Während am persischen Golf die Erbfolge in einem Öl-Scheichtum ansteht und dabei der reformfreudige Prinz zur Bedrohung der amerikanischen Energiepolitik wird, wird in den USA vor dem Hintergrund einer Fusion gegen zwei Ölfirmen ermittelt, die sich womöglich durch Bestechung Förderrechte gesichert haben. Zwischen diesen Konflikten wird der CIA-Agent Bob Barnes (George Clooney) zum Bauernopfer im Machtpoker. Und ein junger arbeitslos gewordener Ölarbeiter gerät in den Bannkreis islamischer Fundamentalisten.
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| FILMKRITIK
Das wahrlich Unverschämte in Stephen Gaghans Regiedebüt „Syriana“ ist, wie gut letztlich die islamischen Attentäter davon kommen. Denn nach zwei Stunden, in denen die machiavellistischen Mechanismen und Verstrickungen von Geheimdiensten, US-Anwalts- und Ölfirmen, von Märkten, Herrscherhäusern, Politik, Kommerz und Terrorismus in großer Fülle vorgeführt worden ist, ist man geneigt, den Radikalismus, zumindest aber seine Verführungen und Verführbarkeit nachzuvollziehen. Gier, blanke Eigeninteressen und ihr Mittel, die Korruption, sind das einzige, was den Westen und seine Verbündeten am Golf umtreibt. Das Öl ist die Macht und die Zukunft. Faire Regeln oder Pardon kann man sich da nicht leisten.
Es sind denn auch die Guten, die allesamt bezahlen während: George Clooney, der für die CIA die schmutzige Arbeit in Teheran und Beirut erledigt, schrecklich gefoltert und schließlich von den eigenen Leuten abserviert wird. Matt Damon als Finanzanalyst, der nach dem Tod seines Kindes zum Berater des Reformprinzen Nasir (Alexander Siddig) avanciert und seine Ehe ruiniert. Der Anwalt Bennett Holiday (Jeffrey Wright), der sich am Deal um staatliche Kontrolle und symbolische Politik die Hände schmutzig macht. Sie und andere sind die Opfer; das Böse triumphiert. Das ist mitunter bemüht hart und pessimistisch. Kommt aber der Wahrheit näher, als uns wiederum lieb sein kann.
Der regelmäßige „Spiegel“-Leser wird denn auch nicht überrascht sein von den ganzen Mauscheleien. Wohl aber von der Fülle der Aspekte, die Gaghan in „Syriana“ zu packen versteht. Mit das Bewundernswerteste ist – neben Clooney Schauspielkunst, die ihm hier eine Oscar-Nominierung eingebracht hat – der Balanceakt zwischen Aufklärung, der Darstellung ökonomischer und machtpolitischer Gegebenheiten und ihre Umsetzung in eine Dramaturgie, aus der man einen Spielfilm machen kann. Der Begriff „Politthriller“ greift da schon viel zu kurz.
Dass Gaghan sein Handwerk dahingehend versteht, bewies er bereits mit „Traffic“. Für das Aufdröseln des süd-nordamerikanischen Drogenhandels, der Produktion und Verbreitung wie auch der Bekämpfung hat Gaghan seinerzeit den Drehbuch-Oscar erhalten. Die Produzenten von „Syriana“, „Traffic“-Regisseur Steven Soderbergh und Clooney haben Gaghan diesmal auch gleich die Regie anvertraut. Und sie taten gut daran.
Auch wenn es wirklich das intelligente und fordernde Skript ist, dass das Rückgrad des Films darstellt, ist es doch die Riege (zu Recht) namenhafter Schauspieler auch in den Nebenrollen (Christopher Plummer, Chris Cooper, William Hurt), Alexandre Desplats Musik und Robert Elswits famose Kamera, die ein überzeugendes Ganzes aus „Syriana“ machen. Ein Jahr hat Gaghan recherchiert (auf Basis eines Sachbuchs des ehemaligen CIA-Beamten Robert Baer), gedreht wurde nicht nur in L.A, New York und London, sondern auch in Kairo, Bahrain, Dubai, Damaskus und Kuwait. Und es spricht für die künstlerische wie gedankliche Qualität, dass der Film gar nicht in Versuchung kommt, mit seinen Schauwerten zu protzen.
Wo „Syriana“ (der Titel bezeichnet einen Terminus von US-Planspielen für den begehrten Öl-Einflussbereich zwischen Syrien und dem Iran) denn auch schwächelt, tut er es auf höchstem Niveau. Dass die Figuren nicht so tiefe Charaktere abgeben wie noch in „Traffic“ liegt u.a. am Umstand, dass Öl als treibende Kraft abstrakter und weniger ‚tragisch’ daherkommt als das konkrete Kokain. Dass viele der Informationen mühsam über die Dialoge vermittelt werden müssen. Dass der eine oder andere Aspekt gegenüber (den unzähligen!) anderen zu kurz kommt. Oder dass einzelne Krisen auf allen Ebenen erdacht werden müssen, über deren Zuspitzung und Auflösung die Handlung vorantreibt – all dies sind die notwendigen Übel, um ein solch verworrenes Thema dingfest zu machen. Gaghan hat das mit Bravour gemeistert.
| FAZIT
Drehbuchautor und Regiedebütant Stephen Gaghan („Traffic“) legt mit „Syriana“ ein intellektuell und ästhetisch höchst gelungenes Werk vor, dessen Schwächen angesichts der Komplexität und Weitläufigkeit seines Themas wenig Gewicht haben.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung