Der Schriftsteller Truman Capote (Philip Seymour Hoffman) lässt sich von einem Zeitungsartikel inspirieren. Als er vom grausamen Mord an einer Familie in Kansas liest, reist er an den Tatort. Doch was als kleinere Story beginnt, entwickelt sich zur Obsession. Capote möchte mit seinen Nachforschungen Geschichte schreiben und den Mord in einen Roman umsetzen. Für die 60er Jahre ist dies ein ungewöhnliches Vorhaben, schreiben doch seine Kollegen lediglich pure Fiktion und würden ihre Bücher niemals wahren Tatsachen folgen lassen.
Truman Capote sammelt in stundenlangen Interviews mit den Tätern immer neue Fakten. Als diese bereits im Todesblock sitzen und hingerichtet werden sollen, zahlt er Bestechungsgelder um seine Interviews durchführen zu können und sucht neue Anwälte, um die Hinrichtung verschieben zu können. Capote erfährt zwar das ganze Leben der Mörder, nur die Tat an sich bleibt lange im Dunklen und Capotes Unterfangen wird immer wieder hinterfragt.
Nach und nach zieht Capote auch seine Freunde mit in die Geschichte hinein, zunächst seine langjährige Freundin und Schriftstellerin Nelle Harper Lee (Catherine Keener) und schließlich seinen Freund Jack (Bruce Greenwood). Als er nach ein paar Jahren kein Ende sieht, wird er zunehmend zur Last für sein Umfeld – er wendet sich verstärkt dem Alkohol zu und verstimmt seine Freunde durch seine launische Art. Capote sieht zwar immer noch einem guten Buch entgegen, doch die Geschichte hat ihn für immer verändert.
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| FILMKRITIK
Kansas im Winter – Ein grauenhafter Familienmord ohne jeden Sinn. Truman Capote sucht spannende Geschichten aus dem wahren Leben. Und in der Tat feierte der wahre Truman Capote mit seinem Buch "In Cold Blood" einen großen Erfolg. Der Film versucht sich sensibel an die Figur des Truman Capote heranzutasten und ihn in der Entstehungszeit des Buches in den 60er Jahren zu begleiten.
Philip Seymour Hoffman bekommt die Aufgabe, den kauzigen Capote lebensecht darzustellen. Die Authentizität können wohl nur Capotes Zeitgenossen beurteilen, jedenfalls gelingt es Hoffman auf beeindruckende Weise einen außergewöhnlichen Charaktertypen zu portraitieren. Hinter der frivolen und etwas ulkig-rätselhaften Fassade Capotes scheint sich ein sehr feinfühlendes Wesen zu befinden, das von den eigenen Nachforschungen in Mitleidenschaft gezogen wird. Einerseits ist er der Star unter den intellektuellen Promis auf Parties, andererseits liegt er aber letztlich wie gelähmt auf dem Bett und versteckt sich vor den Dingen, gegen die er sich nicht wehren kann.
Überhaupt stehen im Mittelpunkt von "Capote" Stimmungen. Das Aufkommen von Heiterkeit hat meist nur den Zweck, nachdenkliche Momente noch bedrückender erscheinen zu lassen. Kombiniert mit der farblosen Winterlandschaft deren matte Sonnenstrahlen nur einen Hauch von Hoffnung ankündigen schafft der Film eine melancholische Atmosphäre.
So wie Capote mit "In Cold Blood" einen Non-Fiction-Roman schreiben will, versucht das Produktionsteam von "Capote" ein möglichst reales – aber dennoch poetisches – Bild von Capotes Leben zu Zeichnen. Durch die enge Bindung an die Vorlage wirkt der Film oftmals beklemmend unfrei. Er ist stark, aber dennoch zurückhaltend. Optimistisch, aber dennoch irgendwo depressiv. Einige Momente wirken generisch und austauschbar – frustrierend. Am frustrierendsten dabei ist die hohe filmische Perfektion mit der "Capote" umgesetzt ist. Nahezu jedes Bild eignet sich als Standbild. Durch diesen poetisch-perfekten Look verliert die Geschichte ironischer Weise etwas an Glaubwürdigkeit und nähert sich sehr der klassichen Hollywoodästhetik, auch wenn sich der Film niemals einen geschmacklichen Fauxpas erlaubt und niemals im Stile großer Biopics zu dick aufträgt.
Allerdings vermag es "Capote" meist die Echtheit der Story zu suggerieren. Es gibt weder Gewinner noch Verlierer und letztlich bleiben alle Figuren des Films mysteriös und ambivalent – egal wie viel über sie erzählt wird. Es ist eben nur ein Fenster, ein Ausschnitt aus dem Leben, den wir für zwei Stunden betrachten können. Und "Capote" lehrt, dass jeder Lebensabschnitt wichtige Änderungen mit sich bringt – der Truman Capote dem wir am Anfang begegnen ist am Ende nicht mehr derselbe.
| FAZIT
Ambivalentes und stilvolles Drama um den Schriftsteller Truman Capote mit außergewöhnlichem Hauptdarsteller.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung