Bekannte spanische Ballett- und Flamencotänzer, Gitarristen und andere Musiker versammelt Carlos Saura in einem Probenraum. Ohne eine erzählerische Handlung experimentiert er zu den Darbietungen der Künstler mit Licht, Videoprojektionen, improvisiert mit der Kamera. Die einzelnen Probenstücke widmet er verschiedenen Regionen Spaniens.
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| FILMKRITIK
„Iberia“ ist ein Film ohne Handlung. Der 74jährige spanische Regisseur und Drehbuchautor Carlos Saura nennt ihn ein Musical in seiner reinen Form. Noch einmal tastet er sich experimentell mit der Kamera an seine Leidenschaft für den Tanz („Carmen“, „Flamenco“) heran. Dass im Kino, anders als im Theater, immer nur ein Ausschnitt, eine enge Auswahl mehrerer gleichzeitiger Bewegungen gezeigt werden können, brachte ihn auf die Idee, Videoprojektionen auf Trennwänden hinzuzufügen. So verfolgt die Kamera zum Beispiel eine Tänzerin, vor der ein Video die Arbeit der Musiker zeigt.
Die Kulisse ist dabei denkbar einfach: Ein Raum mit Parkettboden, weiße oder in verschiedene Farben getauchte Trennwände, die als Projektionsfläche für die Videos oder für vergrößerte Schatten der Tänzer und Musiker dienen. Die Filmmusik auf verschiedenen Instrumenten von Gitarre bis Cello ist vorwiegend jazzig-meditativ.
Der Film scheint vor allem eine Verbeugung vor der spanischen Kultur zu sein, zu deren Lobpreisung Saura die vielen Tänzer und Musiker versammelt hat. Ein wehmütiger Gesang, ein paar Flamencoschritte, eine als „Sevilla“ oder „Granada“ bezeichnete Filmszene, eine neue Farbe vor den Schweinwerfern, Wechsel von Klavierspiel zu Gitarre, vom schwarzen Schleier zum weißen Kleid der Tänzerinnen. So fächert sich der spanische Musik- und Tanzstil auf, während die Kamera in seitlichen Fahrten von einem Künstler zum nächsten, von Schatten auf der einen Trennwand zu den Großaufnahmen von Gesichtern auf der nächsten schaut.
Für Tanz- und Musikbegeisterte ist „Iberia“ ein sehenswertes Filmexperiment: Wie viele Schichten von Bildern durch Projektionen und Spiegelungen gleichzeitig möglich sind, wie viele Ausschnitte eines im Ganzen doch nur erahnten Geschehens vereint werden können! Und doch sehnt man sich manchmal danach, der subjektiven Regie Sauras entfliehen und sich seine Eindrücke von der Performance selbst beschaffen zu können.
Für Liebhaber wilder Flamencoshows ist dieser Film wiederum zu artifiziell, zu bruchstückhaft, zu sehr auf die Rolle der Kamera fixiert. Die Leidenschaft, die alle dieser Künstler besitzen, wird oft nur angedeutet, zum Beispiel im Händeklatschen älterer Frauen, die auf dem Parkett nur ein paar Schritte wagen, oder im Kastagnettengeklapper eines Mannes.
| FAZIT
Carlos Saura umspielt in diesem Film ohne Handlung spanische Tänzer und Musiker mit Licht- und Kameraexperimenten.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung