Mittwoch | 30. Mai 2012 | 09:16 Uhr
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  • FILM REVIEW | Being John Malkovich
  • Being John Malkovich

    Komödie | Großbritannien / USA 1999
  • | INHALTSANGABE

  • Stellen Sie sich vor, dass Sie durch die Augen eines anderen sehen könnten, dass Sie sein Leben erleben können. Was für die "Big Brother"-Zuschauer nur zweidimensional möglich ist, wird für Craig Schwartz (John Cusack), als er die kleine Tür in seinem Büro entdeckt, zur dreidimensionalen Wirklichkeit. Craigs Leben ist beschissen: eigentlich ist er ein melancholischer, aber genialer Puppenspieler. Die Leute mögen seine Stücke jedoch nicht, fast immer wird er auf der Straße verprügelt weil man die Gesten seiner Puppen obszön findet. Zuhause sitzt seine Frau, die liebenswerte, aber auch naive und manchmal nervige Lotte (Cameron Diaz), die ein ausgesprochenes Faible für Haustiere hat - so schläft in der Bettmitte oft der Schimpanse, den Lotte adoptiert hat. Aus Frust und Geldnot macht sich Craig auf die Suche nach einem Job und landet schließlich bei "Lestercorp", wo er wegen seiner schnellen Hände als Aktensortierer anfängt. Die Leute hier sein Arbeitsplatz sind ihm eigentlich nicht geheuer. Nicht nur, dass die Firma ihren Sitz im 7 1/2 Stock eines Wolkenkratzers hat, so dass man immer zwischen dem siebten und achten Stock des Gebäudes den Alarm einschalten muss, um den Fahrstuhl zum Stehen zu bringen und dann die Tür mit einem Brecheisen aufzuhebeln. Nein, die Leute hier reden auch sehr merkwürdig. Der Firmenvorsitzende Dr.Lester (Orson Bean) ist 105 Jahre alt und erzählt Craig gerne Geschichten von seinen sexuellen Phantasien. Man merkt, der Mann wäre gerne wieder jung. Dann ist da noch Maxine (Catherine Keener). Craig verliebt sich auf den ersten Blick in sie, seine Ehefrau ist in ihrer Gegenwart vergessen. Dabei merkt Craig aber nicht, dass Maxine eigentlich ein verdammt kaltes und rücksichtsloses Biest ist. Er beginnt, ihr den Hof zu machen und lebt sich langsam ein. Und dann ist da dieser Tag wo ihm eine Akte hinter den Schrank fällt und er diesen zur Seite rücken muss. Craig staunt nicht schlecht, als er dort die kleine Holztür findet. Dahinter erstreckt sich ein langer dunkler Gang. Craig kriecht durch den Tunnel und landet schließlich im Kopf des Schauspielers John Malkovich (John Malkovich). 15 Minuten verbringt er in seinem Kopf und sieht was er sieht. Danach fällt er vom Himmel mitten auf die Schnellstraße nach New Jersey. Für den etwas identitätslosen Craig ein unglaublich befriedigendes Erlebnis. Er erzählt Maxine von der Tür in Malkovichs Kopf - und die wittert sofort das große Geschäft. Sobald alle das Gebäude verlassen haben, wird die "Lestercorp" zur "JM Inc", die für 200 Dollar pro Durchgang jedem anbietet, für eine Viertelstunde ein anderer zu sein. Und die Menschen kommen. Auch Craigs Frau Lotte. Begeistert davon, wie toll es doch war, ein Mann zu sein, denkt sie nach ihrem Weg zur Malkovich über eine Geschlechtsumwandlung nach und entbrennt zusätzlich auch völlig in Liebe zu Maxine. Craig sieht dies mit Schaudern, zumal Maxine von Lotte auch ziemlich angetan ist, sich jedoch nicht so recht mit dem Gedanken anfreunden kann, lesbisch zu werden. Um mit Lotte trotzdem zusammen sein zu können, macht sie sich an Malkovich ran. Der eitle und pseudointelektuelle Star fällt natürlich auf sie rein und hat sie nach dem ersten Date schon im Bett - nichts ahnend, dass sich zu diesem Zeitpunkt noch eine andere Frau bei ihm, nämlich direkt in seinem Kopf befindet. Nur das Maxine ihn dauernd Lotte nennt macht ihn etwas stutzig. Der eifersüchtige Craig sperrt seine Frau daraufhin in den Schimpansenkäfig und zwingt sie immer wieder Dates mit Maxine auszumachen, wobei er dann in Malkovichs Körper abtaucht - und dabei entdeckt wie man den fremden Körper lenken kann...
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      • | FILMKRITIK

      • Das Drehbuch von Charlie Kaufman hat einen langen Weg hinter sich, denn eigentlich hat jeder darüber nur den Kopf geschüttelt. Kein Wunder, die Geschichte handelt schließlich von ein paar Typen die im Kopf von John Malkovich ein und aus gehen. Regisseur Spike Jonze inszenierte mit seinem Debüt fraglos eine unglaublich phantasievolle und brilliante Mischung aus Fantasy-Komödie und Psycho-Drama, der Film funktioniert vordergründig auf der Comedy-Ebene und ist dadurch auch massenpublikumsfähig, jedoch geht es eigentlich um die fast schon surreale Identitätssuche eines Mannes, die nicht in einem Happy End enden soll. Jonze besetzt seine beiden Hauptdarsteller Cusack und Diaz völlig gegen den Strich. Strahlemann Cusack spielt hier mit immer strähnigen Haaren und verfilzten Bartstoppeln einen Mann, der seiner großen Liebe in einer Tour hinterher hechelt - und dabei nicht merkt, dass sein Leben in die entgegengesetzte Richtung davon läuft und er dies besser einholen sollte. Und Hollywoods Zuckerstück im Kaffee der Newcomer der 90er, Cameron Diaz, beweist auch Mut zur Hässlichkeit. Und zur Imagezerstörung. Mit unmöglicher Frisur und schlampigen Klamotten, mit traurigen Augen und ohne großartig zu lächeln spielt sie im Endeffekt eine Lesbe, die ihr Coming Out nicht wagt. Dann Catherine Keener als herrlich böses und männerverschlingendes Weib, die jedoch im Grunde ihres Herzens an den gleichen Problemen nagt wie Lotte. Und schließlich John Malkovich. Einer der energischsten Stars im Film, aber einer der Ruhigsten im wirklichen Leben spielt eine grandiose Selbstparodie: einen einsamen Waschlappen, der eigentlich nur einen Freund hat: Charlie Sheen. Und vielleicht noch Gary Sinise. Der spielt aber nicht mit, Sheen hingegen schon. Und der liefert ein paar wunderschöne Szenen, zum Beispiel wenn er und Malkovich darüber rätseln, warum Maxine ihn beim Akt immer wieder Lotte nennt und Sheen sie für eine "heiße, lesbische Hexe auf der Suche nach einer toten Geliebten" hält. Auch für Sheen selbst eine Verarsche seines eigenen Images, schließlich wird ihm nachgesagt, dass er nicht nur gerne Hotelzimmer auseinander nimmt, sondern auch zu Heidi Fleiss' besten Kunden zählte. Also jede Menge grandiose Darsteller. Doch der Film lebt kein Stück von ihnen, sondern allein von Kaufmans Drehbuch, das so viele Ideen bietet, dass es mindestens für zehn Filme ausgereicht hätte. Natürlich ist das Drehbuch seltsam, aber alle wirren und unlogischen Elemente haben eine logische Erklärung. Wer nichts gegen bizzare Einfälle und ein paar Unmöglichkeiten hat, wird sich bestens amüsieren, sich vielleicht sogar auf den Film so sehr einlassen, dass einem klar wird, wieviel Philosophie er im Endeffekt enthält. Ein grandioses kleines Filmkunstwerk, dass in keine Schublade zu stecken ist.
      • | FAZIT

      • Die surreale Identitätssuche eines Mannes wird zu einer phantsievollen Mischung aus Fantasy-Komödie und Psycho-Drama.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Sebastian Schmidt

      • | Userwertung

      Wertung: 3.0/10 (1 vote)

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