Der Historiker und Symbologe Robert Langdon (Tom Hanks) macht sich mit einer jungen Französin (Audray Tautou) auf eine Schnitzeljagd, die sie durch die Kunst- und Kirchengeschichte zu einer groß angelegten historischen Verschwörung führen – derweil ein mörderischer Mönch (Paul Bethany) ihnen auf den Fersen ist.
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| FILMKRITIK
Eigentlich ist ein Unding, zu Dan Browns Bestseller bzw. dessen Verfilmung von einem neutralen Standpunkt aus etwas zu sagen. Nicht nur, weil die Menschheit sich in die Lager derer teilt, die das Buch kennen und die, die das nicht tun. Selbst letztere sind – zumindest in den vergangenen Wochen – wohl nicht umhin gekommen, etwas vom „Da Vinci Code“ bzw. „Sakrileg“ (wie das Buch in Deutschland heißt) aufzuschnappen.
Zudem tut sich zwischen Werbung und offiziellen Kritiken ein offenbar unüberwindbarer Gegensatz auf. Der Marketing-Aufwand war jedenfalls enorm. Kaum eine Zeitschrift ohne Berichterstattung, dazu mit (allzu oft gekauften) Cover, die den Film vorab lobte. Und dass, obwohl – kein Wunder bei der PR – auf eine Vorabschau verzichtet wurde. Nur ein knapp 30minütiger Rohschnitt war zu bewundern. Dieses Bohai reizte dann umso mehr die Kritik. Bei der Premiere in Cannes wurde der Film ausgelacht, und bislang ist denn auch ordentlich auf ihm herumgetrampelt worden.
Zwischen diesen Extremen darf man also wählen. Und wie es so oft, liegt die Wahrheit – selbst wenn es dort unbequem ist – genau dort: Irgendwo dazwischen.
Man kann gerne streiten, ob Tom Hanks in der Hauptrolle eine gute Wahl ist (ist er nicht). Man kann sich fragen, ob „Apollo 13“- und „A Beautiful Mind“-Handwerker Ron Howard gute Arbeit geleistet hat (hat er; zumindest weiß er, was er macht).
Was jedoch wirklich interessiert, ist, ob die populärwissenschaftliche, gleichwohl anregende Schnitzeljagd, die Brown da im Buch ausbreitete, sich angemessen auf der großen Leinwand wieder findet. Die Antwort ist ein definitives Jein.
Tatsächlich hat man es bei „The Da Vinci Code“ um eine fordernde Mischung aus Edgar Wallace-Hatz, „Terra X“-Infotainment und Computer-Spiel zu tun, die einen formelhaft von Aufgabe zu Aufgabe führt, zwischendurch mit graphisch aufbereitete Lehreinheiten unterhält und einen liebevoll verworrenen Rätselkrimi bietet. Wenn man damit – also dem Formelhaften, dem Verzicht auf irgendwelche Charakterisierungen (die auch das Buch nicht vorhatte, zu bieten) oder sonstige künstlerische Ansprüche leben kann – ist man gar nicht so schlecht bedient.
Tatsächlich prasseln in der ersten Hälfte des überlangen Films ein solches Maß an Informationen auf einen ein, dass man, wenn man den Roman nicht kennt, angenehm ge- oder überfordert ist. Auch, wenn es zum Historiker Sir Leigh Teabing (großartig: Ian McKellen) kommt, gönnt sich „The Da Vinci Code“, fast 15 Minuten lang historische Hintergründe zu erzählen. Welcher Thriller kann sich derartiges erlauben!
Dass er darüber sein Pulver verschießt, ist natürlich nicht so schön: der Rest des Filmes, wenn das zentrale Komplott um die Nachkommenschaft Jesu Christi etabliert ist (sehr spekulativ und trotzdem spannender als beim Telekolleg) dümpelt der Film in seiner Hatz dahin. Schlichtweg weil ihm das (pseudo)historische Futter ausgegangen ist.
Und der überlange Schluss, der gar nicht zum Ende kommen mag, als hätten wir es mit 9 Stunden „Herr der Ringe“ zu tun gehabt, geht auf die Nerven. Auch weil man nicht länger mit Fakten und Handlung und Hintergründen und Verwicklungen beschäftigt, gar bombardiert wird, die einem die Spielerei, das Hinweissuchen, Tüfteln und Standardisierte schmackhaft machen und irgendwie vorm richtigen Nachdenken bewahren: irgendwo reinkommen, grübeln und schnell wieder vor der Polizei flüchten. Eine der besseren Adventure-Game-Verfilmungen („Baphomets Fluch“ lässt grüßen), wenn man so will. Dass es kein Spiel als Vorlage gibt: Ja, was kann der Film dafür?
Schön, dass die Frage nach der das Christentum in seinen Grundfesten erschütternde Idee vom Erbe Christie so beliebig offen und belanglos aus der Welt geschaffen wird, kann vielleicht nicht anders sein: Soll „The Da Vinci Code“ noch die Apokalypse des westlich-religösen Zusammenhalts ausbaden, nur weil er damit herumspielt?
Wer mit solcher kleinlicher Kritik kommt, der sei an die Indiana Jones-Filme erinnert. Auch die tapperten so blindlings wie fröhlich durch Mythen, Glaube und Geschichte samt ihren Artefakten bzw. Spuren, und das noch weitaus oberflächlicher als „The Da Vinci Code“. Dafür freilich mit mehr Action und vor allem Ironie – etwas, dass Howards Film neben dem Erheben des Dialogs und der Protagonisten über das Kalkül und die reine Zweckhaftigkeit hinaus gut getan hätte. Sei’s drum.
Denn auch wenn es Browns Buch besser als RTL-Zweiteiler ins audiovisuelle Medium geschafft hätte: eine Menge unterhaltsamen Kintopp samt Möchtegern-Geschichtsstunde kann man sich hier schon herausschlagen. Und das ist doch auch schon was.
| FAZIT
Die Verfilmung des Mega-Bestsellers mit (mal mehr, mal weniger gelungener) Starbesetzung bietet narrenfreie Unterhaltung mit hier zuviel Informationen, da zu wenig Handlung. Doch auch wenn er sich selbst etwas arg ernst und wichtig nimmt: fidelen Spaß kann die wüste Mischung aus Edgar Wallace-Krimi, „Terra X“-Doku und Computer-Spiel schon machen.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung