FILM REVIEW | The Hills Have Eyes: Hügel der blutigen Augen
The Hills Have Eyes: Hügel der blutigen Augen
Horror
| USA 2006
| INHALTSANGABE
Eine Familie reist mit dem Wohnwagen durch New Mexico, wird das Opfer einer durch Atomtests degenerierten Sippe – und setzt sich schließlich gegen sie zur Wehr.
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| FILMKRITIK
Neben „The Last House On The Left“ hat sich Wes Craven in den 1970ern mit „The Hills Have Eyes“ einen Namen im Horror-, genauer: dem Terror-Genre gemacht. Das kursierende Remake-Fieber hat nun auch diesen Streifen erreicht. Craven fungiert diesmal als Produzent und überlässt das Feld dem Franzosen Alexandre Aja.
Dieser hat sich mit dem Schocker „High Tension“ hervorgetan und beweist nun, wieder in Zusammenarbeit mit Jugendfreund und Co-Autor Gregory Levasseur, dass man nicht unbedingt das Rad neu erfinden muss, um den Wagen in Schwung zu halten. Im Gegenteil.
„The Hills Have Eyes“ hält denn auch alle Standards des Genres parat. Aber es ist eine Freude, wie Aja sie nicht nur bedient sondern auch das Beste aus ihnen zu machen versteht. Nach einem mörderischen Auftakt herrscht denn erstmal für fast vierzig Minuten Ruhe, eher der Terror zu richtig losgeht, aber das ist kein Manko: Was bei anderen Filmen zum bloßen Zeittotschlagen verkommt, indem versucht wird, Klischeefiguren und Abziehcharaktere zu etablieren, gelingt Aja und Levasseur überraschend gut. Nicht nur, dass dank der gelungenen Kamera von Maxime Alexandre (ebenfalls bei „High Tension“ dabei), eine Stimmung von Bedrohung, Wahnsinn und Erbarmungslosigkeit aufgebaut und gehalten werden kann. Die Familie, bestehend aus Vater (Ted Levine), Mutter (Kathleen Quinlan), Sohn (Dan Byrd), der jüngsten (Emilie de Ravin aus „Lost“) und der ältesten Tochter (Vinessa Shaw), sowie deren Ehemann Doug (Aaron Standford) und ihrem Baby, wird mit wenigen Strichen interessant und als „echte“ Figuren mit spannenden Beziehungen angedeutet: Vater, pensionierter Polizist, und der „liberale“ Schwiegersohn können sich nicht leiden, die Mutter als Alt-68erin hat ihre liebe Not mit der Jüngsten. Und dieser sexy Göre wirft Schwiegersohn Doug denn auch einen begehrlichen Blick zu, als sie aus der Not das Beste macht und ein Sonnenbad nimmt, nachdem der Wagen im Nirgendwo der steinigen Wüste zu Bruch gegangen ist.
So hätte das Ganze, auch wegen der tüchtigen Darsteller, ein echtes Drama abgeben können. Doch es lauert eine verwachsene Mörderbrut der Familie auf – und man hat, zumindest mehr als üblich in dem Genre, eine echte Angst um die Protagonisten. Denn das, was ihnen angetan wird, macht der Film klar, wird unvorstellbar sein.
Gar so heftig wird es jedoch nicht. „The Hills Have Eyes“ geht nicht soweit wie z.B. die Neufassung des „Texas Chain Saw Massacre“. Was auch gut so ist. Aja lässt es zwar extrem brutal zugehen, nicht aber grausam. All die Gewalt, das Schädelspalten etc. ist kein sadistisches Foltern Wehrloser sondern wird als „Action“, als Kampf, Angriff und Verteidigung inszeniert. Aja bleibt trotz der Drastik hinter seinen Möglichkeiten zurück, er zelebriert die Gewalt nicht als reiner Selbstzweck. Sie wird wie z.B. in Romeros Zombie-Filmen als Aspekt einer sozialkritischen Sicht in einen größeren Zusammenhang gestellt. Eben das macht „The Hill Have Eyes“ bemerkenswert und reiht ihn in die Tradition des „American Nightmare“-Kinos ein.
Dass die mörderische Brut in der Wüste Opfer der US-Atomtests der 50er und 60er war, macht der Film zwar mitunter etwas überdeutlich, gewinnt dem aber wiederum mehr ab als einen bloßen Aufhänger – und weiß auch darüber die Genre-Regeln auszuhebeln. Meint man zunächst, die „Monster“, wie es sich gehört, hausen in einer alten Mine, führt der Weg stattdessen hinter den Bergen wieder in Freie: hinein in ein surreales Kunstdorf voller Schaufensterpuppen. Ein Attrappen-Ort, zum Testen der Atombomben. Spätestens hier wird klar, dass die menschenfresserische, vergewaltigende Bande von Mutanten bloß die Spiegelung der braven US-Familie ist. Keine Heimsuchung, keine dunkle Seite Amerikas oder ein atavistischer Gegner wie in den Backwood-Filmen der Marke „Wrong Turn“. Sondern das pervertierte Gegenbild. Über eine bloße USA-Kritik geht „The Hills Have Eyes“ freilich hinaus, auch wenn so mancher symbolische Schabernack mit der kleinen Stars-&-Stripes-Flagge getrieben wird, die geklaut und in Schädel gespießt wird.
„The Hills Have Eyes“ ist eine generelle Zivilisationskritik. Wie schon in Cravens „The Last House On The Left“ wüten letztlich die Guten genauso schlimm wie die Bösen. Genauer gesagt: Der Gute, nämlich der schlaffe „liberale“ Schwiegersohn, der erst keine Waffe will und nun doch zum blutverschmierten Berserker wird. Da mag man die Ideologie eines George Bush wittern, die Ideologie, die letztlich doch auf eine heilige und ausgleichende Brutalität setzt. Doch das Grölen, wenn Doug (mit der Axt) zurückschlägt, bleibt einem ein wenig im Halse stecken. Ganz deutlich wird das, wenn sich der brave deutsche Schäferhund der sauberen Familie für die Mutanten – Opfer der Moderne und des Fortschritts – als gefährliche, gar tödliche Bedrohung erweist. Auch dass der Familienvater und ehemalige Cop von Ted Levine, dem Serienkiller Gumb aus „Das Schweigen der Lämmer“, gespielt wird, unterstreicht noch mal auf einer ganz anderen Ebene die Position des Films wie auch die Mondlandschaft das Existentielle der Fabel. Erst als denn der Campingwagen in Trümmern liegt, können die letzen geschundenen Überlebenden davonkommen.
So jämmerlich dünn ist die Firnis der Zivilisation, besagt „The Hill Have Eyes“, und er sagt es mit erstaunlicher Bitterkeit.
| FAZIT
Das Remake des Schockers von 1977 gerät unter der Regie von „High Tension“-Newcommer
Alexandre Aja zu einem intensiven Horrorfilm, der gleichzeitig die Regeln des Horrorgenres mustergültig erfüllt und im Sinne einer fundamentalen Zivilisationskritik zu unterlaufen versteht.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung