Thriller,
Action,
Abenteuer
| Deutschland / USA 2006
| INHALTSANGABE
Im dritten Abenteuer des Geheimagenten Ethan Hunt (Tom Cruise) will dieser eigentlich nichts anderes, als mit seiner Verlobten Julia (Michelle Monaghan) das Zivilleben genießen. Doch dann bekommt er es mit dem fiesen Waffenhändler Owen Davies (Philip Seymour Hoffman) zu tun, der nicht nur hinter einer mysteriösen Superwaffe her ist – sondern auch Julia in seine Gewalt bekommt.
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| FILMKRITIK
Der Einstieg, noch vor den Credits, verschlägt einem die Sprache. Der dramatische Höhepunkt wird vorweggenommen, ohne Vorwarnung springt man mitten hinein in die Handlung: Ethan Hunt alias Tom Cruise, gefesselt und malträtiert auf einem Stuhl. Im Gegenüber Davies, der Böse, und er hält Ethans Liebe Julia die Pistole an den Kopf. Die unruhige Kamera wechselt nervös zwischen ihnen hin und her, zeigt ihre Gesichter groß, in schmutzigem Licht. Wo die „Hasenpfote“ sei, will Davies wissen. Er habe sie ihm doch gebracht; Hunt versteht nicht. Da erklärt Davies: Er werde bis zehn zählen und Julia erschießen. Hunt versucht es mit Vernunft: Vielleicht hat es ein Missverständnis gegeben? Hat er das falsche geliefert? Davies beginnt: „1“. Hunt gerät außer sich, zerrt an den Fesseln. Droht, bettelt, verhandelt. Davies zählt weiter. Panik, Hass, Verzweiflung – „10“ – Tränen laufen über Hunts zerschlagenes Gesicht.
Und Davies schießt.
Selten hat es eine solch intensive Szene gegeben – schon gar nicht als Auftakt. Wie kann „Mission: Impossible III“ bloß diese Dramatik und Intensität halten, fragt man sich. Die Antwort ist einfach: Gar nicht.
Was sich nach dem Vorspann entspinnt, ist vom üblichen Schlag des Spektakels. Wie bei den anderen Teilen geht es immerzu darum, irgendwo einzusteigen und etwas herauszuholen. Diesmal allerdings in überdreht häufiger und schneller Weise. Die Handlung gerät darüber – bewusst – zum süßen, fragmentarischen Nichts voller logischer Löcher und Unwahrscheinlichkeiten, die sogar mit ihrer Reduziertheit kokettiert. Und die es sich trotzdem nicht verkneifen kann, mit Verrat, Misstrauen, Hin und Her zu hantieren.
So bleibt zwar offen, was es mit der begehrten „Hasenpfote“, einem Bio-Kampfstoff, auf sich hat. Doch derart weit wie in „Ronin“ zu gehen und ein fast völliges Leerspiel daraus zu machen, das traute man sich dann doch nicht. Was „M:i:III“ eben oft fehlt, ist die allerletzte Konsequenz. Und damit der rechte eigene Weg zwischen oberflächlichem Vergnügen und ernster, düsterer Dramatik.
Freilich, an den Schauwerten wird nicht gespart. Eine verlassene Ostberliner Fabrik, aus der Hunt, mittlerweile ein Ausbilder, eine ehemalige Schülerin herauspaucken muss. Ein Einbruch in den Vatikan und das Eindringen in ein schwerbewachtes Hochhaus in Shanghai. Manchmal sogar was wirklich neues: ein Hubschrauberduell in einem Feld voller Windkrafträder. Und bei der schieren Apokalypse, die auf einer kilometerlangen Autobahnbrücke veranstaltet wird, vergeht einem Hören und Sehen.
Leider verpuffen ein ums andere Mal die Effekte, weil Kameramann Dan Mindel es immerzu und unterschiedslos schnell, nah und ruckelig mag. Das funktioniert zwar im Kleinen ganz ordentlich. Nicht aber, wenn es im Großen was zu bestaunen gilt wie explodierende Autos, Raketenangriffe, abgefetzte (und abfetzende) Windradrotoren.
Dabei ist das Stilprinzip des Schmuddelig-Unmittelbaren so verkehrt nicht. Nicht nur, dass damit nun jeder Teil der Agenten-Reihe einen ganz eigenen Touch bekommt: die Stärke dieses Films liegt auch in den Elementen und Momenten, die ganz nah, direkt, quasi im Kammerspiel die Sache angehen.
Tom Cruise und seine Mitproduzentin haben denn auch gut daran getan, schließlich J.J. Abrahams die Regie zu übergeben. Der hat nicht nur mit „Alias“ und vor allem „Lost“ sein Können bewiesen, sondern hier mit den Autoren Alex Kurtz und Roberto Orci („Alias“, „Die Legende des Zorro“) am Buch gearbeitet. Dank ihnen wird „M:i:III“ immer dann besonders interessant, wenn die Mechanismen des Genres hinterfragt oder sogar gebrochen werden.
Die Gadgets sind schnell und beiläufig Mittel zum Zweck, das unvermeidliche Maskenspiel wird erträglich, weil man im Detail die aufwendige Produktion vorgeführt bekommt. Und nach dem atemberaubenden Einbruch in Shanghai sieht man nichts davon, wie Hunt die „Hasenpfote“ aus dem Labor klaut: Man bleibt einfach draußen bei den Teammitgliedern. Weniger, zeigt das, ist manchmal doch mehr.
Was im Grunde auch für die Hälfte besagter Teammitglieder das Prinzip hätte sein sollen: Johnathan Rhys Meyers („Matchpoint“) und Maggie Q („Manhatten Midnight“) sind bessere Staffage. Schade. Ein nettes Kunstwerk am Rande ist dagegen Laurence Fishburnes Rolle des scharfzüngigen Geheimdienst-Bosses Brassel geworden.
Richtig viel Zeit und Raum wird zudem Hunts Liebe zu Julia eingeräumt. Das kommt zum einen J.J. Abrams einfühlsamer Regie zugute, die die Figuren mit- oder gegeneinander so recht in Szene zu setzen weiß und sogar aus Sunnyboy Cruise das letzte herauszuholen vermag. Hier findet man die wirkliche Stärke von „M:i.III“ und seine echten, packenden Glanzlichter: Das konzentrierte Spiel rund um die Achillesferse des Helden.
Wenn Hunt und seine Leute Davies in ihrer Gewalt haben, geht der Bösewicht gar nicht auf die Fragen nach seinen finsteren Plänen – die für den Film selbst nur reiner Vorwand, ein „MacGuffin“ in seltener Reinkultur sind. Stattdessen verspricht Davies mit gnadenloser Überzeugtheit, Hunt und vor allem seiner Frau schreckliches anzutun – solang, bis Hunt die Beherrschung verliert und ihn fast aus dem Flugzeug wirft. Ein Katz und Mausspiel, und ein verflucht persönliches für den Helden obendrein.
Mit Philip Seymour Hofmann als Davies steht und fällt somit „Mission: Impossible III“. Und seine Verkörperung des Schurken dürfte schlichtweg eine der besten in der Geschichte des populären Films sein. Man könnte meinen, Hofman sei beim Dreh noch immer in Gedanken bei seinem Oscar für die Rolle des „Capote“ gewesen, so abwesend und zurückhaltend spielt er den Waffenhändler. Dessen Präsenz durchzieht den gesamten Film, vielleicht nicht mal OBWOHL sondern gerade WEIL ihm so überraschend wenig Raum zugestanden wird (im Grunde nicht mehr als dem traditionellen Neben- oder Zwischenschuft).
Wie sein Alltag aussieht, sein Hintergrund, woher er kommt, was genau er macht und wieso, das erfahren wir nie. Hier, in dieser Reduziertheit trifft der Film einen seltenen authentischen Ton, wird spannend und bedrückend, gerade so, als fürchte er sich selbst vor diesem Unmenschen. All die Action und Geheimaktionen Hunts und seines Teams werden davor zum Witz.
Meilenweit von den üblichen Gegenspielern der James Bond-Filme entfernt, die voller Eitelkeit und Sadismus den gefangenen Helden traktieren, lauert hinter den wässrigen Augen und der äußeren Ruhe Hofmanns ein Gemisch aus Brutalität und Ungeduld, Gleichgültigkeit und Unbarmherzigkeit, das so „echt“ ist, so kalt, dass man als Zuschauer wirklich Angst bekommen kann.
Schlussendlich spielt auch das der Film nicht in letzter Konsequenz aus und gestattet lieber ein braves Happy End: Wehe dem, der sich an der amerikanischen Familie vergreift! Auch der geheime Pakt mit dem Bösen erweist sich zuletzt nur als die Sache eines Einzelnen (selbst wenn das als kleiner Seitenhieb auf die aktuelle US-Politik im mittleren Osten und ihre Propaganda daher zu kommen scheint).
Aber dieser kurze Blick in den Abgrund über Philip Seymour Hofmanns Spiel, der allein macht alle Mängel von „M:i:III“ wett.
| FAZIT
Das neue Action-Abenteuer des Geheimagenten Ethan Hunt alias Tom Cruise bietet trotz einer Null-Handlung und gelegentlicher Angst vor der eigenen Courage atemberaubende Einlagen – und ein schlichtweg geniales Psychospiel des Schurken Philip Seymour Hoffmann.
| BEWERTUNG
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