Simon, Tora, Eric, Lily, Christianna, Sebastian und das Baby Aggy sind die ungezogensten Kinder auf der ganzen Welt. Da muss natürlich eine Supernanny her, und wer wäre da geeigneter als Nanny McPhee, die zwar hässlich ist, aber dafür zaubern kann und den Kindern fünf kleine Lektionen erteilt: Essen, Zubettgehen, Anziehen etc.
Währenddessen muss Mr. Brown, der Vater der Kinder, dringend eine Frau finden, so hat es die reiche Tante Adelaide beschlossen; in seiner Not entscheidet er sich für die Witwe Mrs. Quickly, die eine wahrhaft böse Stiefmutter wäre...
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| FILMKRITIK
Man kriegt heutzutage einfach kein gutes Personal mehr; aber gottseidank befinden wir uns im viktorianischen England, vor 100 Jahren, und da ist das Kindermädchen McPhee unterwegs und erzieht die schlimmen Kinder von Mr. Brown.
Die Kamera suggeriert, dass Nanny McPhee aus den Wolken herabschwebt, um dem überforderten Papa von sieben Kindern zu helfen. Ihre Erziehungsmethode beruht auf ihrem dicken Knotenstock, mit dem sie auf den Boden klopft, um ihren Zauber entstehen zu lassen. Ihr Zauber wirkt auf der Oberfläche als Bestätigung der Streiche der Kinder: Wenn sie die Küche durcheinanderbringen, lässt die Nanny sie mit ihrem Zauberstock den Unfug weiter und weiter treiben, bis das Baby in den Suppentopf geschleudert zu werden droht. Und wenn die Kinder die Masern vorspielen, werden sie wirklich krank und müssen eklige Medizin schlucken.
Solange ihr mich braucht, aber nicht wollt, bleibe ich hier, sagt die Nanny, aber wenn ihr mich wollt, aber nicht mehr braucht, gehe ich. Damit ist alles gesagt, der Verlauf des Films steht fest; so wie bei einem Märchen von Anfang an klar ist, wer am Schluss wen heiratet und wer als Böser bestraft wird. Märchen sind auch die Ursache für die Aufmüpfigkeit der Kinder: Nach dem Tod der Mutter fürchten sie die unweigerlich bevorstehende Stiefmutter, die der Vater bestimmt dereinst heiraten wird. Der Vater seinerseits ist gefangen in Geldsorgen und in der Abhängigkeit von Tante Adelaide, die ihn finanziell unterstützt und dafür Bedingungen stellt.
Die Unfähigkeit des Vaters im Umgang mit seinen Kindern, die Trauer um die Mutter, die in Mr. Brown wie in seinen Kindern steckt, macht Nanny McPhee erst nötig. Die freilich ist zwar verständnisvoll, aber gar nicht besonders nett; und zudem ausnehmend hässlich mit Kartoffelnase, Warzen, einem langen, vorstehenden Zahn: Keine gelackte Mary Poppins, die Freude verbreitet, dafür ein Geist, der durch Überaffirmation des kindlichen Unfugs Hilfe zur Selbsthilfe bringt.
Überhaupt ist der Film angenehm britisch; exzentrische Figuren bevölkern ihn, kräftige Farbenpracht dominiert die Ausstattung, die dennoch echt wirkt: vermutlich, weil Wände und Möbel deutliche Gebrauchsspuren einer Rasselbande ungezogener Kinder zeigen, wenn sie auch rot, blau, grün sind.
Am besten ist der Film, wenn er mit seinen Figuren spielt: die überkandidelte Mrs. Quickly, die die zukünftige Schwiegermutter werden soll, die handfeste Köchein, die früher beim Militär war und sich freut, wenn sie mal wieder Eintopf aus Küchenresten kochen darf, „das Essen, das dieses Empire groß gemacht hat“; die strenge, aber fast blinde Tante, die fest in ihrem Standesdünkel steht. Und Mr. Brown in seinem Beruf im Beerdigungsinstitut, wo es drunter und drüber geht, wenn die Grippewelle rollt, und der direkten Kontakt mit Mrs Quickly hat, weil er ihren Mann zu Grabe getragen hat. Hier liegen eine Menge wundervoller Gags, Späße, die Kindern wie Erwachsenen gefallen, und die gut beobachtet sind: Nach der Erziehung durch die Tante ist die Umwandlung von Küchenmagd Evangelina in eine Lady fast schon erschreckend, mit ihrem feinen Gewand, der feinen Sprache und den Bewegungen wie ein Roboter.
Leider verlässt sich der Film nicht vollständig auf diesen Humor, immer wieder muss er kindisches Tändeln bringen: Ein grinsender und tanzender Esel, komplizierte Apparaturen der Kinder bei ihren Streichen, eine Tortenschlacht. Das ist punktuell sogar witzig, verrät aber doch eine zu starke Haltung von oben herab gegenüber den Kindern: Seht her, wir können Witze machen für euch. Kinder werden bei diesen vorgesetzten Scherzen sicherlich auch lachen, Erwachsene warten auf die tiefgründigeren Gags, die der Film zu bieten hat.
| FAZIT
Witziger, märchenhafter Kinderfilm, bei dem auch Erwachsen was zu lachen haben.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung