Thriller,
Drama,
Komödie
| Belgien / Frankreich / Spanien 2005
| INHALTSANGABE
Es ist schon eine Weile her, dass Bruno (José Garcia) seinen Job verloren hat. Und der anfängliche Enthusiasmus und die Aufbruchstimmung, ist langsam aber sicher der Frustration gewichen. Seine Familie hingegen kommt mit der Situation offensichtlich besser klar als er. Seine Frau Marlène (Karin Viard) hat zwei Jobs gefunden, mit denen sie zumindest übergangsweise im Stande ist die Familie über Wasser zu halten. Die zwei Kinder Maxime (Geordy Monfils) und seine jüngere Schwester Betty (Christa Theret) müssen sich zwar mit dem Verzicht auf Kabelfernsehen abfinden, dennoch hört man kaum Beschwerden von ihnen.
Bruno könnte also ganz gelassen und ohne familiären Druck auch weiterhin Bewerbung um Bewerbung hinaus schicken. Doch er reagiert mit Nervosität und Verdruss auf die Situation und kapselt sich immer mehr von seiner Familie ab. Bis er eines Tages eine Idee hat. Er setzt eine Anzeige für genau die Stelle auf, die er inne hatte und für die er sich bewirbt, um einen Blick auf die Konkurrenz auf dem Markt zu werfen.
Der Plan funktioniert und nach einer Weile ist ein ganzer Packen von Briefen in dem Postfach seiner erfundenen Firma eingegangen. Bruno liest die Lebensläufe interessiert und sortiert im Endeffekt fünf Konkurrenten aus, deren Erfahrungen seinen gleichen, wenn nicht gar übertreffen. Ein morbider Plan formt sich in seinem Kopf. Wenn er diese Mitstreiter aus der Welt schaffen könnte, würde dies seine Chancen auf dem Arbeitsmarkt deutlich erhöhen. Als sechsten setzt er Raymond Machefer (Olivier Gourmet) auf die Liste. Denn dieser hat genau die Stelle bei der florierenden Firma Arcadia inne, die Bruno gerne hätte.
Mit der alten Militärwaffe seines Vaters geht Bruno auf die Jagd. Während es noch verhältnismäßig einfach war sein erstes Opfer umzubringen, wird es nach einer Weile zunehmend schwieriger. Nicht nur weil erste moralische Bedenken auftauchen, sondern auch, weil die Umstände eben nicht ganz so einfach wie beim ersten Mal sind.
Und wie lange wird es noch dauern bis die Polizei auf seiner Türschwelle auftaucht?
Gleichzeitig entfremdet sich Bruno immer weiter von seiner Frau, die ihn schließlich dazu bringt einen Eheberater aufzusuchen. Für einen Mann, der sich gerade dazu entschieden hat, das Leben eines Serienkillers zu leben, eine nervende Nebensache.
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| FILMKRITIK
Le Couperet spielt im gut situierten französischen Oberklassenmilieu, das allerdings nach neuen wirtschaftlichen Entwicklungen hinter seiner feinen Oberfläche langsam zu zerrütten droht. Während die Betroffenen immer noch darauf bedacht sind, zumindest den Schein zu wahren, und sich oft in die Verleugnung stürzen, macht die Arbeitslosigkeit auch hier oben nicht Halt.
Menschen, die jahrzehntelang bei ein und derselben Firma angestellt waren, mittlerweile über 40 Jahre alt, ihre Häuser und Autos fast abbezahlt, sich eigentlich schon beinahe in der wohl verdienten Rente mit erwachsenen Kindern gesehen hatten, werden auf einmal aus ihren Tagträumen gerissen. Ein Bild, das nicht allzu weit von der Realität entfernt liegt.
Die Anzeichen für den Verfall der Gesellschaft sind überall. Marlène schlägt Bruno vor, ein anderes Bild für seinen Lebenslauf zu verwenden, eines das ein wenig mehr... „Sexy“ fragt er ... wäre. „Relaxt“ meint sie, aber der Grund, warum Bruno als erstes auf sexy kommt, liegt auf der Hand. Costa-Gavras macht intensiven Gebrauch von Marketing Plakaten, die alle ein und dieselbe Nachricht haben: Sexy ist gut. Sexy sales. So fährt Bruno mit seinem Renault Familienauto, den er nun schon anstatt der üblichen zwei Jahre vier Jahre fährt, mehr als einmal an Werbungen vorbei, die spärlich bekleidete Frauen tragen. Auch nicht allzu weit von der Wirklichkeit entfernt.
Costa-Gavras spielt in diesem Film mit Konventionen, Erwartungen und Klischees, die, um es zu verallgemeinern, die europäische Gesellschaft prägen.
Brunos Schlussfolgerungen sind von jener eiskalt kalkulierten Logik getrieben, die seine Vorgesetzten dazu trieb seine Firma nach Rumänien auszulagern.
Wenn die einzigen Bewerber auf seinen Job, die besser sind als er, ausgeschaltet sind, dann ist er der Nächste, der eingestellt wird... das ist einfache Mathematik.
Dabei wandert Costa-Gavras den schmalen Grad zwischen Thriller und Komödie, und oft ist man sich nicht sicher, ob der Film nicht in letztere Richtung abdriftet. Letztendlich findet er aber genau die richtige Mischung. Man wird als Zuschauer durch absurde Randbemerkungen immer wieder auf die eigentliche Komik der Situation aufmerksam gemacht. Dennoch birgt der Film hinter dieser Komik auch einen Realismus und vor allem die zynische Analyse der Gesellschaft, die erschreckend sind und damit Fragen an uns selbst aufwerfen.
Denn wieweit ist unsere Gesellschaft wirklich von dieser Geschichte entfernt? Wie lange dauert es noch, bis ehemalige Manager den Schritt gehen und zu Mördern werden, weil sie ihren Job behalten wollen? Hat unsere Gesellschaft diese Schwelle eventuell schon überschritten? In der man wegen purem Konkurrenzkampf auf der Abschussliste steht?
Diese Fragen machen Le Couperet zu einem Film, den man nicht verpassen sollte. Denn soviel geballten Zynismus und haarscharfe Beobachtung von den Missständen in unserer Gesellschaft findet man nur selten.
| FAZIT
Äußerst zynischer Film; ein Thriller über den normalen Durchschnittsbürger, der plötzlich Amok läuft, und das aus absolut verständlichen Gründen.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung