FILM REVIEW | Couchgeflüster - Die erste therapeutische Liebeskomödie
Couchgeflüster - Die erste therapeutische Liebeskomödie
Komödie,
Liebesfilm
| USA 2005
| INHALTSANGABE
In New York, wo sonst, geht die recht neurotische und gerade geschiedene Rafi zur Therapeutin. Und die rät ihr, die frischgewonnene Freiheit erst mal zu genießen. Prompt verliebt sich Rafi in den 14 Jahre jüngeren Dave – ohne zu ahnen, dass der der Sohn ihrer Therapeutin ist. Die befindet sich im Dilemma: Sie schwankt zwischen den Interessen ihrer Klientin und ihrem eigenen Wunsch, den Sohn vor der immerhin nicht-jüdischen und vor allem viel älteren Rafi zu schützen.
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| FILMKRITIK
Nicht mit zweierlei Maß zu messen ist eine Frage des vernünftigen Umgangs miteinander, sagt der Verstand. Dennoch handelt der Mensch nach einer Art Binnenmoral: Über den, den wir lieben, denken wir anders als über die anderen, und wer einem nahe steht wird anders behandelt und beraten als jemand, den man – beispielsweise – in seiner Profession als Therapeut behandelt und berät. Darin besteht Lisa Metzgers Dilemma: In ihrem Beruf muss sie das Glück der Patientin im Blick haben – aber gleichzeitig will sie ihren Sohn beschützen vor einer überstürzten Affäre, noch dazu mit einer neurotisch geschädigten, geschiedenen Frau, die noch nicht einmal jüdisch ist.
Eine reizvolle Ausgangssituation: Die Patientin liebt den jungen Sohn ihrer Therapeutin. Und Ben Younger, der acht Jahre lang den Drehbuchstoff in seinem Kopf wälzte, macht aus dieser Konstellation das beste, indem er alle Seiten beleuchtet und immer wieder die verschiedenen Parteien aneinander vorbeireden und -rennen lässt. Rafi trägt lang und breit ihre sexuellen Erlebnisse mit David vor dessen Mutter vor, die es kaum noch aushält, sich aber nichts anmerken lassen darf und sich in die klischeehaften Manierismen von Psychotherapeuten rettet, um sich dann, wieder allein, ganz dem Entsetzen hinzugeben, das mit aufgeregten Hitzewallungen einhergeht.
Keine Frage: Younger hat mit Meryl Streep und Uma Thurman als erfahrenen Schauspielerinnen und mit dem relativen Newcomer Bryan Greenberg, der den unerfahrenen, jugendlichen Liebhaber gibt, eine ausgezeichnete Besetzung für seine Komödie. Eine Besetzung, die die Komik aus den Szenen herauskitzelt und ganz behutsam Zusammenhänge zwischen Karpfen und jüdischem Leiden und Muttergefühlen und Wattestäbchen pointiert herstellt.
Leider löst sich das dynamische Beziehungsgeflecht irgendwann auf, das Tempo des Films und die erforderliche Straightness kann nicht den fein gespielten Witz des Beginns durchhalten. Besetzung und Ausgangsidee, dramaturgische Tricks und selbst das Milieu, in dem der Film spielt, lassen an Woody Allen denken; doch es fehlt Gespür für Inszenierung und Timing – vielleicht ist das einfach Erfahrungssache. Die Struktur der Geschichte jedenfalls schwingt umeinander im Hin und Her von einander Lieben und sich voneinander Lösen: vielleicht hat Allen die Maßstäbe für diese Art der spohisticated romantic comedy zu hoch gesetzt.
| FAZIT
Reizvolles Spiel um Beziehungen, das jedoch an Dynamik verliert.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung