Armin hat gerade die Realschule abgeschlossen. Sein Leben wird geprägt von besorgten Mittelstands-Eltern, erfolgreichen Brüdern und gesellschaftlichen Erwartungen. Seine berufliche Zukunft macht ihn ratlos. Immer wieder fallen ihm in den Bewerbungsgesprächen für Stellen, die ihn nicht interessieren, keine Antworten ein oder eben die falschen. Und auch seine Annäherungsversuche an Katja bleiben zunächst erfolglos.
Seine nächtlichen Streifzüge führen ihn immer wieder zur nahegelegenen Autobahn. In einer dieser Nächte läuft er dort an einem verunglückten Wagen vorbei. Eine kurze Weile starrt er den toten Fahrer an und betastet ein auf der Straße liegendes Maschinenteil. Dann, aufgeschreckt von einem nahenden Auto, sucht er das Weite. Einer eher spontanen Eingebung folgend bekennt er sich in einem Schreiben für einen Sabotageakt, der den Unfall verursacht haben soll. Und die Reaktion bleibt nicht lange aus.
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| FILMKRITIK
Er sucht und er sucht nicht. Er passt sich an und er verweigert sich, erscheint abwesend, langsam, orientierungs- und ratlos. Auf der einen Seite ist seine Zukunft vorprogrammiert, auf der anderen Seite erscheint sie hoffnungslos unsicher. Eine unerträgliche Situation, die ihn zu Recht lähmt. Bemächtigt von einer rastlosen Langeweile läuft der Antiheld Armin durch seine mittelständische Lebenswelt und auch wenn er der einzige ist, der offensiv lügt, ist er nicht der einzige falsche Bekenner.
Denn was seine beruflichen Ambitionen betrifft, gibt er nicht vor, etwas zu sein, was er nicht ist. Er hat kein Interesse an der Arbeit, die ihm Familie und Gesellschaft aufdrängen wollen, er verkauft sich nicht, auch wenn es genau das ist, was laufend von ihm gefordert wird. Selbst in Augenblicken, in denen er hemmungslos ehrlich wirkt, kann man sich nicht sicher sein, ob sich hinter seinem Gesicht nicht doch eine Lüge verbirgt. Nichts ist eindeutig in diesem Film und eigentlich hat man auch nach neunzig Minuten keine Ahnung, wer Armin ist oder welche Beweggründe seine Handlungen motivieren.
„Falscher Bekenner“ liefert die erstaunlich treffende Beschreibung eines gesellschaftlichen Zustands, ohne dafür einseitige oder eindeutige Bilder zu bemühen. Gerade durch die Auslassungen gelingt es, mehr zu vermitteln, als Bild und Dialog allein es könnten. Es wird nicht alles angekündigt, sondern einfach gezeigt. Dabei werden manche Erzählstränge als plötzlich auftauchende Erinnerungsfetzen in Rückblenden eingeschoben, ohne dass man sich immer sicher sein könnte, ob es sich überhaupt um eine Erinnerung handelt. Schließlich können Bilder ebenso lügen wie Menschen.
Aus der erstickenden Idylle seines scheinbar gut funktionierenden Elternhauses heraus, kreiert sich Armin ein Doppelleben, mit dessen Hilfe es ihm gelingt, dem auf ihm lastenden Druck zumindest teilweise zu entkommen. Dabei scheinen immer wieder unterdrückte Begierden aufzuflackern, was sich in kurzen und überraschend sinnlichen Momenten oder in direkten sexuellen Begegnungen manifestiert.
Die Ratlosigkeit gegenüber der Situation scheint das einzig gemeinsame zu sein, das Armin mit seiner Familie teilt. Auch seiner Bekannten Katja scheint dieses Gefühl nicht fremd zu sein. Ebenso arbeitslos wie Armin hangelt die sich von einem Selbsterfahrungskurs zum nächsten, vielleicht auch, um eine Antwort auf die in den Bewerbungsgesprächen immer wieder gestellte Frage zu finden: „Wie sehen Sie sich selbst?“ Eine Frage, auf die Armin eine sehr logische und bezeichnende Antwort weiß.
| FAZIT
Ein erstaunlich wahrer Film über die Symptome einer ratlosen Generation. Gelungen und lohnenswert.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung