanerin Nola Rice (Scarlett Johansson). Diese versucht ohne Erfolg, als Schauspielerin zu arbeiten, und wird von Toms Mutter abgelehnt. Chris verguckt sich sofort in die attraktive Außenseiterin, nach einem Techtelmechtel aber lässt ihn Nola abblitzen. Chris, in der Hewett-Familie gern gesehen, hat bald einen guten Posten in der väterlichen Firma, und heiratet Chloe.
Doch Tom entscheidet sich dann doch für eine standesgemäßere Frau. Chris sucht nach Nola, trifft sie aber erst später zufällig in einer Galerie. Eine leidenschaftliche Affäre folgt. Der Kinderwunsch seiner Frau aber bleibt lange unerfüllt. Als Nola dann Chris verkündet, sie erwarte ein Kind von ihm, gerät sein wohl geordnetes Leben in Gefahr.
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| FILMKRITIK
Tennisspieler Chris hat ein Credo: Die entscheidenden Wendungen im Leben hängen oft von Zufällen ab, sind reine Glückssache. Eine Zeitlupenaufnahme zu Beginn des Films zeigt einen Tennisball, der auf der Netzkante aufschlägt und einen Augenblick in der Luft hängen bleibt. Noch ist unentschieden, auf welche Seite des Netzes er fallen wird. Von solchen Zufällen und ihren Folgen handelt Woody Allens hoch spannender Filmgenuss „Match Point“, außerdem von Gier, Leidenschaft, Ehebruch, Verbrechen.
Das Drama eines Emporkömmlings, der schnell Gefallen am Leben der britischen Upper Class findet, verwandelt sich zum Klang von schwermütigen Opernarien unaufhaltsam in einen Thriller. Dann spielt der Zufall in Gestalt eines fliegenden Eherings erneut herein. Dieses Meisterwerk, das die Reife seines fast siebzigjährigen Regisseurs spiegelt, zieht alle Register seines Könnens von der treffsicheren Situationskomik bis zu den philosophischen Fragen, denen sich Allen später zugewandt hat.
Zum ersten Mal verließ der Regisseur für einen kompletten Film sein heimatliches New York, um in London zu drehen. Sein Außenseiter-Blick auf die abgeschottete Gesellschaftsschicht der Reichen schafft eine Kriminalgeschichte, wie sie selbst Chabrol nicht besser hingekriegt hätte. Was Allen in und bei London gesehen hat, gefällt: Opernhaus, Galerien, Gärten, Landhäuser, Pferde, Boutiquen. Die freundlichen, offenen Menschen der Upper Class offenbaren ihre blasierte Sattheit erst nach und nach. Ein Freund dieses Milieus ist Allen nicht geworden.
Chris wird von den Hewetts von Anfang an mit Einladungen und Angeboten überschüttet. Faszinierend daran ist, wie ihm das die Möglichkeit nimmt, zu seinen neuen Freunden eine tiefere Beziehung aufzubauen. Es bleibt aber der lasziven, gerne Klartext redenden Nola überlassen, den zwiespältigen Charme solcher Kontakte in Worte zu fassen. Scarlett Johansson brilliert in einer Rolle, die ihr zahlreiche Facetten abverlangt, von der Verführerin zur nüchternen, später verhärteten Außenseiterin.
Jede einzelne Einstellung in diesem Film ist ein Genuss, wunderschön komponiert in stilvollem Ambiente und kultivierter Sprache und Musik. Zahlreiche Kontraste werden dramaturgisch gesetzt. So funkelt die Affäre von Chris und Nola in diesem Milieu der vom Vater Wohlversorgten wie ein Juwel. Die jungen Eheleute hingegen lässt Allen mit typischem Sarkasmus in ihrer Luxuswohnung über geplante Empfängnis und Temperaturmessung sprechen.
Die Hewetts benehmen sich nicht daneben, und wenn sie Charaktermängel haben, dann macht es nichts. Die Fehlhandlungen bleiben den beiden Eindringlingen Chris und Nola vorbehalten. Und doch haben alle ihren Anteil an der tragisch-abgründigen Zuspitzung. Was bedeuten Zufall und Glück am Ende wirklich: Befreien sie von Sühne, also auch von Schuld?
Während sich das Drama zum Thriller wandelt, reichert es Allen noch mit gut platzierten Komödienszenen an, so mit einem Polizistenduo, das auf das Köstlichste immer haarscharf von der Realität düpiert wird. Nie verläuft die Geschichte wie erwartet, sondern macht überraschend neue Dreher. Nach diesem filmischen Furioso dürfen sich die Zuschauer staunend und philosophisch gestimmt die Augen reiben.
| FAZIT
Meisterhafte Kinospannung von Woody Allen, die ein tragisches Gesellschaftsdrama mit einem Krimi und komischen Zutaten verbindet.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung