Es beginnt mit einem großen, hallenden Wohnzimmer und mit Walter und Anna. Seit sechs Jahren verheiratet treffen sie an diesem Abend nur zufällig aufeinander. Während Walter eigentlich auf Geschäftsreise sein sollte, hatte er von Anna erwartet, sie sei bei ihrer Mutter. Verwirrt von der Anwesenheit des jeweils Anderen beginnt Anna ein eher zielloses Gespräch über ihre Ehe zu führen. Ziellos, da Walter jede eingeschlagene Richtung sofort bremst und ins Gegenteil verkehrt.
Plötzlich taucht Walters bester Freund Jost auf, eine Flasche Wein in der Hand. Schnell rettet sich der offensichtliche heimliche Liebhaber Annas in ein geschäftliches Gespräch mit Walter. Es dauert seine Zeit, bis dem gehörnten Ehemann ein Licht aufgeht. Doch bevor sich die Spannung zwischen ihnen entladen kann, steht ein weiterer unerwarteter Gast vor der Tür: Yvonne, Josts Frau. Und schon beginnt ein perfider Beziehungskrieg...
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| FILMKRITIK
Man setzt zwei Ehepaare, die sich gegenseitig betrügen in einen Raum und wartet ab, was passiert. Das ist das Grundgerüst des Kammerspiels „rendevouz“, das als Independent-Produktion nach einem Theaterstück von Bob L. Sack entstanden ist. Die theaterhaften Dialoge werden keinesfalls theatralisch vorgetragen. Den Schauspielern gelingt es meistens, sie in das Medium Film zu übertragen, ohne dass man sich an ihrer Inszeniertheit stören würde.
Es herrscht eine kalte, befremdliche Atmosphäre in dem großen Zimmer, in dem die Menschen agieren, als seien sie Tiere, die man in einen neuen schönen Käfig gesperrt hat, um ihr Verhalten zu studieren. Der geordnete Glanz reicht dabei nicht weit. Bereits in den Schubladen der Schränke hat sich das Chaos breit gemacht. Und mit dem Chaos brodeln Selbstherrlichkeit, Hass, Ekel und Eifersucht unter der Oberfläche und drohen jederzeit herauszubrechen. Positiver besetzte Gefühle scheinen nur noch am Abgrund ihres Seelenlebens vor sich hin zu modern.
Sie spielen ein perfides Spiel und kreieren einen brutalen Abend der Wahrheit, die im Endeffekt niemals ausgesprochen wird. Drängt etwas darauf, gesagt zu werden, wird es schnell um einen weiteren Faktor erweitert, der das Spiel in eine neue Runde lenkt. Es ist ein nervös gespanntes Beziehungsgeflecht, dessen Fäden von zwei Protagonisten mit großer Hingabe geführt werden.
Gegenseitige Verletzungen und Reizungen kulminieren in einem Höhepunkt, der die Figuren an ihre Grenzen stoßen lässt, ohne dass sie jedoch bereit wären, das „Spiel“ zu beenden. Während sie sich gegenseitig zertrümmern und zum Äußersten reizen, lauern sie darauf, den jeweiligen Gegner in die Knie zu zwingen. Als Motiv für ihr Handeln pure Langeweile zu vermuten ist dabei nicht so abwegig, wie es auf den ersten Blick scheint.
„rendevouz“ ist etwas für Zuschauer, die bereit sind, sich auch mit den Untiefen menschlichen Handelns auseinander zu setzen und denen es nichts ausmacht, Theater auch mal auf der Leinwand zu erleben. Durch diese Trennung wird zwar die Radikalität der Handlung vermindert und Darsteller und Zuschauer auf einen Abstand gebracht, der es verhindert, dass sie sich wirklich nahe kommen. Doch da sich die Figuren in Grenzgänge manövrieren, denen zumindest manche nur ungern folgen würden, kann gerade der durch das Kino hervorgerufene Abstand eben diese Untiefen erträglich machen.
| FAZIT
Verfilmtes Theaterstück über die Untiefen menschlichen Handelns und die bösartigen Auswüchse eines Beziehungskonflikts.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung