Ein Heilmittel ist gefunden worden, das Mutanten in normale Menschen verwandeln kann. Dagegen läuft Magneto Sturm: Er hält Mutanten für überlegen und wehrt sich gegen die Arroganz der Mehrheit gegenüber der von der Evolution begünstigten Minderheit.
Xavier und seine X-Men arbeiten mit dem Minister für Mutantenfragen zusammen, um jeden Zwang auf Mutanten, sich „heilen“ zu lassen, zu verhindern – während Magneto eine Armee aufstellt für einen Krieg gegen die Menschheit.
Magneto und Xavier sind dabei hinter einer ganz besonderen Waffe her: Jean Grey, im zweiten Teil gestorben, ist als übermächtige Übermutantin wiedergeboren worden, die alles kann. Und die vollkommen unberechenbar ist in ihrer Zerstörungskraft…
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| FILMKRITIK
Das Besondere an der X-Men-Serie war bisher, dass es gerade nicht um ein Gut-gegen-Böse-Schema ging. Vielmehr umspielten die Filme die konkurrierenden Philosophien zweier Mutantenfraktionen: Die radikale um Magneto einerseits, die moderate um Xavier andererseits. Und wenn auch die Filme auf der um Toleranz und friedliches Miteinander kämpfenden Seite standen, wurde Magnetos revolutionärer Ansatz nicht rundweg verdammt: Er leitete quasi als Malcolm X die Black Panthers, im Gegensatz zu Xaviers „Ich habe einen Traum“-Martin-Luther-King-Bewegung; das Ziel aber war dasselbe: Gesellschaftliche Anerkennung der Mutanten, die wegen ihrer ganz besonderen Eigenschaften von menschlichem Mainstream diskriminiert wurden.
In diesem dritten Teil wird nun ein Element eingeführt, das eine neue Front eröffnet: ein Heilmittel wurde gefunden, das aus Mutanten wieder normale Menschen machen kann. Magneto befürchtet nun, dass diese Mittel zu einer Art Zwangsassimilation führen wird, zur Nivellierung der Unterschiede zwischen der Mutanten-Minderheit und den Menschen-Mehrheit. Eine Auslöschung jeder Individualität, ein Sieg der Konformität: Dagegen mobilisiert er seine Kräfte und beginnt einen Krieg, der sich gnadenlos gegen die Menschen und alle Mutanten richtet, die seinem Ziel im Wege stehen. Und damit hat der Film ab der zweiten Hälfte verloren.
Denn dem Ansatz einer Diskussion um das Für und Wider des Entzugs von Mutantenfähigkeiten – ob freiwillig oder zwangsweise – weicht der Film aus, um sich ganz dem Schwarz-Weiß-Schema zu widmen. Magneto wird zum Terroristen, zum Feind, und Xavier und seine Kämpen müssen seine radikal-revolutionären Ideen und Taten bekämpfen, im Verein mit der US-Regierung, die inzwischen dermaßen viel Verständnis für alle berechtigten Interessen der Mutantengemeinde aufbringt.
Verknüpft wird dieser Weg in den unausweichlichen Krieg mit einer Geschichte um Jean Grey, die im zweiten Teil eigentlich gestorben war, jetzt aber mit übermächtigen Kräften wiederaufersteht, eine unberechenbare Waffe, die nicht kontrolliert werden kann und deshalb eine Gefahr für alle ist.
Die Dramaturgie wirkt mit diesen verwickelten Fäden ebenso fahrig wie die Inszenierung. Brett Ratner huscht mehr noch als es in den vorigen Teilen üblich war über seine vielen Charaktere hinweg, so dass diesmal wirklich keiner mehr in irgendeiner Weise im Mittelpunkt steht. Viel mehr Wert legt Ratner auf kleine Gags am Rande, in Xaviers Internat zum Beispiel (das sich damit ziemlich an Hogwarts angleicht), in dem die Schüler kleine Zaubergimmicks austesten und lustige Mutantenscherze treiben. Ein bisschen weniger wäre viel mehr gewesen.
So stolpert der Film vor sich hin, und wenn nichts mehr hilft, kommt eine Action-Sequenz oder ein paar Szenen, die die Vorgängerfilme deutlich an Brutalität übertreffen. Ratner und sein Film fallen dabei über den eigenen Subtext, der ja doch in der ganzen Serie recht im Vordergrund stand: Die Minderheit, die für ihre Rechte kämpft und dabei zwischen Evolution und Revolution schwankt, wird letztendlich denunziert, indem zwar einerseits die brutale Radikalität on Magneto verurteilt wird, andererseits aber implizit – und wahrscheinlich hat’s keiner gemerkt – seine Befürchtungen sich bewahrheiten. Das Heilmittel nämlich wird tatsächlich gegen die Mutanten eingesetzt, und wer von den Mutanten zu mächtig wird, muss mit allen Mitteln gestoppt werden. Der Weg zur Neutralisierung der Mutanten ist frei.
Vielleicht wird das der Plot von Teil 4? Denn neben dem angekündigten Wolverine-Spin-Off verspricht „X-Men – Der letzte Widerstand“ ganz am Schluss – trotz der Bezeichnung als Finale der Trilogie – eine weitere Fortsetzung. Es könnte sich aber auch um einen von Ratners irrelevanten Gags handeln.
| FAZIT
Schwacher Abschluss der X-Men-Trilogie, was an Dramaturgie, Inszenierung und dem Fehlen jeglicher Subversität liegt.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung