Johannes, frisch von der Uni, fängt als Doktorand beim Institut für Virologie an – und wird vom Verfassungsschutz angehalten, ein Auge auf den algerischen Kollegen Farid zu haben. Johannes weist das Anliegen empört ab, doch der erste Zweifel ist gesät. Johannes und Farid werden Freunde – oder vielleicht überwacht Johannes den Kollegen auch nur? Nach dem Streit um eine Frau und um die Anerkennung wissenschaftlicher Untersuchungsergebnisse eskaliert die Situation.
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| FILMKRITIK
„Wenn Sie ihn für ungefährlich halten, überzeugen Sie uns!“ Diesen Rat gibt Frau Wasser vom Geheimdienst dem jungen Johannes mit auf den Weg, und sie tut so, als könne sie kein Wässerchen trüben. Direkt und mit psychologischer Raffinesse rekrutiert sie Johannes, er soll seinen Kollegen Farid überwachen und, ganz einfach, ab und zu mal Bericht erstatten.
Johannes ist neu im Labor, er soll mit Farid zusammen neue Genmuster von Viren erforschen. Aber sind Viren in den Händen von Terroristen nicht gefährlich? Und ist Farid nicht Moslem, noch dazu Vegetarier? Geschickt spielt der Film mit dem Misstrauen. Farid ist verdächtig, er ist von der Rasterfahndung erfasst; und der Staat, repräsentiert durch Frau Wasser, spannt die Bürger ein, erzeugt unter Umkehrung der Beweislast die Atmosphäre des Misstrauens, das natürlich nur der Sicherheit der Bürger dienen soll.
Im ersten „offiziellen“ Gespräch zwischen Johannes und Frau Wasser fährt die Kamera langsam und suggestiv auf den dicken Ordner zu, der alles, alles enthält, was Farid ausmacht. Bei einem anderen Treffen glaubt Johannes, dass der Geheimdienst seine Briefe öffnen würde – nein, nein, wiegelt Frau Wasser ab, das ist gar nicht nötig, die Telefonrechnung bekomme sie direkt von der Telekom.
Diese Atmosphäre der schleichenden Verdächtigung, des staatlich geförderten und geforderten Misstrauens, der Paranoia, die der bürgerlichen Sicherheit dient, der gesellschaftlichen Verunsicherung durchzieht den Film – und ist doch ganz nebensächlich erzählt. Hinter der Geschichte der Freundschaft zwischen Johannes und Farid bleibt stets der Gedanke im Hinterkopf: Ist diese Freundschaft wirklich echt, oder macht sich Johannes in Wirklichkeit doch nur auf höheren Befehl hin an Farid ran? Ist andererseits Farid, der auf Lan-Partys Egoshooter-Spiele zockt, wirklich harmlos? Und wiederum: Wenn Johannes nicht liefert, was wird der Verfassungsschutz gegen ihn selbst unternehmen?
En passant hält der Film diese Ebenen aufrecht, während er von seinen Figuren erzählt, von Johannes’ pflegebedürftiger Oma, die immer abends betet, und natürlich von Beate, die mit Farid zusammen ist, die aber von Johannes begehrt wird. In kleinen Alltagsbeobachtungen nähert sich der Film dem Drama an, das die Konstellation beinhaltet: Geheimdienst, Johannes, Farid, Beate. Ein bisschen mehr Dynamik hätte man sich vielleicht gewünscht, etwas mehr Entwicklung, mehr Drive im dritten Viertel des Films, das sich etwas in der Dreiecksbeziehung um die Frau verliert.
Und doch: Sicherheitsbedürfnis, Argwohn, Opportunismus und Denunziation, große Themen, die auf das kleine, private Leben von Johannes heruntergebrochen sind, tragen den Film. Denn immer könnte aus dem nichts Frau Wasser auftauchen, und eines ist klar: heimlich und trotz aller Freundschaft hat Johannes Farid in der Hand; und Macht, man sieht es an einem Staat, der Frau Wasser hervorgebracht hat, Macht ist dazu da, missbraucht zu werden.
| FAZIT
Film um staatlich verordnetes Misstrauen unter dem Vorwand des Kampfs gegen Terrorismus. Trotz gelegentlicher dramaturgischer Schwächen ein spannender Politthriller.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung