Mittwoch | 30. Mai 2012 | 16:12 Uhr
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  • FILM REVIEW | Stoned
  • Stoned

    Drama, Biografie | Großbritannien 2005
  • | INHALTSANGABE

  • Brian Jones (Leo Gregory), Gründungsmitglied und Gitarrist der „Rolling Stones“ treibt tot im Swimmingpool seiner Provinzvilla. Wie kam es dazu? Der ruhige Architekt Frank Thorogood (Paddy Considine) müsste was dazu sagen können. Schließlich bastelt der schon einige Monate an dem idyllisch gelegenen Häuschen des labilen Musikstars herum – und ist immer mehr in den Bann von dessen (ehedem) aufregenden Leben aus Sex, Drugs und Rock’n’Rolls geraten.
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      • | FILMKRITIK

      • In der Pressemitteilung heißt es, „Stoned“ sei „ein Film über Aufstieg und Fall des legendären ‚Rolling Stones’-Gründers Brian Jones“, der „Ikone einer ganzen Generation“. Das Dumme an Stephen Woolleys Film ist nur, dass man davon kaum etwas mitbekommt. Tatsächlich ist von Jones Aufstieg und Erfolgen wie überhaupt von den „Stones“ bis auf kurze, hingeworfene Momente wenig zu sehen.

        Und was von der erfolgreichsten Live-Band der Welt inszeniert wird, besteht aus den sattsam bekannten Bildern, die in Filmen für ein wüstes Musikerleben reserviert sind. Krach mit den Eltern, einige wenige und kurze Konzertszene. Natürlich die Sex- und Drogenexzesse, hier mal aufgepeppt mit Sadomaso-Einlagen. Und viel nackter Haut: soviel gezielt entblößte Brüste und ab und an ein blanker Penis – hui, wie verwegen! Kontrastreiche „Doku“-Aufnahmen, gekonnt angefertigt vom Oscar-Kameramann John Mathieson („Gladiator“), verwackelt, verwaschen, die haben schon etwas von Authentizität.

        Aber weil die Rückblenden so zerfahren und beliebig daherkommen, muss man schon wissen, wer und wie und was die „Rolling Stones“ und ihr Brian Jones war, samt dem ganzen Szene-Personal drumherum. Der Film erklärt es einem nämlich nicht. Bestenfalls behauptet er die Bedeutung, mit der er herumspielt.

        Immerhin wird von vornherein alles Coole und Aufregende ziemlich übersprungen und gleich zum Niedergang übergegangen. Eine herrliche Dekonstruktion nicht nur der schönen Scheinwelt des Rock-Lebens sondern auch von dessen „Geschichtsschreibung“, den entsprechenden, legendenbefördernden Verfilmungen wie Oliver Stones „The Doors“ scheint darin angelegt zu sein. Jack Arnold hat dafür die passende Musik geschrieben. Neben den zeitgenössischen Songs, die hier schon fast klischeehafte Verwendung finden („White Rabbit“ zu Brians LSD-Versuchen), verhehlt sein schöner wehmütiger Score nie, dass es hier um ein reine „Erzählung“ handelt, und einen Abgesang dazu. Damit hat er dem Film als Gesamtwerk allerdings schon viel voraus.

        Wie Arnold waren auch die Drehbuchautoren von „Stoned“, Robert Wade und Neil Purvis, in letzter Zeit vor allem für die James-Bond-Reihe tätig. Mögen Wade und Purvis vielleicht das enge Korsett des Genres fehlen – oder womöglich ist Regisseur Woolley, der hier sein Regiedebüt gibt, zu sehr Fan der Stones gewesen: „Stoned“ jedenfalls weiß nicht so recht, was er will oder wohin er will. Genauer gesagt scheint er zuviel auf einmal zu wollen und verzettelt sich dabei.

        Dabei ist seine Stärke eindeutig das kleine Drama, das sich zwischen dem Architekten Frank und Brian entspinnt. Der bodenständige Frank wird vom zynischen „Stones“-Manager Tom Keylock (David Morrissey) für Brian verpflichtet, nachdem er schon Keith Richards Bude hergerichtet hat. Dass Brian im ehemaligen Domizil von A.A. Milne, Autoren von „Pu der Bär“, lebt und seinen Hund entsprechend „Heffalump“ nennt, hat da seinen Reiz: das englische Landhäuschen mit dem verwachsenen Garten ist eine verwunschene Kulisse, in der aufs Faszinierendste die Zauberwelt des berühmten Brians mit der prosaischen des Handwerkes Frank kollidieren. Welche davon die „richtige“ ist, mag man gar nichts sagen.

        Doch aus diesem Zusammenstoß, dem zuletzt Frank wie Brian zum Opfer fallen, weiß Woolley kein rechtes Kapital zu schlagen. Wer von den beiden den nun wirklich die Hauptfigur ist, bleibt unklar und damit beide blass. Zu blass, um wirklich Anteil zu nehmen.

        So verpufft der Film irgendwo zwischen Mythos und Drama, Kammerspiel und Zeitkolorit, Laut und Leise, und erstaunt immerhin damit, dass ein Film über die „Stones“ (oder zumindest einen Teil von ihnen) sowenig „Stones“ beinhalten kann.
      • | FAZIT

      • Stephen Woolleys Film über die letzten Monate im Leben des legendären „Rolling Stones“-Gitaristen Brian Jones treibt orientierungslos zwischen Rock’n’Roll-Abgesang und Psychodrama, sowie seinen beiden Protaginisten herum, weshalb er farblos bleibt und bestenfalls die Faszination weckt, die man als Zuschauer und Fan selbst mitgebracht hat.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Bernd Zywietz

      • | Userwertung

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