Attilo ist ein weltfremder Dichter, der nur eine Frau liebt: Vittoria. Die aber will nichts von ihm wissen, obwohl er sie heftig umwirbt. Lieber fliegt sie mit dem irakischen Dichter Fuad nach Bagdad – am Vorabend des Irakkrieges.
Attilo erreicht die Nachricht, dass Vittoria bei einem Bombenangriff schwer verletzt wurde. Er lässt nichts unversucht, ins Kriegsgebiet Bagdad zu reisen; am Krankenbett der Geliebten erfährt er, dass nur ein einziges Medikament ihr Leben retten kann, und das ist im Irak nicht zu bekommen. Doch Attilo ist erfindungsreich, wenn es um seine große Liebe geht…
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| FILMKRITIK
„Das Leben ist schön“ hat funktioniert, weil Roberto Benigni seine Figur des träumerischen, zappligen, vertrottelten, tollpatschigen, fantasiereichen, redegewandten Clowns für andere gespielt hat, erst für seine Geliebte, um sie zu gewinnen, dann für seinen Sohn, um ihn zu retten.
In „Der Tiger und der Schnee“ spielt Benigni diese Figur nur für sich, das heißt: ohne doppelten Boden ist Attilo träumerisch und zapplig und vertrottelt und tollpatschig und fantasiereich und redegewandt. Ein Clown, der in seiner eigenen Welt lebt und mit seiner Umwelt grundsätzlich einmal gar nichts zu tun hat. Das ist per se nicht schlimm, eine Figur zu haben, die in ihrem Denken und Handeln abgekapselt ist von ihrer Umwelt. Und aus der Reibung zwischen dem Clown und der Welt wurde in der Filmgeschichte schon eine Menge Komik erschaffen. Nur: Hier interagiert diese Figur kräftig mit ihrer Umwelt, und die Umwelt integriert diese Figur, die überhaupt nicht hineinpasst: Keine Reibung, keine Komik.
Diese Umwelt wiederum ist einerseits die Welt, in der wir leben: Der Hintergrund ist der Irakkrieg 2003, in den Attilo gerät. Andererseits ist es eine Welt des Märchens, in der Wunderbares geschieht: eine Fledermaus folgt Attilos Befehlen, ein Vogel setzt sich auf die Schulter seiner Geliebten, und in der es noch die echte und wahre Liebe gibt. Sind schon diese beiden miteinander verknüpften Welten – Krieg und Märchen – inkompatibel, verliert der Film vollends durch die von außen, vom Regisseur Benigni erzwungenen Anwesenheit der Benigni-Figur, die nirgendwo hingehört und überall mitmischt.
Als wäre das nicht schlimm genug, lässt Benigni seine Figuren Gemeinplätze gegen den Krieg abfeuern, banale Plädoyers für mehr Menschlichkeit und mehr Miteinander, als wären diese Banalitäten der Weisheit letzter Schluss. Bagdad, so heißt es im Film, liege ganz in der Nähe des biblischen Babylon, und die babylonische Sprachverwirrung und damit Entfremdung der Menschen voneinander ist doch schuld an dem ganzen Schlamassel namens Krieg – so einfach kann man es sich machen. Durch die Plattheit dieser und ähnlicher Aussagen verliert der Film den Rest an Glaubwürdigkeit, die durch den Hintergrund des Krieges (übrigens schlecht digital hingezaubert) behauptet wird. Der Irakkrieg ist eben in seinen Hintergründen und Ursachen weit komplexer als das Sujet Nazis und Juden aus „Das Leben ist schön“, bei dem klar ist, wer welche Rolle spielt.
Benignis Aufgabe, seine Frau wieder zum Leben zu erwecken, ähneln einem Computerspiel, in dem die Figur über mehrere Level verschiedene Aufgaben lösen muss, um am Ende zu gewinnen: Das passt nicht zur Ernsthaftigkeit des Krieges noch zur Zauberhaftigkeit von Märchen.
Benignis Bemühen, es Chaplin gleichzumachen und Slapstick mit Melodram bei gleichzeitigem gesellschaftskritischem Anspruch zu verbinden, scheitert an der Unbeholfenheit, mit der diese Ebenen zueinander verknüpft sind – und an der puren Infantilität von Benignis Humor, der kaum zum Lachen, eher schon zum Weinen ist. „Der Tiger und der Schnee“ ist ein Versuch, die Erfolgsformel von „Das Leben ist schön“ nachzuahmen; doch dieses Selbstplagiat vergisst einige Zutaten. Und wenn sich am Schluss die Verbindung zwischen der Frau, der Benigni nachjagt, und der Mutter seiner Kinder herausstellt, dann ist die dahinterstehende einfache, konservative, spießbürgerliche Gesinnung nur noch ärgerlich.
| FAZIT
Eine völlig unwitziger Versuch Benignis, seinen Erfolg „Das Leben ist schön“ auf dem Hintergrund des Irakkrieges zu wiederholen.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung