Es ist der 11. September 2001. Vier junge Männer machen sich nach einem Anruf auf den Weg zum Flughafen, um einen Befehl auszuführen: Das Flugzeug „United 93“ entführen und gezielt abstürzen lassen. Mit ihnen an Bord befinden sich Heimreisende, Urlauber, Geschäftsleute. Das Flugzeug startet mit Verspätung, dennoch läuft alles routiniert und normal ab.
Am Boden ist zunächst auch alles ruhig. Dann verschwindet ein Flugzeug vom Bildschirm, zu dem vorher kein Kontakt mehr aufgenommen werden konnte. Zur selben Zeit kollidiert ein Flugzeug mit einem der Türme des World Trade Centers. Während noch versucht wird, festzustellen, ob ein Zusammenhang zwischen den beiden Vorfällen besteht, scheint ein zweites Flugzeug entführt worden zu sein. Es fliegt vor den Augen der Fluglotsen in den zweiten Turm.
Das Militär ist längst informiert, ohne jedoch aktiv einschreiten zu können. Die Kommunikation ist gestört, eventuelle Waffen können nicht bereit gestellt werden. Ein drittes Flugzeug wird entführt, dann ein viertes, die United 93. Die vier Terroristen haben die Piloten ermordet und selbst die Steuerung des Fliegers übernommen. Die Passagiere nehmen über Handys und Bordtelefone Kontakt zu Bodenpersonal, Freunden und Verwandten auf.
Sie erfahren von den bereits abgestürzten Flugzeugen und ahnen, dass es sich bei ihrer eigenen Entführung um ein Selbstmordkommando handelt. Informationsfetzen werden ausgetauscht, wer kann, versucht, sich von Eltern, Kindern und Freunden zu verabschieden. Safekombinationen werden übermittelt, Testamente gemacht. Dann steht plötzlich die Idee der Rebellion im Raum. Ein Mann spricht davon, das Flugzeug eventuell landen zu können. Die Passagiere klammern sich an diese letzte Hoffnung. Sie überwältigen die Täter, das Flugzeug gerät außer Kontrolle und stürzt ab. Niemand überlebt.
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| FILMKRITIK
Was macht einen guten Film aus? Auf diese Frage gibt es entweder keine oder sehr viele unterschiedliche Antworten. Hier müsste die Frage etwas umformuliert werden: Genügt gute Filmtechnik, um einen guten Film zu machen? Denn die Technik des erfahrenen Regisseurs Paul Greengrass ist zweifellos gut.
Gekonnt schneidet er zwischen den unterschiedlichen Bodenstationen und dem Innern des Flugzeugs hin und her, ohne den Zuschauer zu verwirren. Der Grad der Kamerabewegungen korrespondiert dabei mit dem Grad menschlicher Erregtheit. Je mehr das Bodenpersonal in hilflosem Chaos und emotionaler Unbeholfenheit versinkt, desto mehr scheint auch die Kamera die Kontrolle zu verlieren. Die Bewegung der Geschichte gleicht einem Strudel, der alles unabänderlich mit sich reißt und dabei mehr und mehr an Geschwindigkeit gewinnt. Am Ende des Films bleiben völliger Kontrollverlust und Bildfetzen, die nur noch erahnen, nicht aber wissen lassen.
Und genau hier wäre der Übergang zu setzen zur oben angesprochenen Frage. Denn scheinbar wird dem Zuschauer hier das Wissen präsentiert: „So war es.“ Aber, es ist wichtig festzuhalten: „So war es nicht.“ Der Film ist keine Dokumentation, er ist ein fiktiver Spielfilm. Über die tatsächlichen Ereignisse an Bord lässt sich nur spekulieren, aber niemals die Wahrheit erzählen, so ausführlich man auch recherchiert haben mag.
„United 93“ ist also eine Idee, wie es möglicherweise gewesen sein könnte. Zwei Überraschungen bietet der Film dabei allerdings schon. Die Terroristen werden nicht in ein Klischee gepresst. Neben der Angst vor dem Versagen und der Nervosität vor der Tat gesteht der Regisseur ihnen auch die Angst vor dem eigenen Tod zu.
Gleichzeitig macht er die Passagiere nicht zu amerikanischen Helden, die, um ihr Land oder gar ihren Präsidenten zu schützen, einen Absturz herbeiführen, wie es die Medien hin und wieder propagierten. Gezeigt werden Menschen, die noch die geringste Hoffnung auf Überleben zum Anlass nehmen, gegen die Terroristen zu rebellieren.
Gleichzeitig hilft ihnen die verzweifelte Aktion, die Unerträglichkeit der Situation zu mindern. Es scheint eine natürliche Reaktion zu sein, nicht auf den Tod warten zu wollen, sondern aktiv etwas zu tun. Dass das keinen Sinn mehr hat, weiß der Zuschauer am allerbesten. Den Wissensvorsprung, den er hat, wird er den ganzen Film über behalten, da es sich um eine wahre, medial zigfach verbreitete Geschichte handelt.
Und genau deshalb ist der Film eben nicht gut. Denn er baut sich auf dem Schicksal real gestorbener Menschen auf. „United 93“ kann dabei kaum von sich behaupten, den Opfern eine Erinnerung ermöglichen zu wollen. Die Menschen an Bord werden zu Filmfiguren, von denen man wenig bis nichts persönliches erfährt. Aufklärung kann ebenso wenig Filmziel gewesen sein, dann hätte es schon ein Dokumentarfilm sein müssen, der sich nur auf Tatsachen und nicht auf fiktive Ideen stützt.
Der Film speist sich aus der Neugier und der Lust der Zuschauer am Unglück anderer. Während dieser sich in den Kinositz kuschelt, kann er sich das sehr reale Schreckensszenario anschauen mit dem sicheren Wissen darüber, wie es ausgehen wird. Spannung und Emotionen resultieren allein aus dieser Tatsache heraus und werden durch emotionalisierende Musik und ebenso eingesetzter Kamera noch zusätzlich unterstützt. Die Opfer eines Anschlags werden auf diese Weise entwürdigt, ihr Schicksal kommerziell ausgeschlachtet. Und das sollte man beim Sehen des Films nicht vergessen.
| FAZIT
Technisch guter, aber künstlerisch wertloser Film über den Absturz des vierten Flugzeugs am 11. September 2001.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung