Sheeta, ein Waisenmädchen, besitzt einen Zauberstein, und hinter dem sind alle her: Die Piratenbande um Mama Dora und der Regierungsbeamte Musca, der das Militär hinter sich weiß. Zusammen mit Pazu, einem Waisenjungen, kann Sheeta immer wieder entkommen, wird aber schließlich von Musca in einer Festung gefangengenommen. Der Stein, den sie um den Hals trägt, ist der Schlüssel zur Macht auf der fliegenden Insel Laputa, das reiche und gewaltige Schloss, das im Himmel schwebt. Zusammen mit den Piraten von Dora kann Pazu seine Sheeta befreien, und es beginnt eine Jagd durch die Wolken zur Insel Laputa, wo es schließlich zum Showdown kommt.
WERBUNG
| FILMKRITIK
Irgendwie sehen die Figuren im „Schloss im Himmel“ aus wie bei der „Heidi“-TV-Serie; und das ist auch kein Wunder, hat doch Regisseur Hayao Miyazaki damals in den 70ern bei dieser deutsch-japanischen Co-Produktion mitgearbeitet. Dann aber, Mitte der 80er, entschied er sich vollends für den unabhängigen Film und für komplexe Geschichten, gründete das Studio Ghibli und produzierte 1986 „Das Schloss im Himmel“.
Jetzt kommt der Film in Deutschland in die Kinos, 20 Jahre später, nach Miyazakis internationalen Erfolgen „Prinzessin Mononoke“, „Chihiros Reise ins Zauberland“, „Das wandelnde Schloss“. Und sein Film von 1986 präsentiert sich als Meisterwerk, das in keiner Hinsicht gealtert ist: Der feine handgemachte Zeichentrick, die vielschichtige Geschichte, die eingestreuten Referenzen und Anspielungen, die den Film bereichern, nicht zuletzt auch der frische, nie aufdringliche Humor machen „Das Schloss im Himmel“ zu einem Vergnügen. Und zu einem einflussreichen Werk, das viele der heutigen Macher von Computeranimationsfilmen inspiriert hat: Pixar-Produzent John Lasseter bewundert den Film ebenso wie Ex-Disney-Chef Michael Eisner oder Brad Bird, Regisseur von „Die Unglaublichen“ und einiger „Simpsons“-Folgen.
Eine verschlungene Geschichte erzählt Miyazaki, die sich in die Lüfte erhebt und dann wieder herabfällt bis in die tiefsten Bergwerkschächte, wo dann wiederum glitzernde Kristalle im dunklen Fels blinken wie der Sternenhimmel. Eine Industriestadt, in einen Canyon gebaut, die Berge durchlöchert von Kohleminen, und eine Stadt im Himmel, durchwurzelt von einem riesigen Baum, die schwerelos über der Erde schwebt. Dazwischen merkwürdige propellergetriebene Fluggeräte aus Holz, Zeppeline, Luftgleiter in Insektenform: Als sei vor dem Flugzeugalter eine futuristische Welt ersonnen worden, die Miyazaki jetzt wiedergibt. Laputa ist inspiriert durch Jonathan Swifts „Gulliver“, der auf seinen Reisen auch einmal auf die gleichnamige fliegende Insel gerät. Und auch der Turmbau von Babel, der Untergang von Atlantis, der Herr der Ringe, „2001“ und „Star Wars“ lassen grüßen.
Doch „Das Schloss im Himmel“ ist kein beliebig zusammengewürfeltes Sammelsurium von Zitaten, sondern ein originales und originelles Werk von Miyazaki. Die Macht und die Gier, das Militär und die Industrie, der Mensch, der die Natur verdrängt, die Natur, die ohne den Menschen wieder die Herrschaft übernimmt, das Zauberreich der Fantasie, die guten Bösen und die bösen Guten: Das sind seine Themen, die sich bis in seine Filme neuerer Zeit fortsetzen.
Und dazu kommen natürlich die liebevolle handwerkliche Kunstfertigkeit und die Komik, Tempo und Rasanz, die Lust an der Bewegung seiner Figuren und an dem Kreieren wunderlicher Gestalten. Weit umfassender und vielfältiger also als „Heidi“, ja als viele andere Zeichentrickfilme auch neuerer Zeit.
| FAZIT
Ein frühes Meisterwerk von Miyazaki, phantasievoll und witzig.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung