Tabaklobbyist Nick Naylor hat es nicht leicht: In Talkshows muss er die Zigarettenindustrie im Angesicht krebskranker Kinder verteidigen, in der Politik sich gegen übereifrige Senatoren zur Wehr setzen und schließlich auch noch seinen Sohn erziehen und ihm ein gutes Vorbild sein. Einzig allein bei seinem Stammtisch der "Merchants of Death", zusammen mit je einem Vertreter der Waffen- und der Alkohollobby, kann er sich beim offenen Smalltalk eine kurze Pause gönnen.
Doch als er mit einer gerissenen Journalistin schläft, muss er mit Entsetzen feststellen, dass auch diese ihm das Wasser reichen kann. Mit einem unverfälschtem Insiderbericht bringt sie Nick Naylor beinahe zu Fall; und dann sind da auch noch der todkranke Ex-Marlboro-Mann, der den Tabakkonzernen an den Leib will, und eine Gruppe von Kidnappern versucht Nick Naylor persönlich aus der Welt zu schaffen.
Als dann auch noch der "Captain" der Tabakindustrie das Zeitliche segnet, scheint Nick gänzlich allen Rückhalt zu verlieren. Doch wie so oft, sucht er nun um so mehr nach der richtigen Strategie um sich hoch zu arbeiten.
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| FILMKRITIK
Trotz tausenden Toten jährlich durch Tabakkonsum hat Nick Naylor kaum ein schlechtes Gewissen – er sieht sich als Anwalt der Zigarettenindustrie, die ja schließlich auch einen Verteidiger benötigt. Mit einem ominösen Institut zur Tabakforschung im Hintergrund werden die schädlichen Folgen des Tabakkonsums zwar nicht abgestritten, die Wahrheit aber dennoch gefiltert.
"Thank You For Smoking" entscheidet sich bewusst dafür, keine Pro- oder Contrastellung zum Rauchen einzunehmen. Stattdessen zeichnet der Film das Bild einer ambivalenten Figur in einem komplizierten gesellschaftlichen Umfeld. Klar steht Nick im Mittelpunkt der Sympathie, obwohl er uns ja eigentlich unsympathisch sein müsste. Doch als ihn der Marlboro-Mann beinahe erschießt und er im Beruf von Vorgesetzten und Mitarbeitern ausgenutzt wird, erkennen wir den mühsamen Kampf dem er sich täglich aussetzen muss. Wir beginnen ihn als Menschen zu sehen und nicht als Kopf eines kapitalistischen Imperiums.
Zweifelsohne pendelt "Thank You For Smoking" dabei zwischen dramatischer Ironie und absurdem Galgenhumor. Figuren wie der überzeichnete Senator Finistirre leiten von einer Lachnummer zur nächsten und so bewegen wir uns in einer locker verbundenen Episodenstruktur fort. Immer wieder findet sich Nick Naylor in neuen komischen oder bedrohlichen Situationen wieder, verbunden durch harte Schnitte oder gelegentliche Voiceovers der Hauptfigur. Nicht alles ergibt immer einen Sinn, sorgt aber dennoch meist für einige wunderbare Lacher.
Da bleibt letztlich zu hoffen, dass das Kino auch voll besetzt ist, denn dann erzielt dieser unverblümte Zynismus bekanntlich den besten Effekt. Der Erfolg des Films ist allerdings nur schwer vorhersehbar. Als eine Art stilistische Mischung aus "Lord of War" und "I Heart Huckabees" sollte er aber auch in Deutschland ein interessiertes Publikum finden und bald zum Kultfilm avancieren. Mit der starken Independent-Orientierung des amerikanischen Kinos in den letzten Monaten bedeutet dies zwar nicht mehr viel (denn das Wort "Kult" wird ja bald zur Vermarktung jedes anspruchsvollen Films verwendet), "Thank You For Smoking" fügt sich jedoch bestens in die bestehende Kinoströmung ein und schafft sich einen denkwürdigen Platz an der Seite des Blockbuster-Kinos.
Doch zurück zu Nick Naylor und seinem aufwändigen filmischen Werbeprogramm für "Zigaretten im Weltraum". Recht hat er ja, dass im Kino nur noch die "Bösen" und die "Verlierertypen" rauchen (außer, es handle sich um einen europäischen Film). Worauf sich Nick hier bezieht ist äußerst interessant, denn er spricht den starken Einfluss des Kinos auf das Verhalten seiner Zuschauer an. So ist es doch unklar, welche macht Product Placement im Vergleich zu konventioneller Werbung hat. Falls Nick's (anhand realer Zahlen dargestellte) Fakten stimmen, ließe sich das Kino dann auch noch heute zur Massenbeeinflussung nutzen? Trinken wir durch James Bond mehr Martinis oder änderte "2001" unsere Einstellung gegenüber IBM Computern? Und würde es die Welt verändern, wenn Patrick Stewart in X-Men 3 auf einmal z.B. ein Warsteiner trinken würde? Nun, die Tiefen der Kinoleinwand scheinen oft nur für den Zuschauer unergründlich, nicht aber für die Marktforschung.
| FAZIT
Lustig und vielschichtig, ohne dabei aufdringlich zu wirken. "Thank You For Smoking" gelingt es gleichwohl locker wie auch spannend zu unterhalten.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung