„Passen Sie gut auf, alles was ich sage hat eine Bedeutung“ ermahnt Dalton Russell die Zuschauer zu Beginn des Films. Was dann folgt, sieht zunächst nach einem klassischen Polizeithriller aus: vier Personen in Arbeitsanzügen, darunter auch Russell, überfallen die New Yorker Filiale einer großen Bank, nehmen Angestellte und Kunden als Geiseln und verschanzen sich. Die Polizei rückt an, sperrt das Gelände ab und beauftragt die Detectives Keith Frazer und Bill Mitchell, beides Spezialisten für solche Fälle, mit den Geiselnehmern zu verhandeln.
Bald stellen die Gangster Forderungen: Essen für die Geiseln, Busse, ein Flugzeug. In der Bank verlegen sie die Geiseln von Raum zu Raum, doch nichts passiert, Geld scheint sie nicht zu interessieren. Unterdessen laufen die Verhandlungen mit der Polizei, und Frazer merkt schnell, dass die Geiselnehmer ihm immer einen Schritt voraus sind. Der greise Bankbesitzer Arthur Case scheint Angst um seine weiße Weste zu haben und zeigt dementsprechend auffällig starkes Interesse an dem Überfall. Er beauftragt Madeleine White, Anwältin und Expertin für heikle Fälle mit guten Kontakten zum Bürgermeister, sich der Sache anzunehmen. Ein mysteriöses Katz-und-Maus-Spiel beginnt. Nur langsam kommt Frazer dahinter, wer falsche Fährten legt, die Fäden zieht und verborgene Allianzen schmiedet.
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| FILMKRITIK
Am Anfang streift die Kamera eine Achterbahn, ein einziges Gewirr von Streben und Gittern, ein dauerndes Auf und Ab: diese Achterbahn liefert die Vorgabe für die folgenden zwei Stunden: Gangster, die die Polizei in die Irre führen, die ein großes Spiel spielen, mit ihren vermeintlichen Opfern, den Geiseln, und mit der Polizei. Mal inszenieren sie sich perfekt als albanische Terroristen, dann als eiskalte Killer, alles nur, um einen Bankbesitzer mit seiner Vergangenheit zu konfrontieren. „I sold my soul and I try to buy it back ever since“, sagt er. Die Bankräuber setzen alles daran, dass ihm dies nicht gelingen wird.
„Kein Überfall, keine Verdächtigen. Sieht so aus, als ob das nie passiert ist. Geben Sie es auf!“, rät sein Chef Detective Frazer am Ende des Einsatzes. Immer wieder werden spätere Zeugenaussagen der Geiseln in den Handlungsverlauf eingeschnitten. Langsam wird klar, dass es sich nicht um einen konventionellen Banküberfall handelt. Die Frage nach den Gründen bleibt jedoch lange unbeantwortet. Das Drehbuch wartet mit vielen unerwarteten Wendungen auf. So gelingt es dem Film, bis zu letzt die Spannung zu bewahren. Immer wieder werden vereinzelte Informationen ausgestreut, manche dienen nur dazu, die Polizei zu irritieren, andere zunächst nebensächlich erscheinende Tatsachen erweisen sich später als entscheidendes Puzzleteil. Beweglich springt die Kamera zwischen Figuren und Schauplätzen hin- und her; schnelle Schnitte und ungewöhnliche Perspektiven unterstützen auch visuell die Spannung.
Gleichzeitig lebt der Film von unglaublichem Dialogwitz und Nebenrollen, die mit viel Liebe zum Detail ausgestaltet wurden. Hingegen bleiben die Hauptrollen trotz hochkarätiger Besetzung eher flach, die Figuren sind mit nur wenig Persönlichkeit ausgestattet und entsprechen im Großen und Ganzen den genretypischen Konventionen. Vor allem Jodie Foster, die als kühle, perfekt gekleidete Business-Lady Madeleine White auftritt und sich gut dafür bezahlen lässt, die Drecksarbeit zu machen und die Probleme anderer Leute aus der Welt zu schaffen, bleibt blass. Wie oder von wem sie ihr oft blutbeflecktes Geld erhält scheint ihr Gewissen in keiner Weise zu belasten.
| FAZIT
„Inside Man“ ist sicher Spike Lees bisher kommerziellster Film. Doch der Regisseur spielt souverän mit den Konventionen des Polizeithrillers und Geiseldramas. Die Hauptfiguren werden nur oberflächlich charakterisiert, aber witzige Dialoge, ein intelligentes Drehbuch mit unerwarteten Wendungen und die virtuose Kameraführung sorgen für gute Unterhaltung.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung