In Theo brodelt eine unkontrollierbare Aggression. Sein Job kotzt ihn an und plötzlich genügt ein kleiner Auslöser und er tut es schon wieder: Inmitten von Dünen reißt er eine junge Frau von ihrem Fahrrad, schlägt, fesselt und vergewaltigt sie. Schwerverletzt gelingt es dem Opfer zu entkommen, Theo dagegen wird gefasst.
Es ist das dritte Mal, dass er eine solche Tat begeht, für ihn bedeutet das Maßregelvollzug.
Neun Jahre sind vergangen. Theo hat eine ganze Reihe Rehabilitationsmaßnahmen über sich ergehen lassen und fühlt sich nun bereit, wieder in die Gesellschaft entlassen zu werden. Doch schnell muss er feststellen, dass alles nicht so einfach ist, wie er sich das wünscht. Die kalte Macht der Frauen über seinen Körper provoziert ihn und bald weiß er sich nicht mehr anders zu helfen, als sich mit Selbstzwang und Isolation von seiner Umgebung abzukapseln.
Dann trifft er auf Nettie. Der ist es gerade erst gelungen, sich von ihrem Vater zu lösen und ein eigenes Leben zu beginnen. Männer will sie keine an sich heran lassen, doch Theos Unnahbarkeit macht sie neugierig. Und auch der fühlt sich bald zu Nettie hingezogen, weil sie so ganz anders ist, als die Frauen, die ihn aggressiv machen. Die langsam entstehende Liebesgeschichte wird für beide schnell zu einer Grenzerfahrung.
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| FILMKRITIK
Inwiefern besitzen Menschen einen freien Willen? Legt man dem Film diese Fragestellung zugrunde, dann lässt die Antwort nicht viel Optimismus zu. Theo, eine von Trieben und Zwängen ferngesteuerte Marionette und Nettie, der es erst im Alter von 27 Jahren gelingt, erste Gehversuche in ein eigenes Leben zu unternehmen, sind zwei Beispiele für Menschen, deren eigener Wille scheinbar nicht vorhanden ist.
Dabei wird keinerlei Begründung für ihr Verhalten geliefert. Dem Zuschauer werden weder Erklärungsversuche für das Fehlverhalten Theos noch Hintergründe zu Netties Familienleben präsentiert. Er muss sich in seiner Sicht über die Figuren auf das beschränken, was sie selbst von sich preisgeben. Und das ist nicht viel.
Die beiden, die sich nur zufällig treffen, leben einsam in improvisierten Wohnungen, möglichst isoliert von anderen, deren Leben so weit entfernt zu sein scheint, dass man es sich noch nicht einmal vorstellen kann. Doch während Nettie versucht, ihrem Leben eine andere Wendung zu geben, eine eigene Wohnung, eine eigene Ausbildung und neue Freunde zu finden, sieht Theo sich in ständiger Gefahr vor sich selbst.
Machtrausch und Begierde, unkontrollierbarer Hass und der Terror der Einsamkeit leiten ihn auf seinem Weg, der ihn an den Rand der Gesellschaft und darüber hinaus drängt. Vorsichtige Hoffnungsschimmer wechseln sich dabei ab mit tiefer Verzweiflung, Versuche, sich zu artikulieren, scheitern ebenso kläglich, wie Versuche einer Veränderung. Innere und äußere Ruhe scheinen in dieser Welt zu unerreichbaren Zielen zu werden.
Der Film nimmt sich die Zeit, die er braucht, um seine Geschichte zu erzählen. Das schlägt sich in ruhiger Beobachtung nieder, in der langsamen Entwicklung von eindringlicher Atmosphäre und in der gnadenlosen Nähe, mit der die Gefühle und Persönlichkeiten der Figuren vor den Zuschauern ausgebreitet werden. Der Film besitzt eine geradezu quälende Wahrhaftigkeit und in seinen besten Momenten erliegt man dem Gefühl, Theos Empfindungen körperlich spüren zu können.
| FAZIT
Ein schonungsloser Film über eine unmögliche Liebesgeschichte, der sich die notwendige Zeit nimmt, sich zu entwickeln.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung