Brooklyn, New York, irgendwann in den Achtziger Jahren: ein Paar lässt sich scheiden, die zwei Teenager-Kinder werden die Woche über „aufgeteilt“- eine ganz normale Familie. Joan, die Mutter ist gerade dabei eine erfolgreiche Buchautorin zu werden, während ihr Exmann Bernard von seinen früheren mehr oder weniger erfolgreichen Bücherhits zehrt. Jedes der Familienmitglie-der ist nun auf der Suche nach einem Platz im Leben.
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| FILMKRITIK
Der große Wal im New Yorker „Museum of Natural History”, der gerade dabei ist einen Tintenfisch zu verschlingen, vielleicht steht er hier, in diesem Film, für die Furcht, von etwas größerem, unvorhergesehenem übermächtigt zu werden?
Diese Angst gehört zu Walt, wenn er als Kind mit seiner Mutter dieses Riesentier besucht und sich dabei die Augen mit den Händen zuhalten muss. Nun ist er älter und vor was er Angst hatte, scheint eingetroffen zu sein. Am Ende aber kann er seiner Angst mit offenen Augen entgegentreten, weil er gelernt hat, dass der Tintenfisch nicht immer runtergeschluckt wird und damit überleben kann.
Jede der Figuren bekommt Zeit, sich darzustellen, bekommt eine eigene Per-spektive. Nur richtig sympathisch ist die ganze Familie Berkman nicht. Der Vater manipuliert aus seiner verzweifelten Versagensangst heraus die Kinder dazu ihre Mutter zu hassen. Die Mutter ist nicht da, wenn der Sohn sie am dringendsten nötig hat und die Kinder selbst sind verwirrt und richten selbst Chaos in ihrem Umfeld an. Walt geht mit der einen aus, die ihn liebt und die er liebt schläft mit seinem Vater. Währendessen macht Frank erste Experimente mit Körperflüssigkeiten und auch mit alkoholischen.
Jeder scheint verzweifelt auf der Suche nach der Erfüllung seiner Träume zu sein und keiner ist so richtig glücklich dabei.
Der Film ist eine „Coming of Age“ Geschichte, aber nur zu dem Viertel das Walt gehört. Es ist auch eine Geschichte über den Beginn der Pubertät, aus dem Blickwinkel von Frank, der noch das Gesicht eines Kindes hat, aber ansonsten mit allen Fähigkeiten eines Mannes ausgestattet ist.
Es ist eine Geschichte über Selbstverwirklichung und eine der Verzweiflung. Joan, die sich nach Jahren von ihrem egoistischen und allzu viel Raum einnehmenden Mann trennt und diesem, der ein Leben alleine kaum zustande bringt und sich neben seiner neuerdings erfolgreichen Exfrau nur umso kleiner vorkommt. Aber was den Film zusammenhält ist die gemeinsame, trau-matisierende Erfahrung vom Auseinanderfallen der Familie und dem individuellen Umgang damit.
So wird dieser Film, der auf den echten Kindheitserfahrungen des Regisseurs Noah Baumbach beruhen soll, zu einer Geschichte, wie sie heutzutage tausendfach passiert. Die Absurdität, wenn sich eine Familie nach einer Tren-nung plötzlich verabreden muss und die Sympathien der Kinder an die Eltern nicht immer gleichmäßig verteilt werden, wird mit einer unglaublichen Empathie und Genauigkeit dargestellt.
Dieses physische Miterleben als Zuschauer, liegt vor allem an den hervorragenden Schauspielern. Es gibt nicht sehr oft den Moment wo man sich ganz sicher ist, dass die Figur auf der Leinwand eine Person aus dem wahren Leben sein muss. Wenn man glaubt, dass der Schauspieler „in Echt“ ganz genauso sein muss. Genau das passiert, wenn man Jeff Daniels als Bernard Berkman sieht. Diesen muffeligen und sich selber als ewig zu kurz gekommenen Menschen sehenden Mitvierziger, verkörpert er mit großer Überzeugungsfähigkeit.
In einem frühsommerlichen New York angesiedelt, herrscht in diesem Film eine luftige Stimmung vor, die einen die Depression der Figuren nicht vergessen lässt, aber so mit einer erträglichen Distanz erscheint.
| FAZIT
Ein Film über ein schweres Thema, der mit einer unglaublichen Leichtigkeit gemacht ist und dabei eine unglaubliche Schaulust weckt.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung