Die Pamirkirgisen sind ein kleiner Stamm von etwa 2.000 Menschen, die heute im Osten der Türkei leben. Ursprünglich im Pamirgebirge zuhause, haben sie eine jahrzehntelange Odyssee auf der Flucht vor dem Kommunismus hinter sich: Den russischen Pamir verließen sie, als sie der Kämpfe gegen die sowjetischen Soldaten müde wurde, und gingen auf die chinesische Seite. Doch schon wenige Jahre später kam Mao an die Macht, und die Kirgisen zogen weiter, in den afghanischen Pamir. Der Dokumentarfilm zeichnet in Interviews und nachgestellten Szenen die Geschichte und das kulturelle Erbe des Stammes auf.
Trotz des kalten Klimas im Hochgebirge harrten die Kirgisen mit ihren vielen Schafen in Afghanistan aus, bis die Invasion der Sowjets bevorstand. 1978 machten sich die 1.300 Menschen mit ihren Tieren auf nach Pakistan. Doch dort fanden sie sich im heißen Klima nicht zurecht. Der Stammesführer schrieb Briefe an verschiedene Regierungen, in denen er um Aufnahme für sein Volk bat. 1982 kamen Angebote von Alaska, und von der Türkei. Das Turkvolk entschied sich für das zweite Angebot und wurde dorthin ausgeflogen. In einem Dorf mit eigens für sie gebauten Wohnungen schwelgen die Alten in Erinnerungen an den Pamir, während die Jungen in Istanbul Arbeit suchen.
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| FILMKRITIK
Der britisch-türkische Dokumentarfilm unter der Regie von Ben Hopkins vermischt mehrere Ziele: ein wenig bekanntes Volk historisch und kulturell zu porträtieren, Einblicke in die Probleme der Filmcrew vor Ort zu geben und in den nachgestellten Szenen den kinematografischen Stil vergangener Zeiten zu spiegeln. Herausgekommen ist ein überambitioniertes, zerrissen wirkendes Werk mit unscharfen Rekonstruktionen, mäßig interessanten Interviews und eher dürftigen Einblicken in das Schicksal der Pamirkirgisen.
„37 Uses for a Dead Sheep“ hat auf der Berlinale den Caligari-Filmpreis gewonnen. Von den ähnlich gelagerten Arbeiten über die mongolischen Nomaden, „Die Geschichte vom weinenden Kamel“ und „Die Höhle des gelben Hundes“, trennen ihn jedoch Welten. Auch die Pamirkirgisen wohnten in Jurten und lebten als Hirten. Doch Hopkins kann nicht, wie es die Münchner Filmhochschülerin Byambasuren Davaa getan hat, einer Nomadenfamilie in ihrem Alltag über die Schulter schauen und die naturverbundene Kultur dabei sinnlich erfahrbar machen. Im ihrer neuen Heimat im Osten der Türkei verbindet die Pamirkirgisen mit ihren Traditionen nur mehr die Erinnerung. Da will der Funke nicht so recht überspringen, wenn ein alter Mann auf einer Bank dem Filmemacher erzählt, auf wie viele Arten Joghurt zubereitet werden kann.
Ehrenwert ist das Ziel, die Geschichte der Pamirkirgisen festzuhalten. Wie sie sich, geführt von ihrem Khan Haji Rahman Qul, immer wieder auf Wanderschaft in ein unbekanntes Land begaben, weil sie ihre kulturellen Wurzeln nicht dem Kommunismus opfern wollten. Wie sie ihre Traumata in Geschichten verarbeiteten, die die Großmütter heute den Enkeln erzählen. Mit welcher Genauigkeit die alten Männer noch wichtige Schlüsselszenen erinnern.
Doch Ben Hopkins trieb das Motto, Filmcrew und Naturvolk begegnen sich auf gleicher Ebene, zu fragwürdiger Mehrleistung: Als wollte er die Kirgisen nicht einseitig der Kamera exponieren, kommen auch die Filmleute und ihre Problemchen mit angeklebten Schnurrbärten und kaputtem Gerät ins Bild. Das ist nicht ganz so witzig, wie offenbar beabsichtigt. Dass einer der alten Männer seine Zahnprobleme schildert, macht etwas ratlos. So zieht sich die Dokumentation zäh in die Länge, ohne atmosphärischen Gewinn.
Und was die neckischen kinematografischen Retrospektiven in dieser Dokumentation sollen, bleibt das Geheimnis von Hopkins. Er hat die nachgestellten Szenen aus vergangenen Jahrzehnten in ebenfalls vergangenen Stilformen und Formaten gedreht. Eine kleine Geschichte über einen opiumsüchtigen Vater und seine Tochter wird so zum Stummfilm mit Musikuntermalung und eingeblendeten Zwischentexten. Andere nachgestellte Szenen über die Odysseen des Stammes oder seine wilden Reiterspiele gefallen sich in spielerischer Unschärfe oder gelbstichigem Gegenlicht. Auch der Schnitt wirkt beliebig, montiert nur angerissene Themen aus der Geschichte, Milchverarbeitung, dem Opiumhandel, den Problemen mit importierten Yaks und persönliche Anekdoten der Alten aneinander in der Art einer schnell gemachten Fernsehreportage.
| FAZIT
Mäßig interessante Dokumentation über das Schicksal der Pamirkirgisen mit nachgestellten Szenen, die auf alt getrimmt sind.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung