Nordamerika, 1607. Drei Segelschiffe, ausgesandt von der königlich-britischen Virginia Company, landen an einem Ufer dieser neuen Welt, um sie zu besiedeln und ein Fort zu errichten. Schnell erkennen sie, dass sie ohne weitere Hilfe nicht dazu in der Lage sein werden und auch, dass die ansässigen Ureinwohner in ihnen unerwünschte Eindringlinge sehen.
Kapitän Christopher Newport beschließt, zurückzusegeln und weitere Vorräte herbeizuschaffen. Sein Kommando übergibt er dem rebellischen John Smith. Dieser bleibt jedoch nicht lange bei der überforderten Mannschaft. Er wird vom Stamm des mächtigen Häuptlings Powhatan gefangen genommen. Obwohl sein Todesurteil bereits gesprochen wurde, überlebt er, da sich Pocahontas, die Tochter des Häuptlings, für ihn einsetzt.
Zwischen John Smith und Pocahontas entwickelt sich schnell eine tiefe Beziehung und auch die anderen Stammesmitglieder scheinen sich bald an ihn zu gewöhnen. Für den Häuptling, der befürchtet, die Neuankömmlinge könnten sich mehr als nur ein kleines Stück Land nehmen, eine unerträgliche Situation. Er schickt Smith zurück in das Fort mit dem Auftrag, dafür zu sorgen, dass er und seine Männer wieder aus dem Land verschwinden, wenn die Schiffe zurückkommen.
Also verlässt John Smith den Stamm, auch wenn ihm klar ist, dass er den Auftrag nie wird erfüllen können.
Kaum im Fort angekommen, muss er zunächst seine Stellung als Kapitän behaupten. Heruntergekommen und verwahrlost kämpft die übrig gebliebene Besatzung gegen Hunger und Kälte. Die Lage verschlimmert sich und bald wird Smith klar, dass nur Pocahontas die Sterbenden retten kann, die einzige Person, die er niemals darum bitten würde.
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| FILMKRITIK
Bereits der Vorspann besitzt symbolischen Wert. Dort wird eine noch weiße Landkarte in Begleitung bedrohlicher Untertöne mit Linien überwuchert: die unerbittliche Eroberung einer fremden, neuen Welt hat begonnen. Und diese neue Welt stellt sich dem Betrachter zunächst wie ein mystisch angehauchtes Arkadien dar. Dunkelgrün und feucht, von geheimnisvoller und schier atemberaubender Schönheit.
Gemeinsam mit der Figur des John Smith erfährt der Zuschauer zunächst eine eigene Annäherung an die nicht mehr vorhandene und aus diesem Grund auch nie wieder nachvollziehbare Lebenswelt der Ureinwohner Nordamerikas. Zwar wirkt die klischeehaft vereinfachte Aufteilung der beiden gegenüberstehenden Zivilisationen in himmlisch und höllisch fehlerhaft, doch diese Sicht entspringt Beobachtungen der Hauptfigur John Smith und ist entsprechend subjektiv.
Pocahontas, das junge, traumbildhafte Naturwesen, das inmitten der paradiesischen Idylle umhertollt kann stellvertretend für die Darstellung harmonischer Ureinwohner-Mythen gesehen werden. Das Hervorheben des edlen Wilden, der ohne Verschlagenheit, Neid oder Gier, liebevoll und treu mit der Natur im Einklang lebt kontrastiert stark mit der Darstellung verwahrloster, heruntergekommener Eroberer, die selbst im größten Hunger nur daran denken, Gold zu finden oder ihre Macht zu behaupten.
Die Geschichte wird aus dem Off kommentiert von einem ruhigen und scheinbar in die Vergangenheit blickenden Erzähler. Und es ist die Geschichte einer ungewöhnlichen Frau, auch wenn die Erzählperspektive zu Beginn noch bei der Figur des John Smith liegt. Die Häuptlingstochter wird zu einer Grenzgängerin zwischen den Welten, der Beginn einer endgültigen Vermischung beider Lebenssphären hat begonnen. Ihre Aufgabe ist es, den Geist ihrer alten Welt in die neue Welt hinüber zu retten. Und das geschieht inmitten einer keuschen Liebesgeschichte, die sowohl Dramatik als auch wechselvolle Ereignisse bereithält.
Terrence Malick spart nicht mit christlicher Symbolik. Schnell wird aus Smith eine gekreuzigte Jesus-Figur, dann wieder erscheint er neben seiner Geliebten als Adam, der aus dem Paradies vertrieben wird. Diesem Paradies stellt Malick einen von Menschen geschaffenen Abgrund gegenüber. Blind für die Anwesenheit des Himmels kreieren sie sich eine Hölle, die ausgestattet ist mit einem stumpfen und dreckigen Glanz, dem sie sich nicht entziehen können. Das macht aus „The New World“ eine allgemeingültige Fabel über das Wesen der Menschheit. Die Legende, der dieser Film zugrunde liegt, rückt dabei in den Hintergrund.
Terrence Malick ist kein Fließband-Regisseur und das merkt man auch den überzeugenden Bildern an. Sie haben eine ganz eigene machtvolle, stille und poetische Dimension und sind perfekt durchkomponiert. Bild und Ton verschmelzen harmonisch ausgeglichen zu einem manchmal beängstigend perfekten Zweiklang. Die Darstellung der Natur erhält auf diese Weise bisweilen ein ins Unerträgliche gesteigertes Gefühl der Erhabenheit.
Doch so makellos die Gestaltung des Films auch sein mag, hin und wieder überfordert die epische Breite der Handlung auch. Durch die einmalige Betrachtung kann dieser Film wohl kaum voll erschlossen werden, zu komplex sind die Bedeutungsebenen, zu vielfältig die Symbole. Vielleicht sind solche Filme einfach zu selten geworden, die Welt zu schnelllebig oder man selbst zu ungeduldig. Bei „The new World“ handelt es sich dennoch um eine Ausnahmeerscheinung in der aktuellen Kinolandschaft, die man gesehen haben sollte.
| FAZIT
Ein nahezu makellos gestalteter, episch breiter Film über eine ungewöhnliche Liebe und die selbst erschaffene Hölle der Menschen.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung