Johannes Merveldt ist neu als Doktorand am Institut für Virologie der Technischen Universität München. Noch bevor er dort anfängt, wird er jedoch vom Verfassungsschutz angesprochen. Er soll seinen zukünftigen Kollegen Farid Madani beobachten, einen algerisch-stämmigen Wissenschaftler, der im gleichen Bereich wie Merveldt forscht, und den man für einen potenziellen Terroristen hält. Zunächst lehnt er ab, denn Farid ist ihm auf Anhieb sympathisch, und die beiden verbringen auch außerhalb des Labors viel Zeit miteinander. Doch die Situation verändert sich, Farid und Johannes konkurrieren um wissenschaftliche Anerkennung und eine Frau. Johannes nimmt wieder Kontakt zum Verfassungsschutz auf. Dann wird ein Anschlag auf einen amerikanischen Diplomaten verübt, Farid gerät in Verdacht, und Johannes muss Farbe bekennen.
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| FILMKRITIK
„Morituri te salutant“ – „Die Totgeweihten grüßen dich“, sagt Farid (Mehdi Nebbou), als er Johannes (Bastian Trost) an dessen ersten Tag das Labor zeigt. Farid spricht von den Labormäusen, dabei trifft der römische Gladiatoren-Gruß genauso auf ihn selbst zu. Den Mäusen wird das Genick gebrochen, quälend langsam, dann werden sie auseinander genommen, seziert, bis am Ende des Films ihre Eingeweide zerstampft werden. Die Körper, ihre äußeren Hüllen, landen im Müll. Wie die Wissenschaftler die Mäuse, so seziert Regisseur Benjamin Heisenberg die gesellschaftliche Befindlichkeit in Deutschland - Deutschland nach dem 11. September, nach der Hamburger Terrorzelle, nach Beginn der Rasterfahnundung und der allgemeinen Verunsicherung. Wie eine Labormaus wird auch Farid auseinander genommen, sein Innerstes bloßgelegt, sein Leben zerstört.
Es geht in „Schläfer“ weniger um die konkrete Terrorismus-Bedrohung, als vielmehr um eine Stimmung, ein kollektives Gefühl, das vermittelt wird. Die Angst herrscht auf beiden Seiten, bei Bedrohten wie vermeintlichen Terroristen, und sie bahnt sich den Weg in die Freundschaft zwischen Johannes und Farid. Jede Kleinigkeit wird überinterpretiert, ihr Verhältnis ist ein fragiles Gebilde, das jeden Moment aus dem Gleichgewicht geraten kann. Denn obwohl Johannes in Farid einen Freund gefunden hat, kann er einmal gewecktes Misstrauen und eine gewisse Skepsis nicht unterdrücken. In solchen Momenten folgt die Kamera präzise seinem fahrigen Blick, achtet auf jedes Detail, registriert alles arabisch Anmutende in Farids Wohnung.
Das Glück, die heitere Gelassenheit, die in manchen Szenen aufscheint, ist nur von kurzer Dauer und wird schon durch die melancholische Musik relativiert. Entsprechend realistisch ist die Bildgestaltung. Alles erscheint trübe und grau, nur in den seltenen Momenten gelöster Fröhlichkeit verirrt sich die Sonne in den Englischen Garten. „Schläfer“ ist zurückhaltend, kühl und distanziert, konstatiert mehr, als zu werten, beobachtet die schwimmenden Grenzen zwischen Gut und Böse, analysiert die Folgen des allgemeinen Misstrauens. Dieser nüchterne, weitgehend emotionslose Stil ist seine Stärke, denn so entgeht der Film vorschnellen Zuschreibungen und Täter-Opfer-Klischees. In der Stärke liegt aber zugleich auch eine Schwäche, oder zumindest ein Problem des Films. Sein klinisch-kalter, wissenschaftlich-sezierender Grundton lässt kaum Nähe zu und den Zuschauer seltsam unberührt zurück.
| FAZIT
Präzise analysiert „Schläfer“ die deutsche Befindlichkeit in Zeiten von Anschlägen und „war on terrorism“.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung