„American Dreamz“ ist die populärste Casting-Show im amerikanischen Fernsehen. Ihr Chef und Gastgeber, der zynische Martin Tweed, hat die langweiligen Möchtegern-Popstars satt und sucht für die neue Saison ein paar Außenseiter: einen Juden, einen Araber. Die Favoritin für den Sieg aber bleibt Sally, das süße blonde Mädchen, das alles für den Titelgewinn tun würde. Der Araber Omer, vor kurzem noch in einem Terroristencamp gescheitert, darf sich bald als Musicalfan vor der Kamera produzieren. Und auch der Präsident der Vereinigten Staaten, von plötzlichen Selbstzweifeln geplagt, soll in die Show: als Gastjuror, um sein Image-Tief zu kurieren.
Die Terroristen kontaktieren Omer und befehlen ihm, es ins Finale zu schaffen. Dort soll er sich einen Sprengstoffgürtel umlegen und sich gemeinsam mit dem Präsidenten vor der Kamera in die Luft jagen. Doch Omer interessiert sich mehr für seinen musikalischen Auftritt. Martin Tweed wirft ein Auge auf die gerissene Sally. Doch die braucht ihren langweiligen Ex-Freund für die Show: Um Sally in die Herzen der Zuschauer zu katapultieren, soll der im Irakkrieg verwundete Soldat ihr im Finale einen Heiratsantrag machen.
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| FILMKRITIK
Regisseur Paul Weitz schnürt in „American Dreamz – alles nur Show“ ein explosives Päckchen aus politischem Kabarett und Parodie des Showbetriebs. Wem die Gefühlsausbrüche der Kandidaten in „Deutschland sucht den Superstar“ manchmal suspekt vorkamen, findet hier seine Zweifel lustvoll bestätigt: Echt ist, was gut ankommt. Die blonde Sally, die eine gewisse Ähnlichkeit mit Britney Spears hat, erhält zu Hause Besuch vom Fernsehen: Sie ist für die Show ausgewählt! Sally kreischt und hüpft im Kreis. Doch stopp, nochmal von vorne, Sally: Die Kamera war nicht eingeschaltet.
Ein Star zu sein, sich öffentlich zu produzieren, was für ein Traum! Für den Stabschef von Präsident Staton ist das im Moment ein Albtraum: Wie kann der Mann den Bush-Verschnitt, dessen Beliebtheit im Sinkflug begriffen ist, wieder zum Helden der Nation machen? Da hilft nur ein Auftritt in der Talentshow, und dass Staton bloß keine Zeitungen mehr zum Frühstück liest! Eigenes Denken schadet dem Marketing.
Für Omers arabischen Cousin wiederum ist das Karaokesingen im Partykeller, das ruckelige Tanzen vor dem Spiegel, der Inbegriff des amerikanischen Traums. Weil er einmal zu viel shoppen geht, erwischt das Fernsehteam der American-Dreamz-Show den Bewerber nicht zu Hause. Macht nichts, dort singt und tanzt gerade Omer: Tweeds Araber ist gefunden. Was wird Omer im Finale singen? „I did it my way!” Vor dem Bildschirm im Terroristencamp entflammt Begeisterung.
Alle sind sie ja heimliche Fans des amerikanischen Popstar-Traums, auch die Feinde der Nation. Das ist einer dieser verblüffenden Geistesblitze in Weitz’ Drehbuch. Zur komödiantischen Spannung trägt entscheidend bei, dass diese Eigenschaft parallele Szenarien verbindet, wie sie gegensätzlicher kaum sein könnten: hinter den Kulissen der Show, im Schlafzimmer des Präsidenten, im Wüstenzelt der bärtigen Terroristen, im Südstaatenheim der süßen Sally.
Das Sahnehäubchen aber ist Hugh Grant. Unvergesslich, wie er in „Tatsächlich...Liebe“ als britischer Premier im weißen Hemd ein paar tänzerische Hüftschwünge probierte. Hier gibt er als Martin Tweed eine Reprise solcher Performances mit Wuschelkopf. Die Skala seiner leicht aufgeknöpften Hemden reicht von himmel- bis zu nachtblau mit Streifen. Einmal fährt er mit Sonnenbrille und Lederjacke im roten Cabrio – der Traum von cooler Lässigkeit hat sein Bild gefunden, und das drückt die eigentliche Filmhandlung minutenlang auf Pause. Aber Weitz’ bissige Satire fügt Grants Repertoire auch eine kalte, dämonische Note hinzu.
Entlarvend, aktuell, geistreich, schonungslos: Gründe, diesen Film zu sehen, gibt es viele. Und doch schleicht sich am Ende ein leichtes Hungergefühl ein: Für einen Spielfilm fehlt schließlich doch das große Ganze, das mehr ist als die Summe seiner Einzelteile. Dieses eigene Herz schlägt hier nicht, „American Dreamz – alles nur Show“ bleibt mit seinem alleinigen Ehrgeiz, verschiedene Realitäten durch den Kakao zu ziehen, auf dem Niveau einer besseren Sitcom.
| FAZIT
In dieser bissigen Satire stellen sich Karaokesänger, der amerikanische Präsident und arabische Terroristen die Frage: Wie werde ich TV-Superstar?
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung