FILM REVIEW | Dick und Jane: Zu allem bereit, zu nichts zu gebrauchen
Dick und Jane: Zu allem bereit, zu nichts zu gebrauchen
Action,
Komödie
| USA 2005
| INHALTSANGABE
Dick Harper ist glücklich: Er steigt zum Vizepräsidenten seiner Firma Globodyne auf und wird auch gleich mit einem Fernsehinterview beauftragt. Live auf Sendung aber wird der Ahnungslose mit Vorwürfen konfrontiert, der Vorstand habe sich am Konzern bereichert; die Kurse fallen, Globodyne ist insolvent, alle Mitarbeiter stehen auf der Straße. Den Harpers geht langsam das Geld aus, und nach einigen legalen Versuchen, neue Jobs zu finden, beginnen Dick und seine Frau Jane mit Raubüberfällen, um sich über Wasser zu halten…
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| FILMKRITIK
Die Mainstream-Hollywoodkomödie hat ein Problem: Einerseits muss sie, um erfolgreich sein zu können, aktuelle Befindlichkeiten der Gesellschaft aufgreifen und von dem handeln, was die Menschen umtreibt. Andererseits darf sie nicht zu sehr in Problemen schwelgen, muss den Zuschauern Eskapismus, eine Zuflucht vorm Alltag bieten. So ist hier die bittere Wahrheit von der unmenschlichen Profitgier einiger, die zur Arbeitslosigkeit vieler führt, verpackt in den Zuckerguss des Slapstick. Und vor allem die erste Hälfte bietet eine Menge Spaß mit Dick, der hoch steigt, bis ins 51. Stockwerk, der dort zum Vizepräsidenten von Globodyne befördert wird und dann ganz schnell ganz tief fällt, ohne etwas dafür zu können.
Das persönliche und finanzielle Auf und Ab der Familie Harper wird als eine Art fröhliche Achterbahnfahrt gezeigt, die Armut ist gekennzeichnet von einer Fülle (für den Zuschauer) lustiger Momente: Das Duschen unter Nachbars Rasensprenger, das Geldverdienen mit Medikamententests, die versehentliche Ausweisung als illegaler Immigrant oder der Verkauf des Statussymbols Vorgartenrasen, der dann in nächtlichem Raubzug bei den Nachbarn wieder zusammengestückelt wird.
Mit der neuen Karriere als Verbrecher, die Dick und Jane einschlagen, ändert sich der Ton des Films allmählich, weg von der Verharmlosung von Arbeitslosigkeit hin zu richtiggehender Sozialkritik: Amerikanischer Optimismus, der vollkommen ins Leere läuft, wenn man nach den Regeln spielt, wird angewandt auf das Gebiet des Illegalen. Ladendiebstahl als Weg zum Pursuit of Happiness, Tatkraft und Schaffensdrang setzen Dick und Jane für ungesetzliche Handlungen ein – nicht nur haben sie Erfolg damit, sie sind auch nicht die einzigen: Dies ist auch der Weg, denn alle anderen ehemaligen Globodyne-Mitarbeiter gehen.
Diese Gleichsetzung von Kriminalität und Kapitalismus ist natürlich stets durchzogen von der Lustigkeit der Tollpatsche Jim Carrey und Téa Leoni, eine Lustigkeit, die nicht immer perfekt getimet ist und auch nicht immer den perfekten Weg zur perfekten Pointe nimmt – der Film ist unwitziger als Dean Parisots vorheriger „Galaxy Quest“. Und als Satire ist er weniger bissig als der thematisch ähnlich gelagerte „Reine Chefsache“ (der allerdings mit „Dick und Jane: Zu allem bereit, zu nichts zu gebrauchen“ einen ähnlich dämlichen deutschen Titel teilt).
So ist „Fun with Dick and Jane“ leider mit zu wenige Subtilität inszeniert, zu sehr auf oberflächliche Witzigkeit bedacht, um wirkliche Satire zu sein; die Geradlinigkeit der Komik schwächt die Ernsthaftigkeit des sozialkritischen Kerns stellenweise ab. Und doch, je weiter der Film fortschreitet, desto deutlicher wird das ironische „Danke schön“ der Komödie an die Manager von Pleite-Großkonzernen wie Enron, WorldCom, HealthSouth und so weiter. Die Liste ließe sich beliebig erweitern und aktualisieren.
| FAZIT
Hollywood-Komödie mit sozialkritischem Touch, irgendwo zwischen Slapstick und Satire.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung