Dienstag | 29. Mai 2012 | 23:10 Uhr
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  • FILM REVIEW | Havanna Blues
  • Havanna Blues

    Drama | Frankreich / Kuba / Spanien 2005
  • | INHALTSANGABE

  • Ruy und Tito sind Musiker in Havanna, und sie warten auf den Durchbruch. Dabei muss Tito eigentlich auch noch Frau und Kinder versorgen. Aber Musik ist ihm wichtiger, vor allem als spanische Talentscouts nach Kuba kommen und ein Plattenvertrag in greifbare Nähe rückt.
    Während Tito sich um die Talentscouts kümmert – und dabei ein Verhältnis anfängt – beschließt seine Frau, mit den Kindern in die USA zu flüchten; und der Plattenvertrag, der den Musikern angeboten wird, ist für Tito ein Musterbeispiel kapitalistischer Ausbeutung.
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      • | FILMKRITIK

      • Unter kubanischer Musik hat man, nicht zuletzt wegen Wim Wenders, bestimmte Vorstellungen. Dabei gibt es dort alle Arten von Musik, mit spanischen Texten, die sich durchaus auch kritisch mit der kubanischen Lebenswelt auseinandersetzen: neben Ethno-Pop auch pornografischen Punk und rebellischen Death Metal und spritzigen HipHop. Die Musik dieser kleinen, mehr oder weniger privaten und staatlich nie unterstützen Bands handelt von dem, was das Leben der Musiker ausmacht: Armut und Zigarettenschmuggel, Schwarzmarkt und Stromausfall, von Havanna und von der – erotischen – Liebe als Fluchtpunkt vor dem Alltag.

        Habana Blues, die Band von Tito und Ruy, vermischt Pop und Rock und Weltmusik, um von ihrer Liebe und ihrem Hass zu Kuba zu singen, ein Zwiespalt, der sich unter den verschiedenen Musikern Kubas wie auch in Ruys und Titos eigener Seele wiederfindet. Havanna bedeutet Heimat und soziales Nest und zugleich Armut, Zwang zu ständiger Improvisation des Lebens und Unterdrückung (die sich freilich weniger direkt als vielmehr in gesenkten Stimmen und nur vorsichtig geäußerter Kritik ausdrückt: sie ist schon soweit verinnerlicht, dass eine konkrete Bedrohung von staatlicher Seite gar nicht mehr nötig ist…)

        Die kommunistische Sozialisierung hat Spuren in den Menschen hinterlassen: Tito lehnt einen Plattenvertrag ab, weil nicht irgendein anonymer Großkonzern mit seiner Musik Geld verdienen soll – während Ruy vor allem die persönliche Chance sieht, endlich einmal aus Kuba rauszukommen. Zwei Standpunkte, die der Film gegenüberstellt und zu denen er selbst nicht konkret Stellung bezieht. Kuba wird nicht direkt kritisch beleuchtet, es wird der Umgang der Menschen mit den Schwächen (und auch Stärken) des Systems dargestellt. Es ist weder gut noch schlecht, dass Titos Familie illegal nach USA flüchtet: es ist einfach so. Und die Beteiligten müssen damit umgehen.

        In diesem Sinn ist „Havanna Blues“ kein politischer Film: Pro und Contra Kommunismus interessiert nicht weiter; genauso sieht Tito seine Musik: Als Ausdruck seiner Gedanken und Gefühle, nicht als politisch-kritisches Statement. Wie der Einzelne mit dem System und seiner Umgebung umgeht, bleibt ihm selbst überlassen, darüber will weder die Musik noch der Film ein Urteil abgeben. Vielleicht auch deshalb, um überhaupt die Möglichkeit zu haben zur Existenz: Gelder für die Produktion kamen aus Europa, aber auch aus Kuba…

        Indem der Film insoweit mehreren Herren dienen will, verliert er etwas an politischer Brisanz – und damit auch einen gewissen Grad an möglicher Substanz. Andererseits ist er auch ganz einfach ein Feel-Good-Movie mit viel guter Musik, eine lebhafte Bebilderung des kubanischen Lebensgefühls zwischen Vergnügen und Sorglosigkeit und Freude an Tanz und Musik und Geselligkeit. Jenseits aller Politik ist er eine Liebeserklärung an die Heimat Kuba und an Freiheit, an Freundschaft und an den Weg, den einen das Leben führt.
      • | FAZIT

      • Kubanisches Lebensgefühl mit viel Musik, das gewisse politische Aspekte aufgreift, aber nicht weiterführt.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Harald Mühlbeyer

      • | Userwertung

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