Vater Brown (Colin Firth), von Beruf Bestattungsunternehmer, hat schon seine liebe Not. Seit seine geliebte Frau gestorben ist, sind die sieben Kinder völlig unkontrollierbar. Gerade haben sie das siebzehnte Kindermädchen (in persönlicher Bestzeit) aus dem Haus gegrault, und eine neue ist nicht in Sicht. Zu allem droht die reiche aber verbiesterte Großtante (Angela Landsbury) die finanzielle Unterstützung einzustellen, sollte Papa nicht bald wieder heiraten. Doch da steht im größten Chaos die wundersame Nanny McPhee vor der Tür – und in dem potthässlichen wiewohl magisch begabten Kindermädchen scheinen die wilden Brown-Sprößlinge ihren Meister gefunden zu haben.
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| FILMKRITIK
Das Kinoplakat wie auch eine Reihe von Jugendfilmen der letzten Zeit lassen böses ahnen. Aber bei „Eine zauberhafte Nanny“ ist die Sorge unbegründet: kein gelackter Kinderfilm erwartet einen, keine sterile Computerwelt. Stattdessen macht einen beträchtlichen Teil dieses turbulenten Spaßes eine wirklichkeitsgetreue Sinnlichkeit aus. Das Brown-Haus ist ein echtes Gebäude; da blättern Putz und Farbe, fleckige Spiegel hängen an der Wand, und den allgegenwärtigen Strickpullis sieht man richtig an, wie sie kratzen aber auch wärmen. Bei aller Farbenfreude bleibt die Ausstattung bodenständig und bietet mit den durch die Bank weg hochkarätigen Charakterdarstellern alles andere als plattes Effektkino.
Allen voran ist Colin Firth eine Pracht. Als leidender und überforderter Vater versucht er stets, irgendwie die Haltung zu bewahren. Seinen Rollentyp aus „Schokolade zum Frühstück“ oder „Das Mädchen mit dem Perlenohrring“ treibt er hier im Komödiantischen bis zur Perfektion. Doch auch die Nebenakteure sind schlichtweg unwiderstehlich: Imelda Staunton („Vera Drake“) als ruppige Köchin und Angela Landsbury als Tante Adelaide haben sichtlich Spaß am überdrehten Spiel. Kelly MacDonald als träumende Bedienstete und heimliches Aschenputtel ist zum Verlieben. Patrick Barlow und Derek Jacobi als Browns Assistenten im Bestattungsladen ein Schmaus. Gleiches gilt für die rotwangigen Kinder. Mit wenigen Strichen sind sie ausgezeichnet, so dass man gleich loslegen kann. Gegen dieses Ensemble hat die große Emma Thomson als Nanny McPhee in ihrer Maske mit Knollennase, haarigen Warzen und überlangem Schneidezahn kaum eine Chance.
Aber für den Film hat Thomson, Shakespeare-Mimin und Oscar-Preisträgerin, schon mit dem Drehbuch genug getan. Nach Janes Austins „Sinn und Sinnlichkeit“ hat sie hier nun Christianna Brands Kinderbuch „Nurse Matilda Goes to Town“ adaptiert und erneut mit Produzentin Lindsay Doran zusammengefunden. Für die Regie engagierten sie Kirk Jones. Der hat bislang nur den deftigen Schwank „Lang lebe Ned Devinde“ vorzuweisen, damit aber auch gezeigt, dass er urige Gestalten so recht mit fidelen Bildern und Schnitten zu packen versteht. Witzig, originell und mit viel Gespür fürs Thema umschifft Jones auch hier alle Untiefen von Kitsch, Klischee und Gefühlsdusselei, soweit es irgendwie geht. Eine „Mary Poppins“-Version ist die Folge, irgendwo zwischen Lemony Snicket, Erich Kästner und – ein bisschen – der „Adams Family“.
Entsprechend wüst dürfen sich die Kinder zunächst gebärden. Da wird der Köchin schon mal die Pfanne übergezogen, zum Schein das Jüngste der Sippe verspeist oder der Teddy per Guillotine geköpft. Jede RTL-Supernanny mit ihrem „stillen Stuhl“ würde da die Waffen strecken. Ob das Kindermädchen McPhee denn auch mit ihrer Brachial-Methode aus Machtspiel und Magie pädagogisch korrekt agiert, mag man bestreiten: Wenn die Kinder krank spielen um im Bett zu bleiben und ihr neues Opfer herauszufordern, hext sie McPhee prompt dort fest und zaubert ihnen tatsächlich die Masern an. Hernach werden die Gören mit eklig-blubbernder Medizin und Kraftbrühe aus Küchenabfällen traktiert.
Jedem Bildungsbeauftragten sträuben sich da die Nackenhaare. Doch zum einen machen die Streichen und Gegen-Quälereien gerade deshalb einen diebischen Spaß. Zum anderen schaffen es Thompson und Jones verblüffend gewand und ohne Zeigerfinger die Kurve zu kriegen, in der es Katharina Saalfrank und Co. allzu oft aus der Bahn haut. Die Bosheit der Kinder, vor allem die des Rädelsführers Simon (auch schon ein ganz Großer im Schauspielerfach: Thomas Sangster), entpuppt sich als Verständigungsproblem mit dem überforderten Vater, der seine Kinder nicht in ihre Probleme einzubeziehen versteht. Das mag manchem dann vielleicht zu platt scheinen. Doch dass es des Öfteren darum geht, als Erwachsener eigene Schwächen und Sorgen einzugestehen und darüber noch den Kindern genügend zuzutrauen – von Verantwortung bis zur Einsichtsfähigkeit - ist alles andere als die übliche wohlfeile Kino-Botschaft, die bloß blankes Liebhaben propagiert.
Zum Schluss darf es deshalb auch ruhig eine zünftige Tortenschlacht geben und Vater Brown doch noch die Richtige heiraten. Die Kinder im Kino werden Spaß haben. Und die Erwachsenen noch was lernen können.
| FAZIT
Nach dem Drehbuch von Hauptdarstellerin Thomson zaubert Regisseur Kirk Jones ein herrlich ungeschliffenes Märchen voller überragender Schauspieler, das gerade wegen seiner ausgelassenen „Unkorrektheiten“ prächtig unterhält.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung